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Blick auf eine Zufahrt zu den Paracelsus Kliniken in Osnabrück. Foto: Gentsch
Blick auf eine Zufahrt zu den Paracelsus Kliniken in Osnabrück. Foto: Gentsch
22.12.2017

Insolvenzantrag: Paracelsus-Kliniken in Nöten

Osnabrück/ Karlsruhe. Kurz vor Weihnachten ereilt die Beschäftigten die Hiobsbotschaft: Die Paracelsus-Kliniken sind zahlungsunfähig. Gestern sei beim Amtsgericht Osnabrück ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt worden, teilte die Paracelsus-Kliniken Deutschland GmbH mit. Die roten Zahlen liegen nach Unternehmensangaben im zweistelligen Millionenbereich. Das gleichnamige Krankenhaus in Bad Liebenzell gehört nicht zum bundesweiten Parcelus-Klinik-Konzern und ist folglich nicht betroffen.

Nach Informationen der Gewerkschaft Verdi sind sieben Akutkliniken defizitär. Verdi kritisierte Managementfehler als Ursache der Insolvenz: In zahlreichen Häusern gebe es zu viele Fachabteilungen, Umstrukturierungen und Investitionen seien seit Jahren verpasst worden, sagte Gewerkschafts-Experte Sven Bergelin. Betroffen von dem Insolvenzantrag sind 40 Einrichtungen an 23 Standorten (darunter Karlsruhe) mit insgesamt 5200 Beschäftigten.

Die beiden Restruktierungs- und Sanierungsexperten Andreas Ziegenhagen und Daniel F. Fritz seien als Generalbevollmächtigte bestellt worden und sollen die Geschäftsführung beraten. Unternehmen, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sehen, können bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Das ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt einer Abwicklung auf die Sanierung eines Unternehmens zielt.

Der Klinikbetrieb laufe zunächst an allen Standorten und in allen Abteilungen unvermindert weiter. Auch die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld gesichert. Der Klinikkonzern sei in Schieflage geraten, nachdem einzelne Standorte der Gruppe erhebliche Verluste geschrieben haben. Nun solle versucht werden, die defizitären Einrichtungen neu aufzustellen, teilte das Unternehmen mit. Um welche Standorte und Abteilungen es gehe, wolle man nicht sagen.

In den nächsten Monaten solle an dem Sanierungsplan gearbeitet werden. „Wir werden den eingeschlagenen Weg in vollem Umfang und mit vollem Engagement unterstützen“, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzende Sylvia Tausche einer Mitteilung zufolge.

Forderungen der Geschäftsführung, in einem Sanierungstarifvertrag erneut nach 2013 und 2014 auf das Weihnachtsgeld zu verzichten, hatte die Tarifkommission von Verdi in diesem Herbst abgelehnt. Grund: Trotz früherem Verzicht aufs Weihnachtsgeld seien notwendige Investitionen in der Vergangenheit unterblieben. Das Unternehmen habe das Weihnachtsgeld im November allerdings schon nicht mehr gezahlt.

Bei einer Restrukturierung habe das Unternehmen gute Chancen, sagte Verdi-Experte Bergelin.