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23.02.2009

Inhorgenta-Messe trotzt dem Wetter und den Prognosen - Optimismus dominiert

MÜNCHEN. Mit rund 30 000 Fachbesuchern aus 79 Ländern hat die Messeleitung der Inhorgenta Europe ihr vorgegebenes Ziel erreicht. Nach vier Tagen schloss die Fachveranstaltung für Schmuck und Uhren am Montag ihre Pforten.

Alfred Schneider freute sich dieses Mal ganz besonders, dass seine anfängliche Skepsis zum Start der Inhorgenta Europe am Freitag in München unbegründet war. „Ich bin überrascht, dass die Stimmung so gelöst ist und nicht von Finanz- und Wirtschaftskrise bedrückt ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Schmuck + Uhren (Pforzheim) als Resümee zum Abschluss der internationalen Leitmesse für Schmuck, Uhren, Edelsteine, Perlen und Technologie.
Allerdings gehörte nicht nur Schneider zu jenen, die aufgrund des öffentlichen Krisengeredes mit gedrückter Stimmung bei den Ausstellern der Inhorgenta gerechnet haben: „Ich treffe hier fast nur auf Optimismus“, zeigte sich auch Stefan Mappus verblüfft. Der Chef der CDU-Landtagsfraktion von Baden-Württemberg war mit Christine Stavenhagen und Wolfgang Schick von der Pforzheimer CDU auf der Inhorgenta im Gespräch mit mehreren Ausstellern aus der Region und zeigte sich erfreut darüber, „dass die Firmen mit Zuversicht in die Zukunft blicken“, meinte Mappus. Von „teilweise sehr gut besuchten Ständen“ berichtete Hans-Heiner Bouley, Vorstandsmitglied der Sparkasse Pforzheim Calw und Geschäftsführer der Schmuckwelten Pforzheim. Insbesondere bei Trauringen gebe es keine Probleme. Auch das niedrigere Preissegment wie Thomas Sabo und Pandora „läuft sehr gut“, erklärte Bouley. Beide Marken werden auch im Erlebniskauf der Pforzheimer Schmuckwelten an der Ecke Kiehnle-/Museumstraße geführt. Deren Leiterin, Heike Potschka, sagte klar: „Wir spüren nichts von Krise.“
Derweil seien die hochwertigen Juweliere zwar an Neuheiten interessiert, allerdings gebe es eine gewisse Verunsicherung bei den Händlern, wie sich die Verbraucher im Jahr 2009 verhalten werden, machte der Schmuckweltengeschäftsführer deutlich. Was den weltweiten Konsum betrifft, so bemerkte er: „In Basel wird sich zeigen, wie der internationale Markt reagiert.“ Ähnlich sieht es Georg Bunz vom gleichnamigen Atelier: „Wir sind insgesamt zufrieden mit der Messe, gerade vor dem Hintergrund der äußeren Umstände“, sagte er und fügte hinzu: „Noch ist jedoch unklar, wie sich das Verbraucherverhalten entwickelt, wodurch eine gewisse Zurückhaltung im Handel zu spüren ist. Manfred Wutzlhofer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München GmbH, resümierte so: „Der Verlauf der Inhorgenta Europe zeigt, dass die Schmuck- und Uhrenbranche das Jahr 2009 konstruktiv angeht. Die Konsumenten besinnen sich auf beständige Werte und investieren in wertvolle und werthaltige Gegenstände. Vor allem starke Marken mit einem gut auf Verbraucher und Handel abgestimmten Konzept behaupten sich sehr gut“, sagte der Messechef. Diese Einschätzung bestätigten auch Hersteller wie die Neulinger Firma Jörg Heinz, die 30 Mitarbeiter beschäftigt. Geschäftsführer Martin Heinz erklärte, dass es wichtig sei, nicht nur ständig mit Neuheiten aufzuwarten, sondern diese auch in entsprechender Form durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen geschickt zu platzieren. Bei Heinz war dies auf der Inhorgenta eine „Kugel mit zwei Gesichtern“, die den Namen „Mysterie„ trägt und von einer Tänzerin den Fachbesuchern präsentiert wurde. Die Kugel erlaubt es der Trägerin, ihren Schmuck in zwei Varianten zu tragen. Endverkaufspreis: zwischen 3000 und 18 000 Euro, nach oben offen. Das Motto von Jörg Heinz: „immer anders – einfach ich.“
Unterdessen hatte in diesem Jahr der Freitag die größte Frequenz an Besuchern, wurde allgemein bestätigt. Ungewöhnlich ist dies deshalb, weil der Start der Inhorgenta gemeinhin mit schwachem Zulauf beginnt, um am Samstag oder Sonntag seine Spitzenwerte zu bekommen. Dieses Mal, glaubten einige der Aussteller, hat die Faschingszeit und damit verbundene Buchungen für einen Skiurlaub die Gewohnheit unterbrochen. Dies bestätigte beispielsweise Trauringfabrikant Roland Rauschmayer: „Mir haben einige Kunden ganz klar gesagt, dass sie ab Samstag zum Skifahren gehen werden und deshalb bereits freitags gekommen sind.“ Während der Samstag eine leichte Besucherdelle bekam, legte der Sonntag wieder an Frequenz zu. Ein Aussteller formulierte es so: „Am Freitag kamen die Vertreter der größeren Firmen, am Sonntag dann die Goldschmiede.“ Andere Aussteller hingegen vermissten einen Teil ihrer Kundschaft aus den rheinischen Narrengebieten. Groß dürfte die Zahl der weggebliebenen Fasenachter indessen nicht gewesen sein, den die Messe München hat ihr vorgegebenes Ziel von 30 000 Fachbesuchern nach eigenen Angaben erreicht – und dies trotz Glatteis und Schneetreiben, wie es gestern im Schlussbericht hieß. Die Messestatistik weist einen ausländischen Besucheranteil von 30 Prozent aus. Dass der Anteil aus Osteuropa nicht mehr den Wert des vergangenen Jahres erreichen konnte, führen die Inhorgenta-Macher einerseits auf die schwierige Wettersituation zurück, andererseits auch auf die härter gewordene Wirtschaftslage. Zu den Spitzenbesucherländern gehörten demnach neben Deutschland vor allem Österreich, Großbritannien und Nordirland sowie die Schweiz, Spanien, Italien, Griechenland, die Niederlande, die Tschechische Republik, Ungarn und Belgien.