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Proteste gegen prekäre Beschäftigung gibt es morgen auch in der Goldstadt. Latz
Proteste gegen prekäre Beschäftigung gibt es morgen auch in der Goldstadt. Latz
06.10.2015

IG Metall sind Werkverträge ein Dorn im Auge

Prekäre Beschäftigung durch Leiharbeit konnten die Gewerkschaften zwischenzeitlich tarifvertraglich reglementieren. Jetzt erhöht die IG Metall den Druck auf den Gesetzgeber, um Missbrauch durch Werkverträge vorzubeugen. Am morgigen bundesweiten „Tag der menschenwürdigen Beschäftigung“ gibt es neben Flugblattaktionen vor den großen Pforzheimer Betrieben auch eine Kundgebung des Ortsfrauenausschusses (OFA) in der Fußgängerzone.

„Die Fremdvergabe zentraler Funktionen der Wertschöpfung etwa im Bereich Entwicklung und Wartung ist längst kein Einzelfall mehr“, warnt Martin Kunzmann, Chef der Pforzheimer IG Metall. Rund 50 Prozent des Marktvolumens für Entwicklung im Fahrzeugbau werde bereits von Dienstleistern erbracht.

„Es geht dabei um drastische Lohnkostensenkung. Die Leistung, die bisher Stammbeschäftigte erbrachten, wird einfach von außen billiger eingekauft,“ so Kunzmann. Es handle sich um Extraprofite, die unter dem Siegel der Flexibilität verbucht würden. „Das klingt netter, ist es aber nicht.“ Auch der stellvertretende IG Metall-Bundesvorsitzende Jörg Hofmann hat die wachsende Auslagerung von Tätigkeiten scharf kritisiert. Es sei eine Legende, dass es sich bei Werk- und Dienstleistungsverträgen stets um eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen Autoherstellern und spezialisierten Firmen gehe. So würden in der deutschen Autobranche über 150 000 Arbeitsplätze im Bereich Industrielogistik, Entwicklungsdienstleistung und Industrieservice ausgelagert und fremdvergeben. Die Leidtragenden seien die betroffenen Mitarbeiter, weil sie oftmals weniger Lohn, Urlaub und eine schlechtere Altersversorgung erhielten als Tarifbeschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer wehrt sich indes gegen den Vorwurf des Missbrauchs. Werkverträge seien ein bewährtes und erfolgreiches Instrument der Flexibilisierung. „Die Digitalisierung der Arbeitswelt beschleunigt Arbeitsteilung und Spezialisierung der Wirtschaft, was in Zukunft nicht weniger, sondern mehr Werkverträge erforderlich macht, um Wachstum und Arbeitsplätze auf Dauer zu sichern.“

Und der Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Oliver Zander, wirft der IG Metall vor, mit den Aktionen lediglich neue Mitglieder werben zu wollen. Die Zahl der gut bezahlten Stammarbeitsplätze wachse seit Jahren, in der Metall- und Elektroindustrie um 360 000 seit der Krise 2009.