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Die China-Experten Hai Sun und Jiawei Wang mit IHK-Chef Martin Keppler und Jürgen Oswald (bw-i, von links).  Foto: Ketterl
Die China-Experten Hai Sun und Jiawei Wang mit IHK-Chef Martin Keppler und Jürgen Oswald (bw-i, von links). Foto: Ketterl
01.07.2016

IHK-Veranstaltung: „China bietet immer noch Chancen“

Ist der China-Boom zu Ende oder durchläuft die Wirtschaft im Reich der Mitte nur eine kleine Durststrecke? Wie können sich regionale Unternehmen in Zeiten abflauender Konjunktur ihre Wettbewerbsfähigkeit in China sichern? Antworten aus erster Hand lieferte Sebastian May, Abteilungsleiter Einkaufs- und Vertriebsunterstützung der Auslandshandelskammer (AHK) Süd- und Südwestchina.

Guangzhou May, der direkt vom Flughafen kam, trotzte dem Jetlag und stellte die Vertriebs- und Kooperationschancen deutscher Firmen in China vor. Man müsse von einer „neuen Normalität“ sprechen. Die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten sei wohl vorbei. Allerdings gebe es regionale Unterschiede, also Wirtschaftsregionen, in denen es nach wie vor boomt. Die Karawane der Billigproduzenten von Textilien und Turnschuhen sei jedoch weitergezogen. Das zeige sich auch an den stagnierenden Exportzahlen aus China. Die Regierung wolle künftig mehr Wachstum auf dem Binnenmarkt generieren. Das sei auch eine Chance für deutsche Produkte, die im Reich der Mitte einen guten Ruf hätten, sagte May.

Vertrauen in die chinesische Wirtschaft hat nach wie vor Jürgen Oswald, Chef von Baden-Württemberg International (bw-i) beim China-Tag in der IHK Nordschwarzwald. China sei mit einem Volumen von 24 Milliarden Euro der wichtigste Partner der baden-württembergischen Wirtschaft. Die Grundlagen für die engen Handelsbeziehungen habe vor 30 Jahren der damalige Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) gelegt.

Tobias Off, Geschäftsführer Baden-Württemberg International Nanjing, China, betrachtete die Auswirkungen von Chinas Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Der Kündigungsschutz sei schärfer als in Deutschland. Das Lohnniveau steige und die Mitarbeiter erwarteten neben guter Bezahlung auch zusätzliche Vorteile wie freie Handynutzung und Prämien. Sinnvoll sei es, den chinesischen Markt über den bw-i-Firmenpool professionell zu erschließen, riet Off.

Detlev Haas, Geschäftsführer der Wörner Automatisierungstechnik GmbH, Denkendorf, ein China-erfahrener Mittelständler, schilderte seine praktischen Erfahrungen im Reich der Mitte. Seit 2012 dort tätig, hat Haas überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Unterstützt von bw-i gelang die zeitaufwendige Bewerbersuche. „Wir haben seither kaum Fluktuation.“ Was auch mit erheblichen Gehaltssteigerungen erkauft werde. Wichtig seien der persönliche Kontakt und das Führen an der „langen Leine“. Doch noch immer gebe es kaum Zugang zu den Top-Entscheidern auf chinesischer Seite, was das Ausschöpfen der Marktpotenziale erheblich erschwere, so Haas.