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Markus Wexel (links) und Fabian Willeke (rechts) von der IHK begrüßten die Referenten Eva Rehberg, Gunther Krichbaum und Michael Sauermost. Foto: Frommer
Markus Wexel (links) und Fabian Willeke (rechts) von der IHK begrüßten die Referenten Eva Rehberg, Gunther Krichbaum und Michael Sauermost. Foto: Frommer
20.02.2019

Japan bietet Chancen: IHK informiert über das Freihandelsabkommen Jefta

Pforzheim. Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt: Gleich drei Referenten bot die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald (IHK) daher auf, um den Mitgliedern eine möglichst umfassende Einführung in das jüngst zwischen der EU und Nippon geschlossene Freihandelsabkommen Jefta zu geben.

Zunächst sprach der gerade von der Münchener Sicherheitskonferenz zurückgekehrte Pforzheimer Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (CDU) über die europäische Außenhandelspolitik und das neue EU-Japan-Abkommen. Er betonte die Wichtigkeit der Freihandelsvereinbarung nicht nur mit Blick auf den pazifischen Raum: „Nachdem Trump das transatlantische Handelsabkommen TTIP gekündigt hat, stieg der Druck im Kessel; auch mit Blick auf Japan“. Der Abbau tarifärer und non-tarifärer Handelshemmnisse, führte er aus, „bietet uns enorme Chancen“ – und er zeigte seine Zufriedenheit angesichts dieses „EU-only-Abkommens“, das nicht von nationalen Parlamenten abgesegnet werden müsse. Bezüglich des Symbolgehalts der Übereinkunft ließ er keinen Zweifel daran, dass Jefta as richtige Zeichen zum richtigen Zeitpunkt sei.

Japan-Experte Michael Sauermost (German Trade & Invest, Bonn) ging unmittelbar im Anschluss auf die Bedeutung des japanischen Markts, die Kaufkraft und Industrie Nippons sowie die Olympischen Spiel 2020 in Tokio ein. Wie sein Vorredner streifte auch er den Brexit: „Die japanische Industrie hat sehr viele Niederlassungen in London“. Nicht wenige, so Sauermost, wanderten gerade oder künftig nach Frankfurt oder Berlin ab, „oder, wie die meisten, nach Düsseldorf“. Den medizintechnischen Markt Japans bezeichnete er als hochattraktiv, da „50 Prozent des Bedarfs importiert werden“ und seitens der japanischen Medizintechnik-Industrie nur eine Spezialisierung auf optisch-diagnostische Systeme bestehe.

Generell, so Sauermost, würden europäische Maschinenbauer „von dem Freihandelsabkommen eher indirekt profitieren, da Investitionsgüter vorher schon zollbefreit waren“. Für einen Nachfrageschub – auch in Hinblick auf die deutsche Schmuckindustrie – sorge in Japan das chinesische Touristenaufkommen sowie die Tokyo Olympics.

Wie bei einem mehr als 300 Seiten starken Abkommen nicht anders zu erwarten ist, steckt der Teufel im Detail. Die sachkundige Finanzwirtin und studierte Zoll-Beamtin Eva Rehberg (Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz, Stuttgart) lenkte deshalb die Aufmerksamkeit der gut 40 Veranstaltungsteilnehmer auf zentrale Fragen des operativen Geschäfts, wie beispielsweise den Ursprung der Waren. Hier müssten exportierende Unternehmen etwa der Schmuckindustrie für eine korrekte Zollpräferenzerklärung so gut wie „alles neu lernen“. Angesichts der Fülle von Neuerungen kündigte Fabian Willeke (IHK) eine Nachfolgeveranstaltung als Workshop an.