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Der Bote von „Kalix“ liefert die gekaufte Ware ins Haus des Kunden.
Der Bote von „Kalix“ liefert die gekaufte Ware ins Haus des Kunden. © Heck
10.12.2015

„Kalix“-Initiative „Karlsruhe liefert‘s fix“ gestartet

Karlsruhe. Es fühlt sich ein bisschen an, wie eine kleine Gegenrevolution. Mit einem bundesweit bisher einmaligen Liefersystem wollen die Stadt und zunächst 60 Händler der City-Initiative Karlsruhe einen Gegenpol zum wachsenden Geschäft der Online-Händler bilden.

Der Clou: Bei „Kalix“, so der Name des Unterfangens, kann man sich bis zu 20 Einkaufstüten und Päckchen aus bis zu fünf verschiedenen Geschäften noch am selben Abend ohne Aufpreis nach Hause liefern lassen. „Mit dem neuen Service sind wir schneller, besser und innovativer als der Online-Handel“, freut sich City-Manager Sascha Binoth, der die Idee in den vergangenen Jahren entwickelte und nun die passenden Partner gefunden hat. „Das Tütenschleppen entfällt und die Menschen können in der Stadt ungestört weiter einkaufen.“ Binoth sieht Vorteile für Kunden und Geschäftsleute, denn im Gegensatz zum Onlinehandel kann die Ware in den beteiligten Geschäften in Augenschein genommen oder auch anprobiert werden. „Das Einkaufserlebnis ist hierdurch deutlich größer.“ Die Idee klingt einfach. „Gebucht“ wird die Lieferung im ersten Geschäft, in dem der Kunde einkauft. Dort entrichtet er die Liefergebühr von 5,99 Euro, die für das gesamte Stadtgebiet gilt. Kunden aus Umland müssen einen Euro je Kilometer bezahlen, berechnet zwischen (erstem) Geschäft und Lieferadresse. Ins Umland wird allerdings nur in einem Bereich bis 25 Kilometer geliefert.

Nach Bezahlung der Lieferkosten, die durch in den Geschäften erhältliche  Coupons noch gesenkt werden können, bekommt der Kunde einen Teilnahmeflyer mit insgesamt zehn Aufklebern. Mit diesen beklebt er später seine Einkaufstüten und deponiert sie im jeweiligen Geschäft. Die Packstücke selbst dürfen dabei maximal 25 Kilogramm wiegen. Weiß der Kunde, dass er abends nicht zu Hause sein wird, dann kann eine Lieferung auch für den nächsten Abend vereinbart werden. Als Logistik-Partner hat die City Initiative die Münchner Firma Tiramizoo ins Boot geholt, die bundesweit bereits in 160 Städten aktiv ist. Bisher liefert Tiramizoo aber lediglich Waren aus, die der Kunde in einem Geschäft eingekauft hat, in Karlsruhe müssen die Einkäufe nun aus mehreren Geschäften eingesammelt werden. Dies geschieht Mithilfe von Tablet-Computern und passender Software, die in jedem Geschäft und in den Lieferfahrzeugen zur Verfügung stehen. Abgestellt und betreut werden die Transporter von Schoemperlen & Gast, dem ältesten Mercedes-Benz-Partner der Welt mit Sitz in Karlsruhe-Hagsfeld.

Für Oberbürgermeister Frank Mentrup passt die neue Idee absolut zu Karlsruhe. Viele Kunden kämen mit dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Fahrrad in die frisch gekürte „nachhaltigste Großstadt Deutschlands“. Aber auch von Autofahrern werde ein Lieferservice gerne in Anspruch genommen, wie Thomas Bluth von Tiramizoo weiß. Der Klassiker sei der 45-Zoll-Fernseher, der nicht in den Kofferraum passt. Interessant für den Handel dürfte auch sein, dass die Einkäufe durchschnittlich doppelt so groß ausfallen, wenn der Kunde die Ware nicht selbst nach Hause transportieren muss.