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Die Pforzheimer Fußgängerzone wird derzeit umgebaut. Die Galeria-Kaufhof-Filiale in der Goldstadt ist zudem vom bundesweiten Umbau der Warenhauslandschaft betroffen. Foto: Ketterl
Die Pforzheimer Fußgängerzone wird derzeit umgebaut. Die Galeria-Kaufhof-Filiale in der Goldstadt ist zudem vom bundesweiten Umbau der Warenhauslandschaft betroffen. Foto: Ketterl
12.09.2018

Karstadt und Kaufhof: Alles unter einem Dach – und dann?

Berlin/Pforzheim. Deutschlands letzte große Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof wollen sich mit ihrer Fusion im starken Wettbewerb besser behaupten. Der neue Einzelhandels-Riese wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32 000 Mitarbeiter beschäftigen. Das teilten der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company (HBC) am Dienstag offiziell mit.

Die PZ hatte über die bevorstehende Fusion berichtet. Die zuständigen Kartellämter müssen noch zustimmen – und viele Punkte rund um die Zukunft der Innenstädte und des Personals bleiben offen.

In Berlin beriet gestern die Führungsspitze der Gewerkschaft Verdi über die Situation von Karstadt und Kaufhof. Mit dabei waren der Pforzheimer Betriebsratsvorsitzende Theo Layer von Galeria Kaufhof sowie weitere 18 Betriebsräte von Karstadt und Kaufhof. Mit der Gewerkschaft wollen sie rasch klären, was auf die Beschäftigten beider Häuser in den kommenden Monaten zukommt. Bei einer Betriebsübernahme nach BGB § 613a gehen die Rechte und Pflichten aus den bestehenden Arbeitsverhältnissen auf den Übernehmer (in diesem Fall Karstadt) über. Das würde bedeuten, dass die Beschäftigung samt Löhnen und Gehältern für ein Jahr gesichert wären.

In der vergangenen Woche hatte sich die Pforzheimer Kaufhof-Geschäftsführerin Stephanie Jeckel (vormals Tresp) im Falle einer Übernahme durch Karstadt zuversichtlich über den Fortbestand des traditionsreichen Kaufhauses in der Goldstadt gezeigt, das gute Umsätze mache. Gestern verwies sie auf die offizielle Pressemitteilung. Darin ist von einer „Fusion unter Gleichen“ die Rede. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Die Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

Geleitet werden soll das zusammengeschlossene Unternehmen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Der Manager betonte, die beiden zuletzt schwächelnden Partner hätten „eine ideale Lösung gefunden, um sich im umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren“. Auf das neue Unternehmen warte jetzt eine Phase harter Arbeit.

Was sich für die Verbraucher und durch die Fusion konkret ändern wird, blieb zunächst unklar. Die Firmen ließen etwa offen, ob im Zuge des Zusammengehens Filialschließungen geplant sind. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof vorerst als Marken bestehen bleiben. Auch zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben. Medienberichten zufolge könnten im Zuge der Fusion rund 5000 Jobs wegfallen. Jedoch sind diese Angaben umstritten. Einige Branchenkenner halten sie für deutlich zu hoch gegriffen.

Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte gestern den Erhalt aller 32 000 Arbeitsplätze und aller Standorte. „Die Fusion darf nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen“, verlangte er. Die Gewerkschaft Verdi drängte die Eigentümer, die Arbeitnehmervertreter möglichst schnell in ihre Planungen einzubeziehen. Indes wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigner René Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, HBC 49,99 Prozent. An den Kaufhof-Immobilien, die Milliarden wert sind, wird Signa künftig mit 50 Prozent beteiligt sein. Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson’s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen. Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter Fanderl gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.