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Wirtschaftsminister Nils Schmid (Zweiter von links) mit IHK-Präsident Burkhard Thost (Zweiter von rechts) beim Empfang in der Industrie- und Handelskammer in Isfahan. Foto: Stollberg
Wirtschaftsminister Nils Schmid (Zweiter von links) mit IHK-Präsident Burkhard Thost (Zweiter von rechts) beim Empfang in der Industrie- und Handelskammer in Isfahan. Foto: Stollberg
23.09.2015

IHK Nordschwarzwald sieht gute Chancen im Iran

Sichtlich beeindruckt von ihren Erfahrungen im Iran zeigten sich am Dienstag regionale Unternehmer in einem Pressegespräch bei der IHK Nordschwarzwald und das, obwohl die Delegationsreise mit dem baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid schon knapp zwei Wochen zurückliegt. 50 Unternehmer aus dem Südwesten nahmen daran teil. Michael Lindner, Chef des Calwer Kosmetik-Herstellers Börlind, macht bereits seit einigen Jahren gute Geschäfte in der Islamischen Republik Iran. „Unsere Naturkosmetik ist in Teheran sehr gefragt“, erzählt Lindner.

Rund 500.000 Euro Umsatz macht Börlind in dem Land, das durch die jahrelangen internationalen Wirtschaftssanktionen im Atomkonflikt arg gebeutelt wurde. Und die Calwer bekommen ihr Geld, auch wenn seither keine Kreditbürgschaften durch Hermes mehr möglich sind. „Im Frühjahr könnten die Sanktionen aufgehoben werden“, hofft IHK-Präsident Burkhard Thost, selbst Unternehmer, der mit seiner Frau einige Monate beruflich im benachbarten Dubai lebte. „Der Maschinenbau als eine der bedeutendsten Exportbranchen könnte besonders davon profitieren“, glaubt Thost. Doch auch in der Metallbearbeitung, der Autozuliefer- und Elektroindustrie sowie der Baubranche gebe es enormen Nachholbedarf.

Viele iranische Produktionsanlagen seien veraltet, der Wunsch nach Produkten „made in Germany“ in der Bevölkerung außergewöhnlich hoch, sagt Thost. „Das ist eine gute Perspektive für den Mittelstand.“ Doch Mark Steven Pace, Chef der Ispringer Dentalfirma Dentaurum, warnte vor einer Goldgräberstimmung. Schließlich seien asiatische Unternehmen längst vor Ort, während sich die deutschen Exporterlöse durch die jahrelangen Sanktionen halbiert hätten. Auch die Umsätze von Dentaurum im Iran – ohnehin nur ein kleiner Markt für die älteste Dentalfirma der Welt, die in 150 Ländern vertreten ist – seien durch das Embargo gesunken. Und aktuell sind nicht nur baden-württembergische Wirtschaftsvertreter im Land unterwegs – Pace berichtet von Delegationen aus Nord- und Südamerika, Asien und Europa.

Im Iran leben rund 80 Millionen Menschen, fast 70 Prozent seien jünger als 30 Jahre. Obwohl politische Themen wie die Einhaltung der Menschenrechte offiziell ausgeklammert waren, wurden im persönlichen Dialog mit iranischen Unternehmern und Unternehmerinnen auch kritische Fragen angesprochen. Die Menschen hätten sich augenscheinlich mit den strengen Vorgaben der Revolutionsführer arrangiert. Die Sittenpolizei halte sich zurück und erscheine nur gelegentlich, um Präsenz zu zeigen. Es gebe sehr viele Frauen in Führungspositionen, die seien überaus gebildet, melden sich im Gespräch kuragiert zu Wort und häufiger rutscht dabei auch das obligatorische Kopftuch weit nach hinten, das auch gerne Rosa sein darf und zur Farbe des Lippenstifts passt. Doch die Freiheit hat ihre Grenzen.