nach oben
xsss
xsss © Symbolbild: dpa
23.12.2014

Kartellamt mit Bußgeldrekord: Abzockerfirmen zahlen 1,01 Milliarden

Das Bundeskartellamt hat 2014 wegen wettbewerbswidriger Absprachen erstmals Bußgelder von mehr als einer Milliarde Euro verhängt. Letztlich werden durch Preisabsprachen wie bei Zucker, Bier oder Wurst die Verbraucher betrogen oder Zulieferer in Existenznot gepresst.

Umfrage

Illegale Preisabsprachen bei Lebensmitteln: Werden Abzockerfirmen hart genug bestraft?

Ja 9%
Nein 88%
Mir egal 3%
Stimmen gesamt 266

Exakt seien es 1,01 Milliarden Euro, sagte der Chef der Behörde, Andreas Mundt, der Deutschen Presse-Agentur. Bisher lag die höchste verhängte Summe bei 717 Millionen Euro im Jahr 2003, die aber wegen Einsprüchen betroffener Unternehmen nicht komplett rechtskräftig wurden. Normalerweise pendelt die Summe der Bußgelder um die 300 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld fließt in den allgemeinen Staatshaushalt.

Es handele sich um einen Ausreißer nach oben, sagte Mundt. 2014 seien gleich drei große Kartellverfahren gegen die Zuckerindustrie, Brauereien und Wursthersteller mit jeweils dreistelligen Millionenbußen abgeschlossen worden. Die hohe Summe zeige aber auch, dass das System der Kartellverfolgung effizient funktioniere. Insgesamt verhängte die Behörde in 9 Verfahren Bußgelder gegen 67 Unternehmen und 80 verantwortliche Manager.

Bei der Kontrolle von Fusionen hatte die Behörde 2014 kaum Bedenken. Bei rund 1200 angemeldeten Zusammenschlüssen von Unternehmen legte das Amt nur in einem Fall ein Veto ein und untersagte die geplante Zusammenführung der Kreiskliniken Esslingen mit dem Klinikum Esslingen. 2013 hatte es bei 1091 Anmeldungen ebenfalls nur ein Verbot gegeben.

Heimliche Preisabsprachen bei Massenartikeln wie Bier und Wurst, jahrelange Kartelle beim Zucker zu Lasten der Verbraucher - das Bundeskartellamt hat 2014 so viele Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht aufgedeckt wie noch nie in seiner Geschichte. Im neuen Jahr erwarten die Kartellwächter neue spannende Fälle - unter anderem eine Gerichtsentscheidung zu der Frage, wie weit Lebensmittelriesen ihre Lieferanten im Preis drücken dürfen. Außerdem beschäftigt die immer wichtigere Rolle des Internets im Einzelhandel die Behörde.

Leserkommentare (0)