nach oben
Seit 86 Jahren ist der Kaufhof im Herzen der Pforzheimer Innenstadt eine feste Größe.
Seit 86 Jahren ist der Kaufhof im Herzen der Pforzheimer Innenstadt eine feste Größe.
11.10.2017

Kaufhof will Einschnitte bei Löhnen

Der Warenhauskonzern Kaufhof steckt in der Krise: Die Geschäfte laufen längst nicht so wie vom neuen kanadischen Eigentümer HBC erhofft. Kaufhof schreibt rote Zahlen.

Deshalb will der Handelsriese nun Einschnitte bei Löhnen und Gehältern der etwa 21 000 Mitarbeiter durchsetzen. Das Unternehmen habe mit der Gewerkschaft Verdi Gespräche aufgenommen, um einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung abzuschließen, teilte Kaufhof-Chef Wolfgang Link gestern mit. Ziel sei es, dem Unternehmen eine „wirtschaftliche Atempause“ zu verschaffen, bis die angestoßenen Wachstumsmaßnahmen Wirkung zeigten.

Die Pforzheimer Galeria Kaufhof rangiert umsatzmäßig im oberen Drittel der rund 100 Warenhäuser des Kölner Konzerns. Seit drei Monaten leitet Stephanie Tresp (27) die Kaufhof-Filiale, die seit 1931 in der Goldstadt ansässig ist (früher Schocken, Merkur, Horten). Tresp ist diese Woche nicht im Hause. Die Verunsicherung unter den Beschäftigten ist groß. Der Betriebsrat traf sich gestern Nachmittag zu einer Sitzung, um über die aktuelle Situation zu beraten. Ein Großteil der 140 Mitarbeiter arbeitet schon seit Jahrzehnten im größten Pforzheimer Kaufhaus. Eine Abweichung vom Tarifvertrag würde sie finanziell treffen.

Kaufhof-Arbeitsdirektor Peter Herlitzius betonte: „Wir sind uns bewusst, dass ein neuer Tarifvertrag für unsere Mitarbeiter Einschnitte bedeutet.“ Der Schritt sei jedoch unvermeidlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Details zu den angestrebten Einschnitten nannte das Unternehmen nicht. Zuvor hatte bereits die „Süddeutsche Zeitung“ über die Pläne des Warenhauskonzerns berichtet. Nach Informationen der Zeitung strebt der Kaufhof eine Kürzung der Löhne und Gehälter von drei bis fünf Prozent, die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre und eine Erhöhung der Arbeitszeit durch eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an.

Kaufhof-Chef Link begründete die Notwendigkeit der Einschnitte mit dem dramatischen Strukturwandel im Einzelhandel. Marktanteile wanderten ins Internet ab. Innenstädte würden weniger stark frequentiert und die Gewinnspannen gingen zurück. Daran müsse sich der Kaufhof wie der gesamte Markt anpassen. Er bekräftigte gleichzeitig jedoch die Entschlossenheit des Managements und des kanadischen Kaufhof-Eigentümers HBC, Kaufhof von einem traditionellen Warenhaus in einen modernen, auch im Internetzeitalter erfolgreichen Anbieter umzubauen.

„Unser Ziel ist es, das Unternehmen wieder nachhaltig profitabel zu machen und für die Zukunft eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur einschließlich der Löhne zu schaffen“, erläuterte Kaufhof-Chef Link. Mit dem Beschäftigungssicherungsvertrag wolle Kaufhof die notwendigen Einsparungen erzielen und die Entgeltstrukturen so anpassen, dass die Schere zwischen Lohn- und Umsatzentwicklung nicht weiter auseinander gehe.

Erste Hinweise auf mögliche Probleme bei dem Kölner Traditionsunternehmen hatte es bereits im Juli gegeben, als der Kreditversicherer Euler Hermes überraschend die Kreditlimits für Kaufhof-Lieferanten spürbar reduzierte. Die Warenhauskette kämpft mit Umsatzrückgängen. Für zusätzliche Unruhe sorgte im April der überraschende Abgang von Chef Olivier Van den Bossche.