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Wolfgang Bethge (links) überreicht die Rassler-Taschenuhr an Jubiläums-Koordinator Gerhard Baral, rechts Firmenchef Alexander Bethge. Ketterl 
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So sieht die Rassler-Uhr von Bethge & Söhne aus. Im Innern tickt ein Durowe-Werk. 

Ispringer Uhrenfabrik Bethge&Söhne erinnert an Goldstadt-Geschichte

Es riecht nach Lack und Reinigungsmitteln. Der Maschinenpark erinnert etwas an das Technische Museum der Goldstadt, doch in dem Gebäude der Ispringer Uhrenfabrik Bethge aus den 1950er-Jahren wird noch immer fleißig gearbeitet.

Das Unternehmen zählt zu den ältesten deutschen Uhrenfirmen in Familienbesitz. Zwar werden heute deutlich weniger Uhren produziert als in Zeiten des Wirtschaftswunders. Im Mittelpunkt steht die Restaurierung historischer Zifferblätter. Sie tragen die Namen exklusiver Uhrenmanufakturen. Bei Bethge & Söhne werden sie von Hand aufbereitet, an den alten Maschinen gefräst, ziseliert, poliert und dann lackiert. Das Ergebnis sind glänzende Schmuckstücke, die von den Kunden – überwiegend Juweliere und Uhrensammler – wieder in die Gehäuse der hochwerten Zeitmesser eingesetzt werden.

Zum 250-jährigen Bestehen der Pforzheimer Traditionsindustrien hat sich Wolfgang Bethge etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Eine hochwertige Taschenuhr mit dem Zifferblatt-Motiv der Rassler. Zu Zehntausenden strömten diese fleißigen Arbeiter im vergangenen Jahrhundert von 120 umliegenden Dörfern in die Goldstadt. Frühmorgens und abends liefen sie mit genagelten Sohlen und ihrem Essgeschirr durch die Pforzheimer Gassen – was ihnen den Namen „Rassler“ einbrachte. Eine Skulptur von Fritz Theilmann erinnert an der Poststraße an die Vorläufer der heutigen Berufspendler. Seine Tochter, die Theaterwissenschaftlerin Bärbel Rudin, hat Bethge ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, die Rassler auf dem Zifferblatt zu verewigen. Herzstück ist ein Originaluhrwerk der ehemaligen Deutschen-Uhrenrohwerke (Durowe) aus der Goldstadt. Auch die weiteren Teile sind „made in Pforzheim“. In einer Auflage von 50 Stück ist die Rassler-Taschenuhr zum Preis von 595 Euro bei der Firma Bethge, den Pforzheimer Schmuckwelten und der Tourist-Info erhältlich.

Die Geschichte der Ispringer Uhrenfabrik ist geprägt durch das jahrzehntelange Streben nach Perfektion, Leistung und Zuverlässigkeit. Seit der Gründung im Jahre 1939 in Pforzheim durch Richard Bethge und seiner Frau Emilie sind diese Tugenden Ansporn und Verpflichtung zugleich.

Bethge erkennt die Chancen des Wirtschaftswunders und baut seine Belegschaft innerhalb kürzester Zeit von sieben auf über 100 Mitarbeiter aus. Die Krönung seines Lebenswerkes ist aber die auf seine Initiative zurückgehende Neugründung der Uhrmacherschule in Pforzheim, der er 23 Jahre als Obermeister vorsteht. Mit dem Einstieg der fünf Söhne Joachim, Hans, Rolf, Heinz und Wolfgang in den 1960-Jahren wird die Expansion verstärkt. Joachim und Hans Bethge kümmern sich als Uhrmachermeister mit Heinz und Rolf als Werkzeugmachern um die eigene Produktion und Fertigung, während Wolfgang Bethge den weltweiten Vertrieb aufbaut. „Präzision ist entscheidend“, erklärt Sohn Alexander Bethge, der die Firma in dritter Generation leitet.