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Skeptisch: Achim Wambach, Chef der Monopolkommission. Foto: Anspach
Skeptisch: Achim Wambach, Chef der Monopolkommission. Foto: Anspach
02.11.2016

Kaiser’s Tengelmann: Wie sicher ist der Deal wirklich?

Berlin. Kurz bevor er in den Flieger nach China stieg, hörte sich Sigmar Gabriel so an, als ob der Wahlkampf schon auf Hochtouren läuft. „15 000 Verkäuferinnen, Fleischer, Lagerarbeiter, Fahrer, Verwaltungsmitarbeiter und alle anderen Mitarbeiter von Tengelmann können Weihnachten ohne Angst um ihren Arbeitsplatz feiern“, verkündete der Bundeswirtschaftsminister nach der Einigung von Edeka und Rewe im Schlichtungsverfahren um die Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann.

Wie wasserdicht ist die Grundsatzeinigung?

Noch müssen wichtige Punkte zwischen Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Boss Alain Caparros abschließend geklärt werden, bevor Edeka Kaiser’s Tengelmann im Rahmen der von Gabriel erteilten Sondergenehmigung (der sogenannten Ministererlaubnis) übernehmen darf. Derzeit rechnen Wirtschaftsprüfer durch, welchen Wert das Filialnetz hat.

Was ist mit der Rewe-Klage gegen die Ministererlaubnis?

Teil der Einigung ist, dass Rewe die Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf „unverzüglich“ zurückzieht (wie zuvor Norma und Markant), sobald die Verträge unterzeichnet sind. Erst dann ist der gefundene Kompromiss wirklich belastbar. So verwundert es nicht, dass der ausgefuchste Rewe-Chef Caparros, der sich öffentlich lange einen verbalen Kleinkrieg mit Haub lieferte, die Klage als Faustpfand bis zum Schluss aufrechterhalten will und bis jetzt noch nicht zurückgezogen hat.

Was springt für Rewe bei dem Deal heraus?

Edeka hat in der Schlichtungsvereinbarung Rewe zugesagt, Filialen in Berlin mit einem Bruttoumsatz von 300 Millionen Euro an den Konkurrenten abzutreten. Auch soll Edeka in der Region Lager, Verwaltung sowie das Fleischwerk Perwenitz in Brandenburg übernehmen – inklusive der bis zu siebenjährigen Arbeitsplatzzusagen. Unbekannt ist bislang, welche konkreten Filialen in der Hauptstadt Edeka an Rewe abgibt.

Was sagen die Gewerkschaften?

Anders als Verdi-Chef Frank Bsirske, der die Schlichtung und Gabriel in höchsten Tönen lobt, ist DGB-Chef Reiner Hoffmann deutlich zurückhaltender: „Wir hatten ja schon mal einen Kompromiss gehabt, der hatte gerade mal 24 Stunden gedauert“, sagte er in der ARD. Dank Gabriels Ministererlaubnis haben die Gewerkschaften aber eine starke Verhandlungsposition gegenüber Edeka und Rewe.

Wer schaut sich das

Schlichtungsergebnis noch an?

Es ist davon auszugehen, dass das Bundeskartellamt prüfen wird, wie sich die Einigung auf den Supermarkt-Wettbewerb in den drei Regionen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin auswirkt. Nur dort ist Kaiser’s Tengelmann aktiv. Im Umfeld von Wirtschaftsminister Gabriel ist man zuversichtlich, dass die Kartellwächter die Lösung nicht blockieren. „Wenn die führenden Unternehmen einen wesentlichen Teil des Supermarkt-Marktes unter sich aufteilen, ist das eine Absprache, die den Wettbewerb zulasten der Verbraucher einschränken kann“, kritisierte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der „Rheinischen Post“.