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17.04.2009

Juristen im Clinch um Goldraub

PFORZHEIM. Um den im März bei der Polizei gemeldeten Überfall mit Golddiebstahl auf den Geschäftsführer der Firma Pusch gibt es jetzt Schuldzuweisungen vom Anwalt des Überfallenen gegen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Zwei Hiobsbotschaften über das Pforzheimer Traditionsunternehmen Pusch Feinguss meldete die Pforzheimer Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. April: Zum einen musste Geschäftsführer Erich Pusch wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Zum anderen wurde über den gemeldeten Überfall und Golddiebstahl bei der Firma der Staatsanwalt zitiert, wonach unter anderem auch „gegen Herrn Pusch wegen Vortäuschung einer Straftat“ ermittelt werde. Die Polizei, hieß es weiter, habe gewisse Zweifel an der Schilderung des Überfallenen.

Kein ordentliches Vorgehen

Dazu gab der Anwalt von Erich Pusch, Andreas Lingenfelser von der Pforzheimer Kanzlei LSH Rechtsanwälte, jetzt eine schriftliche Klarstellung heraus. Demnach bestätigte er, dass sein Mandant am 9. März 2009 einen Überfall auf sich in den Räumen der Pusch GmbH & Co. KG angezeigt habe. Das Unternehmen ist auf der Wilferdinger Höhe an der Rastatter Straße 2 angesiedelt. Weiter heißt es: Nach einer mehrstündigen Anzeigenaufnahme sei seinem Mandanten von den Polizeibeamten, die die Anzeige aufnahmen, eröffnet worden, „dass nunmehr gegen ihn ermittelt werde.“ Laut Lingenfelser seien keine anderen Ermittlungen aufgenommen worden. Aus seiner Sicht stelle dies kein ordentliches Vorgehen staatlicher Ermittlungsbehörden dar. Vielmehr wäre es seiner Ansicht nach „angebracht gewesen, der Anzeigeerstattung nachzugehen“. Weiterhin monierte der Rechtsanwalt, dass seitens der Polizei bis zum heutigen Tage keine weiteren Ermittlungsmaßnahmen in Bezug auf die Anzeige „wegen des stattgefundenen Überfalls erfolgt sind“. Dies lasse „ernsthafte Zweifel an der Objektivität der durchgeführten Ermittlungen aufkommen“, erklärte Lingenfelser und wies zudem darauf hin, dass Erich Pusch auf Grund des Überfalls mit dem Kopf gegen ein Geländer geprallt sei und sich verletzt habe. „Man hielt es insoweit nicht für angebracht, diese Verletzung behandeln zu lassen, sondern führte eine sechsstündige Anzeigenaufnahme und anschließende Beschuldigtenvernehmung durch, bevor eine ärztliche Behandlung im Klinikum Pforzheim stattfinden konnte“, bemängelte der Anwalt.

Anwalt: Keinerlei Beweise

Im Übrigen stellte Lingenfelser in seiner Stellungnahme fest, dass keinerlei Beweise vorliegen würden, die die Angaben seines Mandanten widerlegen könnten. Richtigerweise werde in dem betreffenden PZ-Bericht von der Redaktion darauf hingewiesen, dass „mit einer Ermittlung lange noch nicht bewiesen ist, dass Pusch tatsächlich eine Straftat begangen hat. Je nachdem, was die polizeilichen Ermittlungen ergeben, kann die Sache auch eingestellt werden.“ Fakt sei jedoch, so Lingenfelser, „dass der Ruf unseres Mandanten nunmehr erheblich geschädigt wurde“.

Außerdem wies der Anwalt darauf hin, „dass bei dem gestohlenen Gold nicht nur Gold von Kunden, sondern auch von der Pusch GmbH & Co. KG enthalten war“. Es existiere auch keinerlei Versicherung bei der Firma Pusch für den eingetretenen Schaden, „so dass unser Mandant von vorneherein kein nachvollziehbares Motiv gehabt haben könnte. Denn der eingetretene Schaden verbleibt sowohl bei den Kunden als auch bei der Firma Pusch selbst“, heißt es in der Stellungnahme und weiter: Der Geschäftsführer des Unternehmens hätte somit durch einen angeblich vorgetäuschten Überfall „keine Vorteile, sondern hat handfest Nachteile, was auch die eingetretene Insolvenz zeigt“.

Kunden sind versichert

Viele Kunden des Unternehmens hätten den Angaben zufolge die Vereinbarung, jeweils eine eigene Versicherung abzuschließen. Nach derzeitiger Kenntnis würde diese den Schaden, der durch den Überfall zustande kam, ersetzen – im Gegensatz zum Schaden der Firma Pusch. Lingenfelser: „Von einem irgendwie gearteten Versicherungsbetrug als Motiv kann somit keine Rede sein.“ Nach Aussage des Anwalts war Erich Pusch vor der ersten PZ-Berichterstattung deshalb nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen, weil er aufgrund einer Operation 14 Tage im Krankenhaus war.

Fehlmengen wegen des Raubes

In besagtem Bericht bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter, Holger Blümle, gegenüber der PZ, dass er Fehlbestände bei Gold „in nicht unerheblicher Größenordnung“ festgestellt habe. Blümle sowie Lingenfelser betonten ausdrücklich, dass diese mit der bei dem Überfall geraubten Menge übereinstimmen würden. Darüber hinaus gehende Fehlmengen gebe es nicht. (Siehe auch Bericht unten: „Staatsanwalt weist Vorwürfe zurück.“)
@ www.pusch-feinguss.de