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Hans-Eberhard Koch, Präsident des Landesverbandes der Industrie. Naupold
Hans-Eberhard Koch, Präsident des Landesverbandes der Industrie. Naupold
Die Autoindustrie bleibt die Konjunkturlokomotive der Industrie in Baden-Würtemberg, auch wenn dieser Panamera im Porsche-Werk in Lepizig gefertigt wird.  Woitas
Die Autoindustrie bleibt die Konjunkturlokomotive der Industrie in Baden-Würtemberg, auch wenn dieser Panamera im Porsche-Werk in Lepizig gefertigt wird. Woitas
18.02.2016

Industrie sieht Wachstum in Gefahr

Der Landesverband der Industrie (LVI) ist besorgt. Weniger um die aktuelle Entwicklung in der baden-württembergischen Wirtschaft, sondern vielmehr wegen der unsicheren Lage in vielen Teilen der Welt. Das bleibt nämlich nicht ohne Folgen für die exportabhängige Industrie im Südwesten. Auf die Krisen in den Schwellenländern habe man keinen Einfluss, dafür aber auf die Situation im Inland. Und es gibt aus Sicht der Industrie durchaus Handlungsbedarf. Kurz vor der Landtagswahl hat sich der LVI am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Stuttgart für investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen ausgesprochen.

Sie seien ein „Kernthema“ der künftigen Landesregierung, betonte Industriepräsident Hans-Eberhard Koch, der geschäftsführender Gesellschafter der Pforzheimer Witzenmann-Gruppe ist. „Investitionen fließen weiterhin wegen fortgesetzter Internationalisierung ins Ausland.“ Das gelte aber nicht für Europa, neben Deutschland der wichtigste Markt.

Sorge um Energiesicherheit

„Vieles liege zwar auf EU- oder Bundesebene. „Doch auch unsere Landesregierung hat Stellschrauben, um der Industrie das Leben mehr oder weniger beschwerlich zu gestalten.“ Deshalb solle sich der künftige Wirtschaftsminister auch wieder ausschließlich um die Wirtschaft und nicht mehr wie aktuell Superminister Nils Schmid zusätzlich um das Finanzressort kümmern.

Neben Zurückhaltung bei den Steuern stehe eine verlässliche Energieversorgung ganz oben auf der Wunschliste. Es brauche Investitionen in notwendige Brückentechnologien für den 2019 geplanten Atomausstieg, sagte Koch. Das Stromleitungsnetz müsse zügig ausgebaut und Subventionen bei den Erneuerbaren Energien zurückgefahren werden. Zudem fordert der Industriepräsident mehr Investitionen in Infrastruktur wie Straßen und Breitbandleitungen. Die Unsicherheit über die Änderung der Erbschaftsteuer, insbesondere aber der Energiewende förderten die Investitionsbereitschaft von Unternehmen nicht gerade. „Der Ausblick ist nicht so rosig, wie es die Zahlen vermitteln.“ Die Industrie im Südwesten hatte im Jahr 2015 ein Plus von 4,2 Prozent beim Umsatz hingelegt.

„Deutlich mehr Risiken“

Er sehe aber nicht, wo die positive Entwicklung für die kommenden Jahre herkommen solle. Die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sei in diesem Umfeld fatal. Absatzprobleme gibt es in Russland und besonders Brasilien. Der Industrieverband im Land erwartet für dieses Jahr nicht mehr die gleichen Wachstumsraten wie in den Vorjahren. „Wir sehen deutlich mehr Risiken“, erklärte Koch. Die gesamte Wirtschaft im Südwesten werde nach der Erwartung des Verbands moderat um 1,8 Prozent zulegen, in der Industrie sieht Koch ein Plus von um die drei Prozent bei Auftragseingang und Umsatz. Getragen werde diese Entwicklung von der Automobilindustrie, aber auch von Pharmazie und der Elektrotechnik. Zwar sei der niedrige Ölpreis für viele Brachen günstig, schwäche aber die Nachfrage nach deutschen Maschinen in den Förderländern.

Der Industrieverband unterstützt weiterhin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik. Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland müsse Zuwanderung gefördert, Flüchtlinge, wo irgend möglich integriert werden. Die Industrie brauche neben Facharbeitern auch Anlernkräfte. „Menschen, die vor Krieg und Elend flüchteten, willkommen zu heißen, ist gerade für eine Exportnation wie Deutschland selbstverständlich, ergänzte Koch: „Das gehört sich einfach.“ Auch die Aussage „Wir schaffen das“, sei selbstverständlich, so Koch. Man könne doch nicht einfach aufgeben. „Wenn die Grenzen innerhalb Europas dichtgemacht werden, wäre das eine Katstrophe für die deutsche Wirtschaft.“