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Konstantin Bös und Rebecca Schwager wollen gemeinsam ein älteres Wohnhaus am Sonnenberg sanieren.

Kaufen statt mieten? Wohnungsmarkt ist auch in Pforzheim angespannt

Pforzheim. Wer bauen will, muss für das passende Grundstück tiefer in die Tasche greifen. Auch in der Goldstadt sind die Preise im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Im Rodgebiet werden bis zu 500 Euro pro Quadratmeter aufgerufen und bezahlt, wie Joachim Stamm, Geschäftsführer des Gutachterausschusses der Stadt Pforzheim im Gespräch mit der PZ erklärt.

Die Bodenrichtwerte sind im Vergleich zu 2017 um zehn bis 15 Prozent gestiegen. Für ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 170 Quadratmetern wurden durchschnittlich rund 400.000 Euro bezahlt.

Noch wohnt Konstantin Bös zur Miete im Enzkreis. Doch das soll sich bald ändern. Der 33-Jährige will mit seiner Freundin Rebecca Schwager zusammenziehen und hat sich ein älteres Wohnhaus auf dem Pforzheimer Sonnenberg gekauft. Obwohl der regionale Immobilienmarkt ziemlich ausgedünnt ist und die Preise zuletzt deutlich angezogen haben, wurde er relativ schnell fündig. Die Lage ist optimal – stadtnah, ein schöner Garten und die Bushaltestelle direkt vor dem Haus. Kindergarten und Kirche liegen in unmittelbarer Nähe. Innerhalb von wenigen Wochen war ihm im Internet das sanierungsbedürftige Wohnhaus aufgefallen. Nach einem gemeinsamen Besichtigungstermin mit seiner Freundin, seinen Eltern und der Sparkassen-Immobilienberaterin ging der Verkauf sehr schnell über die Bühne. „Uns gefällt die Lage hier besonders. Solange wir noch zu zweit sind, werden wir die obere Etage vermieten. Die Immobilie wächst mit“, sagt Bös. „Für uns war es wichtig, eine gute Anbindung zu haben. Die Stadt ist schnell erreichbar und die Familie wohnt in der Nähe!“, schwärmt Schwager. Auch Bös pflichtet bei: „Pforzheim ist nicht so schlecht, wie man immer liest und hört.

Doch zunächst muss das freistehende Haus (Baujahr 1960) grundlegend saniert werden. Das wird ein ziemlicher Kraftakt, weiß das junge Paar. Neues Dach, neue Fenster, neues Bad. Besprechungstermine mit Handwerkern stehen an. Einziehen wollen sie dann im kommenden Jahr an Ostern, wenn die wichtigsten Arbeiten abgeschlossen sein werden.

Für Knut Heitzmann wird der Arbeitsweg künftig mit dem Auto nur noch zehn Minuten betragen – vom Wolfsberg Palais nach Dürrn. Aktuell sind es „eine gute halbe Stunde, wenn der Verkehr es zulässt“, sagt Heitzmann. Denn der Vertriebsleiter bei der Firma Nonnenmacher wohnt nicht im Enzkreis, sondern in Karlsruhe. Obwohl der 48-Jährige seit 2001 im Enzkreis arbeitet, begann seine aktive Suche nach einer Immobilie erst 2018 – zuerst in Karlsruhe. Allerdings sei die Wohnsituation dort wie in vielen Großstädten extrem angespannt. Wenig Fläche und hohe Preise. Für den Kaufpreis in Pforzheim hätte er in Karlsruhe gerade einmal eine Bestandsimmobilie aus den 60er-Jahren erhalten. Und die kommen nicht „an die Qualität eines Neubaus heran.“

Auch der Stand der Technik spielte eine Rolle – und natürlich: „Lage, Lage, Lage: Das ist das Einmaleins des Immobilienunterrichts“, lächelt Heitzmann und schaut aus dem Fenster des schmucken Showroom-Containers vor der Baustelle, die eine Panoramaaussicht preisgibt.

Dort entsteht aktuell die zweite Etage der Tiefgarage mit 178 Stellplätzen. Für Heitzmann ein wichtiger Aspekt: „Die Wohnungen im Stadtzentrum haben zwar eine schöne Renovierung oder ein attraktives Umfeld, aber häufig keine Parkplätze.“

Dass es nun eine Eigentumswohnung im Wolfsberg Palais geworden ist, „war ein glücklicher Zufall“, sagt Heitzmann. Sein Chef gab ihm den entscheidenden Hinweis, dass auf dem Neubauareal am Südhang der Nordstadt ein zweiter Abschnitt erschlossen wird. Nach einer Recherche im Internet folgte ein Anruf bei der Sparkasse Pforzheim Calw.

Heitzmann gehört zu einer wachsenden Zahl an Menschen, die Pforzheim für sich als Wohnstadt entdecken. „Die gute Anbindung an Karlsruhe und Stuttgart und die Naherholungsgebiete im Grünen sprechen für Pforzheim“, sagt Heitzmann.

Diese Sicht vertritt auch Thorsten Gieske, Inhaber des gleichnamigen Fotostudios auf der Wilferdinger Höhe. „In Pforzheim steckt mehr drin, als man meint“, sagt Gieske. Er hat drei Wohnungen im Wolfberg Palais gekauft. Allerdings nicht für den Eigenbedarf, sondern als Kapitalanlage.

Der Standort und das Konzept hätten den Unternehmer überzeugt, denn es sei ihm wichtig gewesen, in eine gute Wohngegend zu investieren, da Lage das entscheidende Kriterium für die Kapitaloptimierung sei. Und die ist prominent in Pforzheim, denn das ehemalige St. Trudpert-Krankenhaus ist bei vielen mit positiven Erinnerung behaftet. „Es ist ein ideeller Ort.“

Business-Wohnen auf Zeit

Bei den drei Wohnungen handelt es sich um unterschiedliche Wohnungstypen, „für drei unterschiedliche Zielgruppen“, sagt Gieske. Diese möchte der 57-Jährige im Stil des möblierten Business-Wohnens auf Zeit vermieten. Das sei in zahlreichen Metropolen, wie etwa in Stuttgart, seit einiger Zeit ein Trend. Eine Zielgruppe hat er dabei im Blick: Fach- und Führungskräfte. „In meinem Unternehmerumfeld habe ich festgestellt, dass da ein Bedarf nach attraktivem Wohnen ist.“

Immobilienmesse 2019 am kommenden Wochenende im CCP

„Pforzheim ist eine liebens- und lebenswerte Stadt der kurzen Wege. Neben einer guten Infrastruktur profitiert die Region von einem innovativen und wettbewerbsfähigen Mittelstand“, sagt Kristina Sauter, Immobilienexpertin der Sparkasse Pforzheim Calw. „Aus reiner Gewohnheit nehmen wir viele positive Dinge oftmals gar nicht mehr wahr. So wurde Pforzheim aktuell als zweitsonnigste und zudem als fünftgrünste Stadt bundesweit ausgezeichnet.“

Die Goldstadt habe sich in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort entwickelt, etwa im Bereich der Spitzentechnologie. „Als Bindeglied zwischen Stuttgart und Karlsruhe und als Pforte zum Schwarzwald, lockt der lokale Immobilienmarkt immer mehr überregionale Interessenten: Eigennutzer wie Kapitalanleger“, sagt Sauter. „Die Eigentumswohnung als Anlageinstrument ist sehr beliebt.

Sven Eisele, Direktor und Generalbevollmächtigter der Sparkasse Pforzheim Calw stellt fest, dass auch ein klarer Trend in Richtung schwellenfreies Wohnen in guter Lage erkennbar ist. „Das liegt unter anderem daran, dass das selbstständige Wohnen bis ins hohe Alter eine immer größere Rolle spielt. Viele zahlungskräftige ältere Menschen trennen sich vom Haus im Grünen, um alle Vorteile des stadtnahen Wohnens für sich zu genießen.“

„Ein Vorzeigeprojekt zum Wohle der Region setzt die Quadriga Projektentwicklungsgesellschaft mit dem Neubauprojekt Wolfsberg Palais in attraktiver Südhanglage um. Das größte Neubauprojekt der Nachkriegszeit umfasst 129 Eigentumswohnungen und eine ausreichende Anzahl an komfortablen Tiefgaragenstellplätzen. Ziel ist es, die Wertschöpfung entgegen der typischen Vergabepraxis in der Region zu halten. Deshalb wird auf eine GU-Vergabe verzichtet. „Alle Gewerke werden einzeln an Unternehmen aus der Region vergeben“, so Eisele.

Während die Nachfrage auf dem lokalen Immobilienmarkt weiter zunimmt, ist das Objektangebot knapp. Es fehlen Flächen zur Bebauung. „Die Entscheidung für den richtigen Verkaufszeitpunkt ist maßgeblich für den Verkaufserfolg“, erklärt Sauter.

2018 hat die Immobilienabteilung der Sparkasse Pforzheim Calw 466 Immobilien im Wert von über 131 Millionen Euro vermittelt. Bei Vorträgen erläutern Experten auf der IMMO 2019 die Erfolgsstrategien für Interessenten und Verkäufer:

■ „Wie Verkäufer und Interessenten optimale Ergebnisse erzielen“ am Samstag, 13:30 Uhr und Sonntag, 13.10 Uhr: Referentin: Kristina Sauter

■ „Finanzieren ist einfach“ am Samstag, 14:10 Uhr und Sonntag, 13:50 Uhr. Referentinnen: Nathalie Schmid/Carolin Lünnemann. ne

Katharina Lindt

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