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Apotheken müssen laut BGH ihre Zugaben-Praxis ändern.  Foto: dpa/Wüstneck 

Jeder Cent zählt: Bei Arznei auf Rezept sind Apotheken-Geschenke tabu

Karlsruhe/Pforzheim. Taschentücher und Traubenzucker ade: Apotheken-Kunden mit Rezept vom Arzt dürfen zum Medikament keine Kleinigkeiten im Cent-Bereich mehr dazubekommen. Auch Mini-Geschenke von geringem Wert sind unzulässig, wie der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe entschied.

Die Interessen von Verbrauchern und Mitbewerbern würden dadurch spürbar beeinträchtigt, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Koch.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen in Deutschland überall gleich viel kosten. Apotheker, die ihren Kunden beim Rezepteinlösen kleine Präsente oder Gutscheine für den nächsten Einkauf in die Hand drücken, unterlaufen diese Preisbindung indirekt. Bisher hatte der BGH Geschenke bis einen Euro trotzdem durchgehen lassen. Konkret beanstandeten die obersten deutschen Zivilrichter Gutscheinaktionen von zwei Apotheke: In Darmstadt hatte es gratis zwei Brötchen beim nahen Bäcker und in Berlin einen Euro Nachlass beim nächsten Einkauf gegeben. Damit ist jetzt Schluss. „Mehr als ärgerlich“ nennt die Pforzheimer Apothekerin Stefanie Weiser die Entscheidung des BGH. Sie hätte sich mehr Verständnis für die Belange der Branche gewünscht, die unter der Konkurrenz des Onlinehandels leidet.

Zwar betrifft das Urteil nur Medikamente, die ein Arzt verschreiben muss. Für Kunden, die auf eigene Kosten in der Apotheke einkaufen, ändert sich nichts. Zur Allergiker-Sonnencreme oder den Kopfschmerztabletten dürfen Weiser und ihre Kollegen weiterhin ein kleines Präsent dazugeben.