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Philipp Bauknecht (Medialesson) und Kay Mantzel (Microsoft) am Gemeinschaftsstand der Pforzheimer Medien-IT-Initiative.
Virtuelle Zukunft beim Pforzheimer Fotostudio Gieske: Lina Berber und Dennis Rosenau verfolgen auf dem Bildschirm die Bewegungen von Jan Richter. Ketterl
Diskutanten (von links): David Herrmanns (Cyberforum), Professorin Ellen Enkel (Zeppelin Universität), Uwe Häberer (Siemens) und Andreas Hauser (SAP).
Fachplauderei in der Pause (von links): Eugen Müller (Meyle + Müller), Wirtschaftsförderungschef Oliver Reitz und Moderator Jan Hofer.
Heinz-Jügen Merkle (Uni Mannheim) und Günter Schneider (Bachmann Systems) lauschen gespannt den Experten-Vorträgen im CongressCentrum.
21.06.2017

IHK Zukunftsforum zeigt: Die Welt verändert sich radikal

Beim Zukunftsforum der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald im CongressCentrum Pforzheim debattieren Experten zwei Tage lang über die digitale Zukunft

Und dieses Programm weist Referenten aus, mit denen die IHK die Topleute namhafter Unternehmen und Hochschulen nach Pforzheim geholt hat. Microsoft, Siemens, Cisco, SAP und Cyberforum sowie Zeppelin Universität Friedrichshafen ist lediglich ein Teil der Liste des ersten Tages. Heute werden Vertreter von BASF, Bitcoin, Fraunhofer und Porsche Digital sowie der vom ZDF bekannte Philosoph und Publizist Professor Richard David Precht auf die CCP-Bühne steigen – um nur einige zu nennen. Mit dem Microsoft-Partner und Medialesson-Geschäftsführer Philipp Bauknecht ist auch lokale unternehmerische Prominenz aus Pforzheim vertreten.

Um was geht‘s denn nun beim Zukunftsforum 2030? Um das, was jeder schon in seinem Umfeld mehr oder weniger intensiv verspürt: die vierte industrielle Revolution, also die Digitalisierung in allen Lebenslagen der Bürger, ganz gleich ob beruflich oder privat. So lautet denn auch der Untertitel des Forums „Der Mensch in der smart World.“

Dieser Mensch wird sich umstellen müssen. Einen Beruf, den er heute gelernt hat, kann es morgen schon nicht mehr geben. Er wird sich mit neuen Jobprofilen und mit lebenslangem Lernen befassen müssen. Microsoft führt in München schon mal vor, wie das neue Arbeiten aussehen kann: Statt starr in einen Acht-Stunden-Tag gepresst zu sein, haben die 2700 Beschäftigten dort Vertrauensarbeitszeit, wie Kai Mantzel erläuterte. Er ist als sogenannter Experience Lead für das Bespielungskonzept der neuen Deutschlandzentrale in München verantwortlich. Vertrauen bedeute, der Mitarbeiter müsse seine Arbeitszeiten nicht rechtfertigen.

Microsoft biete die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Daneben gebe es im Unternehmen verschiedene Arbeitsbereiche, je nach Art der aktuellen Tätigkeit: die offene Zone für laute Gespräche, der ruhige Rückzugsbereich für hochkonzentriertes Nachdenken oder den Bereich für individuelles Arbeiten. Und es gebe „die Fläche für kollaboratives Arbeiten.“ Außerdem: „Hierarchien sind von .“ Man ist per Du, jeder Mitarbeiter könne seinen Vorgesetzten direkt ansprechen. Welche Anforderungen gibt es an die Beschäftigten? „Digitale Kompetenz wird mindestens genauso wichtig, wie fachliche oder soziale Kompetenz“, sagte Mantzel.

Die Software wird mehr als die Hardware die Zukunft bestimmen, ist sich Uwe Häberer sicher. Er leitet bei Siemens die Division Digital Factory Deutschland. „Digitalisierung verändert alles“, sagte er. Wird es auch Arbeitsplätze kosten? Nicht zwingend, wie Häberer am Beispiel Adidas erläuterte. Der Sportartikelhersteller werde sogar einen Teil seiner Auslandsproduktion nach Deutschland verlagern. Der Grund: Mit dem Anspruch, mit digitalter Unterstützung für den einzelnen Kunden einen Laufschuh nach dessen individuellen Wünschen herzustellen und in kürzester Zeit auszuliefern, seien Standorte wie Asien zu weit weg. Ergo: „Es kommen Produktion und Jobs zurück.“

IHK-Präsident Burkhard Thost, glaubt ohnehin, dass die digitale Transformation mehr Jobs schaffen als vernichten werde. Aber: Es würden völlig andere Berufsfelder entstehen. Deshalb seien Bildung und Weiterbildung unabdingbar. Thost: „Die Transformation betrachte ich nicht als Bedrohung, sondern als Chance.“

Andererseits prognostiziert Cicscos Deutschland-Manager Bernd Heinrichs: „40 Prozent der etablierten Marktführer werden bis 2030 vom Markt verschwunden sein.“ Er gibt den Unternehmen noch knapp drei Jahre Zeit, bis die Disruption greift. Bedenkenswert sei, „dass sich nur eine von vier Firmen mit diesem Thema beschäftigt“. Indes: Wer erst warte, bis er die Notwendigkeit der Veränderung erkannt habe, „für den ist es oft schon zu spät“, warnte Heinrichs.

David Hermanns vom Cyberforum Karlsruhe wollte die Teilnehmer bewusst provozieren: „Wir laufen Gefahr, unsere Kernkompetenz zu verlieren.“ Zwar seien viele Firmen technologisch „gut digitalisiert“, aber sie wüssten nicht, was der Kunde wolle, „weil sie vom Produkt und der Qualität her denken würden. Die Herausforderung sei es, eine Plattform zu schaffen, die die Kundenwünsche offen lege. Auf diesem Gebiet „sind wir derzeit nur dritte Liga“. Und Hermanns warnte: „Wir haben nicht viel Zeit.“ Siemens-Manager Häberer plädierte für eine neue Offenheit der Unternehmen: „Man muss sich darauf einlassen, auch mit Mitbewerbern zu kooperieren. Die Frage sei nicht mehr Klein-, Mittel- oder Großbetrieb, wichtig sei „gemeinsam etwas zu machen“.

Für Andreas Hauser, Senior-Vizepräsident bei SAP im Bereich Design, ist klar: „Es kommt eine große Welle auf uns zu.“ Aber was passiere, wenn der Mensch die neue Technologie nicht anwenden könne? Deshalb sprach Hauser von der „Menschen-zentrierten digitalen Transformation.“ Es müsse eine Innovationskultur geschaffen werden, die alle Beteiligten mitnehme.

Zum Abschluss der Veranstaltung am Mittwoch konnten sich noch drei digitale Startup-Unternehmen mit ihren Leistungen vorstellen: die Teqable AG aus der Schweiz, die VR-On GmbH aus Bayern und die Abertausend GbR aus Baden-Württemberg.

Thomas Satinsky zur Zukunft der Medienbranche