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18.03.2009

Inovan in Birkenfeld will bis zu 107 Stellen streichen

BIRKENFELD. Doppeltes Pech für die Firma Inovan: Zum einen hat die Automobil-Krise einen Umsatzeinbruch ausgelöst, zum anderen steckt der Mutterkonzern Prym in Finanznöten. 107 Stellen sollen deshalb in Birkenfeld wegfallen.

Die Krise hat neben anderen regionalen Automobilzulieferern auch die Firma Inovan im Brötzinger Tal erfasst. Über die geeigneten Gegenmaßnahmen sprechen derzeit Unternehmensleitung und Betriebsrat sowie die IG Metall. Am Mittwoch wurde fieberhaft verhandelt, nachdem der Betriebsrat über die Vorstellungen der Geschäftsleitung informiert worden war.

Während diese neben einem Personalabbau von 107 Stellen (das wären 20 Prozent der Beschäftigten bei Inovan) noch zusätzliche Einschnitte in der Tarifstruktur plant, will die Arbeitnehmerseite das nicht hinnehmen. „Das schließt sich gegenseitig aus. Wir werden keinesfalls einen Stellenabbau in dieser Größenordnung akzeptieren, wenn gleichzeitig noch Abstriche bei den tariflichen Leistungen gefordert werden,“ erklärte Karlheinz Kortus, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim.

Dass der dramatische Auftragsrückgang rasches Handeln erfordert, wird nicht bestritten. Darauf könne man aber auch mit einer deutlichen Ausweitung der Kurzarbeit reagieren, schlägt Kortus vor. Nach Auffassung der Arbeitnehmer-Vertreter ist man auf einem guten Weg das Traditionsunternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Dies sei erklärtes Ziel von Betriebsrat und Geschäftsleitung.

Am Stammsitz in Birkenfeld sind aktuelle 495 Mitarbeiter tätig, dazu kommen noch 35 Auszubildende. Bereits im Vorjahr war die Belegschaft um 40 Stellen reduziert worden, davon waren 21 betriebsbedingte Kündigungen. Außerdem wurden 53 Leiharbeiter freigesetzt.

Über Kosteneinsparungen und Personalreduzierungen wurde bereits auf Konzernebene verhandelt. Die Prym-Geschäftsführung in Stolberg bei Aachen sprach mit dem Betriebsrat und der IG Metall-Bezirksleitung in Nordrhein-Westfalen. Doch die Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag sind in der vergangenen Woche gescheitert.

Hintergrund der finanziellen Probleme bei Prym, übrigens das älteste Familienunternehmen Deutschlands, ist eine hohe Strafe der EU-Wettbewerbskommission wegen unzulässiger Kartellabsprachen. Prym hatte sich mit der Konkurrenz über die Preise für Nadeln (ein Hauptprodukt des Stolberger Konzerns) abgesprochen. Die EU verhängte eine Strafe von fast 70 Millionen Euro, was angesichts der spärlichen Umsatzrendite eine Finanzkrise auslöste. Um die Zahlungsfähigkeit von Prym zu erhalten, schnürten sieben Geldinstitute unter Führung der Deutschen Bank zum Jahreswechsel ein millionenschweres Rettungspaket. Dazu kamen Landesbürgschaften von Nordrhein-Westfalen (Prym) und Baden-Württemberg (Inovan).

Die illegalen Kartellabsprachen stammen aus der Zeit, als in der Prym-Geschäftsleitung noch Familienmitglieder saßen. Von den 41 Familiengesellschaftern ist niemand mehr in der Firma aktiv tätig. Dennoch bürgte die Familie mit sechs Millionen Euro. „Die Belegschaft steht hinter dem Unternehmen“, versicherte Andreas Engelhardt, seit 2005 Vorsitzender des Familienunternehmens. Die Prym-Beschäftigten sollen zweimal auf das Weihnachtsgeld sowie die tarifliche Lohnerhöhung verzichten. Auch die Geschäftsführung habe einen Gehaltsverzicht signalisiert. Insgesamt sollen dadurch neun Millionen Euro eingespart werden, um den Konzern zu retten. In Birkenfeld sollen allerdings etliche Arbeitsplätze wegfallen, denn angesichts des dramatischen Umsatzeinbruchs im zweistelligen Prozentbereich sieht die Inovan-Geschäftsführung keinen anderen Ausweg als den geplanten Personalabbau.