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Angeregte Unterhaltung: Festredner Julian Nida-Rümelin (links) mit IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. Foto: Ketterl
Angeregte Unterhaltung: Festredner Julian Nida-Rümelin (links) mit IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. Foto: Ketterl
13.07.2018

Julian Nida-Rümelin beim IHK-Sommerempfang: „Es wird kein europäisches Facebook geben“

Pforzheim. „Sie haben mich eingeladen, eine unlösbare Aufgabe zu lösen“, sagt Professor Julian Nida-Rümelin zu Beginn seines Vortrags an IHK-Präsidentin Claudia Gläser gewandt.

Ein Patentrezept, wie man den „Spagat zwischen Unternehmertum und digitaler Herausforderung“, wie Gläser es nennt, bewältigen kann, hat auch Nida-Rümelin nicht. Der Ex-Kultur-Staatsminister probiert es mit seinem Fachgebiet: der Philosophie.

Nida-Rümelin holt aus, erzählt von der Theorie, dass die Idee der Verantwortung erst 300 Jahre alt ist – und daher mit der Zeit der Aufklärung verbunden. Der Philosophie-Professor widerspricht sogleich. Und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass die Verantwortung nicht mit dem Ende der Aufklärung im Zeitalter der Digitalisierung endet.“ Ausgeschlossen sei das aber nicht.

Natürlich sei es viel einfacher, keine Verantwortung zu haben, sagt der 63-Jährige. Doch wir Menschen seien nunmal verantwortungsfähige Wesen und damit „Autoren unseres Lebens“, wie er es formuliert. Deshalb sei es auch falsch, den Menschen ihre Verantwortungsfähigkeit abzusprechen. Das gelte auch für Unternehmer. Denn dann, so Nida-Rümelin, zerstöre man ihre intrinsische Motivation für die Dinge, die sie tun. Und das, sagt er, „ist zu wenig, um gute Arbeit zu leisten“. Menschen wollten ernstgenommen werden, sie wollten in ihrer eigenen Tätigkeit einen Sinn sehen. Das sei die richtige Motivation.

Was ändert sich durch die Digitalisierung? Darauf hat Nida-Rümelin eine einfache Antwort: „Wir wissen es nicht.“ Alle Prognosen der Vergangenheit, vom papierlosen Büro über das Verschwinden des Buchs, seien falsch gewesen. Ebenso wie jede Voraussage, wonach eine technologische Neuerung massenweise Arbeitsplätze vernichte. Dasselbe gelte für die Digitalisierung.

Um die zu nutzen, müsse sie aber „im Zentrum der Produktivität wirksam werden“, wie Nida-Rümelin sagt. Heißt: Europa soll nicht das Silicon-Valley mit seinen Internet-Riesen kopieren. „Es wird kein europäisches Facebook geben.“ Stattdessen solle man die eigene Form der Digitalisierung vorantreiben. Und dabei als Unternehmer bedenken: Technologien wie Künstliche Intelligenz „ersetzen keine Menschen. Sie müssen uns dienlich sein.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler spricht am Ende aus, was wohl viele Gäste denken: „Wow.“