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Linde ist stark im Geschäft mit Industriegasen, dagegen schwächelt der Umsatz mit der Petrochemie, hier das Werk im sächsischen Leuna. Foto: Linde
Linde ist stark im Geschäft mit Industriegasen, dagegen schwächelt der Umsatz mit der Petrochemie, hier das Werk im sächsischen Leuna. Foto: Linde
21.12.2016

Industriegase-Konzern Linde übernimmt den US-Konkurrenten Praxair

München. Wolfgang Reitzle hat es wieder mal geschafft. Ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr zu Linde ist er als Aufsichtsratschef dabei, sein Meisterstück abzuliefern: Nächstes Jahr soll der Industriegase-Konzern mit dem US-Konkurrenten Praxair zusammengeführt und weltweit die Nummer eins der Branche werden. Und Reitzle wäre der oberste Kontrolleur.

Im Augenblick sind der Münchner und der US-Konzern auf Augenhöhe bei Gewinn und Börsenwert. Zusammen kämen sie auf rund 28 Milliarden Euro Umsatz und einen Börsenwert von 61 Milliarden Euro. Die Amerikaner sind Marktführer in Amerika, Linde ist stark in Europa und Asien sowie im Anlagenbau und bei Medizingasen breiter aufgestellt. Sie könnten sich gut ergänzen und zusammen ihre globale Präsenz stärken, sagt Praxair-Chef Steve Angel. Als Vorstandschef würde er den neuen Konzern von der Praxair-Zentrale in den USA aus führen.

Für die Börse sieht es nach einem guten Deal aus. Einige Analysten rechnen wie die beiden Unternehmen selbst mit Synergien in der Größenordnung von einer Milliarde Euro. Der Aktienkurs von Linde ist seit Bekanntwerden der Fusionsgespräche kräftig gestiegen. Aber der Dax-Konzern ist im Moment in einer Schwächephase – eigentlich kein guter Moment für eine „Fusion unter Gleichen“. Linde verdient gut mit Gasen, die die Industrie zum Schweißen und Bearbeiten von Metall braucht, mit Gasen zum Schockfrosten von Lebensmitteln und mit Medizingasen. Das Unternehmen baut aber auch Anlagen für die Petrochemie. Mit dem Verfall des Ölpreises sind Umsatz und Gewinn dieser Sparte zweistellig gesunken.

Zwei Gewinnwarnungen und ein offener Machtkampf zwischen dem bisherigen Vorstandschef Wolfgang Büchele und seinem Finanzchef trugen weiter dazu bei, dass die Investoren Linde plötzlich argwöhnisch betrachteten.

Bis 2014 hatte der heutige Chefkontrolleur Reitzle Linde glanzvoll geleitet. Der Mann, der als BMW-Entwicklungschef den X5 als ersten SUV auf den Markt brachte, die Fernsehmoderatorin Nina Ruge heiratete – machte aus dem Gemischtwarenladen Linde eine Goldgrube. In den elf Jahren als Vorstandschef verkaufte er die Gabelstapler-Sparte und machte die Firma dann mit der Übernahme des britischen Konkurrenten BOC zum Weltmarktführer für Industriegase.