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Turbulente Zeiten erlebt der Automobilzulieferer Sihn nicht das erste Mal: 2014 fiel die Entscheidung, den Standort Niefern aufzugeben und die Produktion in Mühlacker neu zu organisieren. Foto: Schrader
Turbulente Zeiten erlebt der Automobilzulieferer Sihn nicht das erste Mal: 2014 fiel die Entscheidung, den Standort Niefern aufzugeben und die Produktion in Mühlacker neu zu organisieren. Foto: Schrader
11.07.2019

Insolvenz angemeldet: Automobilzulieferer Sihn aus Mühlacker in der Krise

Mühlacker. Es kriselt wieder bei der Firma Sihn aus Mühlacker: Am Dienstag hat die Geschäftsführung Insolvenz angemeldet. Der Schritt kommt nicht überraschend. Nach dem ersten Personalabbau 2016 folgten Anfang dieses Jahres weitere Kürzungen. Auch zahlreiche Sanierungsmaßnahmen und tarifliche Verzichte seitens der rund 320 Beschäftigten brachten nicht die erhoffte Wende. Die Gründe hierfür seien laut IG Metall Pforzheim die „gravierenden Fehler der Geschäftsführung“.

Demnach kam es zu häufigem Wechsel in entscheidenden Positionen. Auch die Verlagerung eines Betriebsteiles der Firma Sihn nach Bulgarien hätte nicht reibungslos funktioniert, berichtet Geschäftsführer Arno Rastetter. Der Umzug sei „mit heißer Nadel gestrickt“ gewesen, wodurch Produktionsfehler passiert seien. Dabei hätte der Betriebsratsvorsitzende Andreas Ahner den Geschäftsführern Andreas Baum und Christof Schultz in vielen Gesprächen Maßnahmen zu einer reibungsloseren Produktion und der Sicherung von Beschäftigung vorgeschlagen und angemahnt. Viel zu lange hat die Geschäftsführung dies ignoriert, so der Vorwurf der Gewerkschaft.

Es sei noch zu früh über die Gründe der Insolvenz zu spekulieren, sagt dagegen Matthias Braun, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Marc Schmidt-Thieme der Insolvenz- und Sanierungskanzlei Hoefer Schmidt-Thieme aus Mannheim, im Gespräch mit der PZ. Erst einmal hätten die Fortführung der Fertigung und die Mitarbeiter oberste Priorität, so Braun. So sei der Verwalter vor Ort in Mühlacker und arbeite eng mit dem Management von Sihn zusammen.

Löhne gesichert

Die Löhne und Gehälter seien bis Ende September über das Insolvenzgeld gesichert. Um dessen Vorfinanzierung kümmere sich Schmidt-Thieme, damit die Mitarbeiter ihr Geld in den nächsten drei Monaten pünktlich erhalten. Dann wird geklärt, wie es zur finanziellen Notlage kam und nach Investoren gesucht. Generell sehe der Insolvenzverwalter nach den ersten Gesprächen gute Chancen, dass die Sanierung des Betriebs gelingen kann, sagt Braun. Denn die Firma sei auf dem Markt gut aufgestellt. „In quasi jedem Fahrzeug mit vier Rädern ist mindestens ein Teil von Sihn verbaut.“ Damit sei eine Insolvenz kein Ende, „sondern eine Chance“, so Braun. Ziel sei nun, die Firma zu sanieren und den Standort zu sichern. Auch Rastetter von der IG Metall ist zuversichtlich: „Die Firma läuft wie gewohnt weiter. Wir sind früh im Monat und haben Luft nach oben.“ Jetzt ginge es darum, möglichst effizient zu produzieren und das Verfahren mit den notwendigen Einnahmen liquide zu halten, so Rastetter.

Die Beschäftigungssicherung wurde zwar erst im Dezember 2018 ausgehandelt, muss aber vorerst ausgesetzt werden. Entlassungen möchte die Gewerkschaft sowie der Betriebsrat nach Möglichkeiten verhindern: „Die Produkte und Beschäftigten hätten nämlich durchaus Potenzial für eine erfolgreiche Fortführung der Firma“, ist sich Betriebsratsvorsitzende Ahner sicher.