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Metaller unter sich: Bezirksleiter Roman Zitzelsberger (rechts) und der Pforzheimer Bevollmächtigte Martin Kunzmann.
Metaller unter sich: Bezirksleiter Roman Zitzelsberger (rechts) und der Pforzheimer Bevollmächtigte Martin Kunzmann.
18.02.2016

IG-Metall-Chef Zitzelsberger holt sich Rückendeckung von Pforzheimer Kollegen

Für die 800.000 Beschäftigten der südwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie hat die neue Tarifrunde begonnen. Über 100 Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall Pforzheim/Enzkreis formulierten am Mittwoch ihre Forderung: fünf Prozent mehr Lohn ab April, für die nächsten zwölf Monate.

Sie hat Tradition – die Funktionärskonferenz der IG Metall im Gasthaus „Stadt Pforzheim Bären“ in Eutingen: Beifall für den Ruf nach einer satten Lohnerhöhung, den Bezirksleiter Roman Zitzelsberger argumentativ bekräftigt. „Gute Mitarbeiter muss man gescheit bezahlen.“ Und Pforzheims IG-Metall-Chef Martin Kunzmann führt als Kronzeugen ausgerechnet Burkhard Thost an, den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald. Nach der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage machen die regionalen Unternehmen nämlich gute Geschäfte.

Was Kunzmann zudem stört, ist die Abkehr von der Parität bei der Beitragsbelastung zur Krankenversicherung. Dort würden die Arbeitnehmer nämlich verstärkt zur Kasse gebeten. Zwischen 33 und 63 Euro mehr pro Monat müssten die Beschäftigten an Beiträgen bezahlen. Die Betriebe würden dagegen entlastet.

Doch zurück zur Tarifpolitik: Zitzelsberger verteidigt die Höhe der Forderung, die ein halbes Prozent unter der des vergangenen Jahres liege. Trotz der erkennbaren Risiken werde das weltweite Wachstum auf über drei Prozent geschätzt. Die Stabilität in Deutschland sei angesichts des guten Exports und dem zurückliegenden erfolgreichen Jahr in der Metall- und Elektrobranche durchaus gegeben. Drei von vier Betriebsräten gaben an, die Lage in ihrem Unternehmen sei gut bis sehr gut und bisweilen sogar hervorragend. Zitzelsberger addiert zur Produktivitätssteigerung von einem Prozent zwei weitere Prozentpunkte zur Stärkung der Kaufkraft plus zwei Prozent aus der Inflationszielmarke – macht zusammen besagte fünf Prozent.

2015 erreichten die Metaller einen Pilotabschluss von 3,4 Prozent über 15 Monate Laufzeit. Seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 seien Löhne und Gehälter damit um mehr als 20 Prozent gestiegen, kritisiert der Arbeitgeberverband Südwestmetall. Mehr als ein Fünftel der Metall- und Elektro-Betriebe bundesweit schreibe Verluste oder nur eine schwarze Null.

Zitzelsberger entgegnet, nach dem jüngsten Ranking der Unternehmensberatung Deloitte stehe Deutschland nach China und den USA auf Rang drei der Wettbewerbsfähigkeit.

Vorläufig ist die Tarifforderung, weil zunächst noch die baden-württembergische Gewerkschaftsspitze am kommenden Dienstag und Ende Februar der Bundesvorstand der IG Metall ein endgültiges Votum trifft. Danach startet am 16. März die erste Verhandlungsrunde, die Friedenspflicht endet am 28. April um Mitternacht, dann könnte auch in Pforzheim gestreikt werden.