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Eine Investorengruppe will AMI Doduco kaufen. Für die 800 Beschäftigten am Standort Pforzheim soll sich nichts ändern, sagt Geschäftsführer Marc Turpin.
Eine Investorengruppe will AMI Doduco kaufen. Für die 800 Beschäftigten am Standort Pforzheim soll sich nichts ändern, sagt Geschäftsführer Marc Turpin. © PZ-Archiv
03.08.2010

Investorengruppe kauft Doduco - Jobs vorest sicher

PFORZHEIM. Das Pforzheimer Traditionsunternehmen AMI Doduco wird an eine internationale Investorengruppe verkauft. Das teilte gestern die Geschäftsleitung des unter amerikanischer Führung stehenden Unternehmens mit.

Der Verkauf werde keine negativen Auswirkungen auf den Standort Pforzheim haben, an dem über 800 Mitarbeiter bei AMI Doduco tätig sind, erläuterte Geschäftsführer Marc Turpin im Gespräch mit der PZ.

Die Beschäftigten im Altgefäll hätten gelassen auf die Information reagiert, dass das Unternehmen einen neuen Eigentümer bekomme. „Jetzt können wir uns wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren und das Unternehmen in eine gute Zukunft führen“, sagte Turpin. AMI Doduco ist ein weltweit führender Hersteller für elektrische Kontakte mit 85 Jahren Erfahrung in der Edelmetallverarbeitung.

„Ein Filetstück“

Der US-Konzern Technitrol Inc. hatte schon im Frühjahr 2009 angekündigt, dass man sich von der Pforzheimer Tochter trennen wolle. Nicht etwa weil AMI Doduco schlechte Geschäfte machte, sondern weil der US-Konzern selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckte. „AMI Doduco ist sicherlich ein Filetstück“, betonte gestern Karlheinz Kortus von der IG Metall Pforzheim. Obwohl es sich um einen internationalen Finanzinvestor handle, die gerne als „Heuschrecken“ bezeichnet werden, gehe er nach Gesprächen mit der Geschäftsleitung von einem langfristigen Fortführungskonzept aus. Ein Personalabbau sei nicht geplant, versicherte Turpin.

Das Unternehmen gehört seit 1996 zur US-amerikanischen Firmengruppe. Damals war die1922 von Dr. Eugen Dürrwächter gegründete Pforzheimer Scheideanstalt Doduco unter der Regie des Regensburger Fürstenhauseshauses Thurn&Taxis in die Insolvenz geschlittert. Technitrol übernahm Doduco und bündelte das europäische Edelmetall-Geschäft unter dem Dach der AMI Doduco. Erwerber ist die Investorengruppe Tinicum Capital Partners II und JP Asia Partners.

Der Kaufvertrag umfasst die Niederlassungen in Pforzheim und Sinsheim, Madrid (Spanien), Tianjin (China) und Mexiko City (Mexiko). Damit zieht sich Technitrol aus dem Geschäft mit elektrischen Kontakten komplett zurück. Der Verkauf muss noch vom Kartellamt geprüft werden und soll voraussichtlich bis Anfang September abgeschlossen sein.

Die große Erfahrung von Tinicum und JP Asia auf dem Gebiet der industriellen Fertigung und das weltweite Netzwerk an Fachleuten in den verschiedensten Bereichen werde künftig auch den Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern von AMI Doduco zu gute kommen, heißt es in einer Pressemitteilung von Technitrol.
„Unsere Kunden werden weiterhin von der technischen Kompetenz, den Qualitäts-Standards sowie überzeugendem Service profitieren“, erklärte Turpin.

Zudem werde man die Marktpräsenz auf den sich entwickelnden Märkten in Asien ausbauen. „Wir glauben, dass ein gesundes und dynamisches Geschäft die besten Entwicklungsmöglichkeiten und Sicherheit für die Mitarbeiter bietet,“ versicherte Turpin. „Die Finanzkraft unserer Investoren sowie eine klare Strategie, das Geschäft auszubauen und seinen Wert zu steigern, sind die besten Voraussetzungen hierfür.“

Tinicum Capital Partners II ist eine in New York ansässige Private Equity Gruppe, die zusammen mit ihren angeschlossenen Fonds über ein Kapital von 1,325 Milliarden US Dollar verfügt. Ihre Investoren sind hauptsächlich Einzelpersonen und Familien. Der Schwerpunkt von Tinicum liegt auf dem Erwerb von Mehrheits- oder Minderheitskapitalbeteiligungen an öffentlichen oder privaten Unternehmen.

Tinicum hat seit 1950 langjährige Erfahrungen mit Investitionen in Industrieunternehmen, einschließlich Herstellern von elektrischen Geräten.JP Asia Capital Partners ist in Singapur ansässig und investiert hauptsächlich in stark wachsende Technologieunternehmen. JP Asia's Geschäftsführer haben sich durch ihr breites Netzwerk an Kontakten in der Industrie und im Finanzsektor eine sehr gute Reputation am Markt geschaffen.

Die Investoren werden mit ihrem Engagement in AMI DODUCO den Ausbau des europäischen Geschäfts vorantreiben; dies wird durch die Konzentration auf technische Marktführerschaft, die Entwicklung von neuen Produkten und Materialien, den Ausbau des Marktanteils, die verbesserte Nutzung des Betriebskapitals sowie „schlankere“ Produktionsprozesse im Sinne des Lean Gedanken erreicht werden. In Asien erwarten Tinicum und JP Asia einen signifikanten Ausbau des Geschäfts durch die Fokussierung auf lokale Kunden mit hohem Wachstum, den Umzug an einen größeren Produktionsstandort und eine Erweiterung der Produktpalette um bereits in Europa gefertigte Produkte.