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In der Goldstadt ist der Immobilienmarkt noch in Ordnung.
In der Goldstadt ist der Immobilienmarkt noch in Ordnung.
Gutachter Joachim Stamm beobachtet den Grundstücksmarkt genau.
Gutachter Joachim Stamm beobachtet den Grundstücksmarkt genau.
05.09.2015

Immobilienpreise in Pforzheim und Region steigen, aber moderat

Pforzheim. Von einer Blasenbildung sind die Grundstücks- und gebäudepreise in Pforzheim und der Region meilenweit entfernt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der PZ unter Branchenexperten. „Wir erleben zwar seit Jahren einen Nachfrageboom“, erläutert Sven Eisele, Bereichsdirektor Immobilien der Sparkasse Pforzheim Calw. Doch damit einhergehende Preissteigerungen seien angesichts der seit Mitte der 1990er-Jahre stagnierenden Preise gerechtfertigt. Wertsteigernd wirkten zudem die energetische Sanierung sowie technische Weiterentwicklungen insbesondere bei Neubauten.

Das zeigt auch ein Blick in den Grundstücksmarktbericht 2014, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Auf über 90 Seiten sind dort die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt der Goldstadt dokumentiert. Eine Überhitzung der Preise kann auch Joachim Stamm, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses der Stadt Pforzheim nicht erkennen. Insgesamt wechselten 2014 in der Goldstadt erneut fast 1600 Immobilien im Wert von insgesamt 259,3 Millionen Euro den Besitzer. Darunter 389 bebaute und 364 unbebaute Grundstücke (plus 25,1 Prozent) sowie 727 Eigentumswohnungen im Gesamtwert von 77,5 Millionen Euro. Trotz rückläufigen Verkaufszahlen blieben die Erlöse auf Vorjahresniveau, was einem Preisanstieg von 9,5 Prozent entspricht. Auffallend ist ein 30 Prozent höheres Preisniveau im Stadtteil Haidach. Die Baulandpreise stiegen durchschnittlich zwischen drei und fünf Prozent, wobei die verkaufte Fläche um 23 Prozent zurück ging. Insgesamt wurden 139 Bauplätze für Eigenheime erworben, davon 106 von Käufern aus Pforzheim und 15 aus dem Enzkreis. Die Verkaufserlöse für Ein- und Zweifamilienhäusern kletterten um elf Prozent. Ein freistehendes Wohnhaus kostete im Schnitt 414 000 Euro. Gesunken ist die Zahl der verkauften Mehrfamilienhäusern (minus 26 Prozent).

Das deutlich geringere Angebot führte wiederum zu einem Preisanstieg um durchschnittlich zehn Prozent. Rückläufig war auch der Verkauf von Eigentumswohnungen (minus 5,1 Prozent).

„Im Gegensatz zu Immobilien-Hotspots wie Berlin, München, Hamburg und auch Stuttgart, wo die Preise teilweise spekulativ in schwindelerregende Höhen getrieben wurden, sehen wir den regionalen Immobilienmarkt als gesund an“, erläutert Eisele.

„Insbesondere bei Wohnungen und Häusern im mittleren Preissegment ist die Nachfrage überdurchschnittlich hoch und das Angebot äußerst überschaubar.“ Da auch bei der Sparkasse Pforzheim Calw die Anzahl der Interessenten deutlich überwiegt, gelinge es immer öfter, Immobilien innerhalb weniger Tage an die bereits vorgemerkten Interessenten zu vermitteln.

„Trotz der hohen Nachfrage nach Bestandsimmobilien und deutlich mehr Neubauvorhaben ist nach wie vor ein enges aber ausreichendes Angebot vorhanden“, ergänzt Fritz Schäfer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Pforzheim.

Klassische Top-Lagen wie Rodgebiet, Wolfsberg, Hachel stehen nach wie vor hoch im Kurs.

Aufgrund der Beliebtheit und des begrenzten Angebots haben auch hier die Preise am stärksten angezogen. „Daneben erfreut sich urbanes Wohnen immer größerer Nachfrage – allerdings wird in der Stadtmitte wenig qualitativer und modernisierter Wohnraum angeboten – hier habe offensichtlich mancher Eigentümer die Zeichen der Zeit nicht erkannt, bedauert Eisele.

„Der Trend zur Eigentumswohnung hält weiter an.“ Immer mehr (auch junge) Menschen sehen im Vergleich zum Pflege- und Unterhaltsaufwand eines Hauses mit Garten darin die ideale Wohnform, um flexibel ihren Berufs- und Freizeitaktivitäten nachgehen zu können. Insbesondere die „Best Ager“ (die Generation 55+) trennt sich im Hinblick auf einen aktiven und möglichst unbeschwerten neuen Lebensabschnitt vom oft zu groß gewordenen Haus und erwirbt eine barrierefreie Eigentumswohnung mit der Aussicht, darin eigenständig alt werden zu können, bestätigten die Experten.

Aufgrund des eingeschränkten Angebotes an Neubauland weichen jedoch immer mehr junge Familien ins Pforzheimer Umland aus. Dabei werde auch hier auf eine gute Infrastruktur (Schulen, ÖPNV, Einkaufsmöglichkeiten) geachtet. „Insbesondere durch das niedrige Zinsniveau ist Wohneigentum teilweise deutlich günstiger als Mietraum zu finanzieren“, ergänzt Eisele. „In Pforzheim entwickelten sich die Kaufpreise im vergangenen Jahr insgesamt moderat nach oben. Unterschiede gibt es in einzelnen Segmenten“, betont Schäfer. Etwas höhere Steigerungsraten seien im Bereich der Mehrfamilienhäuser zu verzeichnen, wie auch aus dem Bericht des Gutachterausschusses hervorgeht.

Nach wie vor begünstigt das niedrige Zinsniveau die Nachfrage nach Wohneigentum. Hinzu kommt, dass sich Immobilien – insbesondere bei starken Schwankungen an den Börsen – als alternative Kapitalanlage und zur Altersvorsorge eignen und im Bewusstsein der privaten Anleger etabliert hätten, folgert der Volksbank-Chef.