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Hat einiges gegen den Fachkräftemangel getan: Jürgen Schwab. Foto: PZ-Archiv
Hat einiges gegen den Fachkräftemangel getan: Jürgen Schwab. Foto: PZ-Archiv
07.08.2015

Jürgen Schwab, Chef der Arbeitsagentur, geht in den Ruhestand

Es war absehbar, dass es die letzte große Aufgabe seines Berufslebens werden würde. Er sollte die Fusion der Arbeitsagenturen Nagold und Pforzheim über die Bühne bringen. Jetzt, da er guten Gewissens Vollzug melden kann, verabschiedet sich Jürgen Schwab, Chef der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, in den Ruhestand.

Als er im Mai 2012 sein Amt als Chef der Agentur für Arbeit in Nagold antrat, war der Auftrag für Jürgen Schwab klar. Er sollte die bereits beschlossene Fusion der Agenturen in Pforzheim und Nagold über die Bühne bringen, sollte die zwei Agenturen „organisatorisch und menschlich zusammenführen“, wie der 63-Jährige das heute formuliert.

Vor allem das mit dem Menschlichen war offensichtlich nicht so einfach wie auf den ersten Blick erhofft. „Denn in Pforzheim und Nagold herrschen zwei ganz unterschiedliche Mentalitäten“, wie Schwab rückblickend feststellt. Doch genau diese Unterschiede machte sich der Agenturchef bei den Fusionsbemühungen zunutze. „Inzwischen ist es so, dass man sich da gegenseitig befruchtet, dass man gemerkt hat, dass man sich gegenseitig helfen kann und dies auch tut“, fasst Schwab zusammen.

Beim eigentlichen Kerngeschäft der Arbeitsverwaltung stand in den dreieinhalb Jahren der Amtszeit von Schwab vor allem ein Thema im Vordergrund: die Gewinnung von Fachkräften für die Region. Ein Baustein war dabei das Engagement der Agentur in der Fachkräfteallianz Nordschwarzwald, in der sich Kommunen, IHK, Gewerkschaften und andere Akteure auf dem Arbeitsmarkt in der Region zusammengeschlossen haben.

Solche regionalen Kooperationen sind es, die Schwab als probates Mittel sieht, den zwischen den Metropolen Stuttgart und Karlsruhe eingezwängten heterogenen Wirtschaftsstandort Nordschwarzwald weiterzuentwickeln.

Deshalb stärkt er der nicht ganz unumstrittenen regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG auch demonstrativ den Rücken: „Eine funktionierende Wirtschaftsförderung ist wichtig“, sagt der scheidende Agenturchef. „Sie kann die Sache für die ganze Region koordinieren.“

Eine weitere Aktion der Agentur mit der heimischen Wirtschaft zur Beseitigung des Fachkräftemangels betrifft ausländische Jugendliche. Im Rahmen eines speziellen Programms wurden 25 junge Menschen aus Italien und Portugal in ihrem Heimatland mit Sprachkursen vorbereitet und dann zunächst für ein Praktikum und im besten Fall für eine duale Ausbildung in die Region geholt. Während diese 25 Nachwuchskräfte in der Hotellerie und Gastronomie der Region einen Platz finden sollen, gibt es für das regionale Handwerk eine ähnlich gestrickte Aktion. In diesem Fall sollen junge Menschen aus Spanien und Bulgarien in den Nordschwarzwald geholt werden.

Neben dem Fachkräftemangel stand das Problem der Langzeitarbeitslosen weit oben auf seiner Agenda. „Die müssen einfach von der guten wirtschaftlichen Situation mehr profitieren“, so Schwab, der als Königsweg zu einem Job die Qualifizierung sieht. Wer im November seine Nachfolge antritt, ist derzeit noch offen.