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Milliarden für die Klimaneutralität: Ab 2022 sind im Südwesten Solaranlagen auf dem Dach Pflicht.  Foto: Murat/dpa 

Investieren gegen Klimawandel: Digitaler Kundenabend der LBBW Pforzheim zeigt Anlegern Perspektiven auf

Pforzheim. Der Kampf gegen den Klimawandel hat längst die Investment-Branche erreicht. So rechnet die EU in den nächsten 20 Jahren mit jährlich bis zu 20 Milliarden Euro notwendigen Investitionen, um die CO2-Neutralität zu schaffen, sagt Jan Becker, Leiter Privates Vermögensmanagement der LBBW in Pforzheim, bei der digitalen Kundenveranstaltung „Energiewende und veraltete Infrastruktur: Was notwendig ist, was es kostet und wie Sie davon profitieren können?“.

Auch für Marcel Zürn ist der vollständige Umstieg in eine CO2-freie Erzeugung von Strom und Wärme ein „Mega-Trend, den man nicht mehr aufhalten kann“. Der Sektorexperte für Energie und Versorger bei LBBW reist für die Zuhörer ein Panorama auf, wohin die Reise beim Klimaschutz geht. Bis 2045 will das Land klimaneutral sein, vor allem für die Energiewirtschaft wurden weitreichende Ziel auferlegt. Bereits im nächsten Jahr werden die letzten Atommeiler vom Netz genommen. Der Ausstieg aus der Braun- und Steinkohle soll bis 2030 erfolgen. Damit führe der Rückgang fossiler Grundlastkraftwerke unweigerlich zu höherer Nachfrage nach alternativen Brennstoffen – sowohl Gas als auch nicht-fossile Alternative, sagt Zürn.

Für Investoren heißt das laut dem Experten: „Es ist ein attraktiver Markt, weil es ein Zukunftsthema ist.“ Die Kosten für erneuerbare Energien sinken seit Jahren. In „dreckige“ Energie zu investieren, lohne sich langfristig nicht mehr. „Auch bei Reaktoren laufen die Kosten davon. Sie zu betreiben, wird immer teuerer“, sagt Zürn.

Dennoch hinkt Deutschland beim Ausbau von Wind- und Solarenergie noch hinterher. Zwar habe sich die Dynamik beim Photovoltaik-Zubau auf 4,9 Gigawatt im vergangenen Jahr verbessert, bei Offshore und Onshore Wind hätten sich die Zahlen auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Hinzu kommt, dass Wind und Sonne nicht immer verlässlich Energie liefern, auch der Transport etwa von Nord nach Süd seien Stolpersteine. Damit der Strom tatsächlich jede Steckdose erreicht, müssten in den kommenden Jahren Übertragungsnetze optimiert, verstärkt oder neu gebaut werden. Bekanntes Beispiele seien Stromautobahnen wie SuedLink oder SuedOstLink. Das gleiche gilt auch beim Glasfasernetz für die digitale Infrastruktur, der in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden soll.

Für Zürn gibt es eine Bedingung, wie die Energiewende gelingen kann: die Sektorkoppelung. Das heißt, Mobilität, Strom und Wärme müssten in Zukunft zusammen gedacht werden. „Durch die intelligente Vernetzung aller Erzeuger und Verbraucher werden Flexibilitäten im Netz geschaffen“, so Zürn. Das können etwa energieeffiziente Technologien wie Wärmepumpen, KWK-Anlagen oder E-Autos sein. „Die Energiewende in Deutschland erfordert den kompletten Umbau des Energiesystems“, sagt Zürn. Auch „saubere“ Alternativen wie grüner Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe werden eine Rolle spielen. In Zahlen ausgedrückt: Deutschland müsste Investitionen von 415 Milliarden Euro bis 2030 aufwenden, um das Ziel zu erreichen. Das Fazit: „Es wird enorm viel Kapital in diesen Markt fließen und wer frühzeitig investiert, könnte davon profitieren und trägt als Zusatznutzen seinen Teil auf dem Weg zur CO2-Neutralität bei“, ergänzt Vermögensmanagement-Leiter Becker.

Klima-Investieren im Trend

Dass nachhaltiges Investieren bei Anlegern einen immer wichtigeren Stellenwert bekommt, zeigen Umfragen. So wollen laut der Züricher Versicherung zwei Drittel der Bürger ihr Geld ressourcenschonend anlegen. Wie das gehen kann, zeigen bei der Veranstaltung zwei Unternehmen, die sich seit Jahrzehnten auf nachhaltiges Investieren spezialisiert haben.

Da ist etwa die BVT Unternehmensgruppe, die auf internationale Sachwertinvestitionen unter anderem in den Bereichen Immobilien, Energie und Infrastruktur setzt. Der Spezial-Fonds Concentio Energie & Infrastruktur sei dabei international breit gestreut. Er investiert nicht nur in Unternehmen aus der Energiebranche, sondern auch in Versorgung, Transport und soziale Infrastruktur. „Wir haben einen weltweiten Ansatz, damit Einbrüche nicht sofort einschlagen“, erklärt Martin Krause, Geschäftsführer der BVT Unternehmensgruppe. Dabei gehen Anleger eine langfristige Bindung ein, die mit Risiken verbunden sein kann, wie Krause klar macht.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Commerz Real Gruppe mit dem Impact-Fonds klimaVest, der in reale Projekte in den Bereichen Windparks oder Photovoltaik investiert. „Und das immer direkt und immer mit Partnern“, sagt Wilfried Geiberger, Abteilungsleiter Vertrieb. Die Chancen liegen für ihn auf der Hand: Die Anleger erwarte eine Rendite von drei bis vier Prozent unabhängig von der Volatilität an den Aktienmärkten. „Das gelingt durch breites Produktportfolio“, so Geiberger. Zudem könnten Anleger so ihren persönlichen CO2-Fußabdruck ausgleichen. Auch Krause von der BVT Unternehmensgruppe gibt ein ähnliches Rendite-Ziel vor: „Das ist der Effekt der Diversifikation, das Ruhe ins Portfolio bringt.“

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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