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600 Stellen sollen am Siemens-Standort in Nürnberg wegfallen Langer
600 Stellen sollen am Siemens-Standort in Nürnberg wegfallen Langer
11.03.2016

Jobabbau trifft Bayern: Siemens-Pläne wecken Erinnerungen an die Krisenjahre nach 1990

Der neue Stellenabbau bei Siemens ist für die betroffenen bayerischen Regionen ein herber Schlag. An Standorten wie Ruhstorf nahe Passau und Bad Neustadt/Saale gehört Siemens zu den größten Arbeitgebern. Genau dort sollen jeweils Hunderte Jobs wegfallen – ein „schmerzhafter Hieb“, der auch eine „massive Deindustrialisierung des Standortes Deutschland“ bedeute, wie die IG Metall Bayern am Donnerstag erklärte.

Sie will gemeinsam mit Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn um den Erhalt möglichst vieler Jobs kämpfen. Siemens aber wehrt sich gegen die Vorwürfe der Arbeitnehmervertreter.

Am Vortag hatte das Unternehmen den Abbau und die Verlagerung von rund 2500 Jobs in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe angekündigt – davon rund 2000 in Deutschland und schwerpunktmäßig in Bayern. Hintergrund sind Nachfrageschwäche und Überkapazitäten in der vom Ölpreisverfall getroffenen Sparte, die zurzeit deutlich hinter den Margenvorgaben von Konzernchef Joe Kaeser zurückbleibt.

Die vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten im Nürnberger Siemens-Werk an der Vogelweiher Straße wirken entsetzt und ratlos: „Das ist ein Schlag ins Kontor“, schimpft Bernd Fey am Donnerstagmorgen am Werkstor. Ärgerlich finden der Ingenieur und viele seiner Kollegen aber vor allem, dass sie von dem geplanten Abbau der 600 Stellen in ihrem Werk erst aus den Medien erfahren haben.

Die Hiobsbotschaft aus der Siemens-Zentrale weckt derweil bei Betroffenen und Kommunalpolitikern in Nürnberg Erinnerungen an die Krisenjahre zwischen 1990 und 2005. In der Zeit waren in der Stadt reihenweise große Industriebetriebe pleite gegangen oder verlagert worden: Neben Grundig und AEG waren darunter auch weniger bekannte Firmen wie Adtranz, Cebal und Alsthom Power. Rund 100.000 Industriearbeitsplätze seien in dieser Zeit weggefallen, berichtet der 2. IG-Metall-Bevollmächtigte Rudi Lutz.