nach oben
Auf der Weltklimakonferenz in Bonn vereinbarten mehrere Staaten eine Allianz für den Kohleausstieg. Foto: Berg
Auf der Weltklimakonferenz in Bonn vereinbarten mehrere Staaten eine Allianz für den Kohleausstieg. Foto: Berg
11.01.2018

Investieren mit gutem Gewissen: Trend zu „bewusster“ Geldanlage

Frankfurt. Für Tagesgeld gibt es kaum Zinsen, Bundesanleihen werfen nur wenig Rendite ab, zugleich steigen die Aktienkurse immer höher. Manche Anleger überlegen daher, ihr Geld an der Börse zu investieren. Doch die hat in Deutschland bei vielen einen schlechten Ruf.

Und Rendite um jeden Preis lehnen viele Menschen ab – etwa Geschäfte mit Waffen, Tabak, Gentechnik oder klimaschädlicher Kohle. An den Finanzmärkten gewinnt der Trend zu „bewusster“ Geldanlage an Fahrt.

Galt sie einst als Nische für Börsen-Gutmenschen, erfasst der grüne Zeitgeist auch die von harten Zahlen dominierte Finanzwelt. Auch, weil große Namen vorangehen: So ist die Allianz schon vor längerem aus Geschäften mit Firmen ausgestiegen, die einen großen Teil ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Die französische BNP Paribas gibt kein Geld mehr für Projekte zum Abbau von Öl und Gas in Schiefergestein und Ölsanden. Die Deutsche Bank finanziert keine Kohlekraftwerke mehr, und für den weltgrößten Staatsfonds aus Norwegen sind Rüstungs- und Tabakunternehmen tabu.

Auch politisch steigt der Druck. Auf der Bonner Weltklimakonferenz vereinbarten mehrere Staaten eine Allianz für den Kohleausstieg. Die Mechanismen der Börse tun ihr übrigens: Aktien von Autobauern oder Kohlefirmen werden mit einem Abschlag gehandelt, da ihnen Anleger den Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität nicht zutrauen und eine schärfere CO2-Regulierung fürchten. „Nachhaltige Investments sind bei Großanlegern in der Breite angekommen“, sagt Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, einem der Vorreiter bei diesem Thema.

Bei nachhaltigen Investments stehen nicht nur karitative Motive im Vordergrund. Der Dieselskandal bei VW, der die Aktie des Autobauers einbrechen ließ, habe zu einem Umdenken geführt, sagt Speich. „Er hat gezeigt, dass sich gute Unternehmensführung und sauberes Wirtschaften auszahlen.“ Und manche Investoren polieren mit grünem Anstrich schlicht ihr Image auf. Auch Privatanleger können immer leichter „sauber“ investieren. Das Angebot nachhaltiger Fonds hierzulande ist laut der Analysefirma Scope auf mehr als 430 gestiegen. Allein seit 2015 seien rund 90 neue, meist Aktienfonds dazugekommen. Bei der Auswahl ihrer Investments achten die Fondsmanager häufig auf Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung, auf Englisch abgekürzt ESG.

Die meisten nachhaltigen Fonds schließen Firmen aus, die mit Waffen Geschäfte machen, gefolgt von Suchtmitteln wie Tabak und Alkohol sowie Kernkraft. Auch Konzerne, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen, Gentechnik einsetzen oder mit Pornografie verdienen, landen auf der roten Liste. Andere Fonds investieren in die Besten einer Branche in Sachen Soziales oder Umwelt.

In Publikumsfonds wird in Deutschland gut eine Billion Euro verwaltet, doch nur 18 Milliarden Euro entfallen auf solche, die der deutsche Fondsverband BVI als nachhaltig einstuft – ein Anteil von unter zwei Prozent. Zwischen herkömmlichen und sauberen Aktienfonds ließen sich über drei Jahre Laufzeit kaum Leistungsunterschiede messen, ergab eine Studie von Scope. Nachhaltige Fonds erzielten gar eine höhere Rendite.