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27.03.2017

Keine Fusion zwischen Volksbanken: Zwiespältige Reaktionen bei Vertretern und Branchenkennern

Die am Freitag bekanntgewordene Entscheidung der beiden Geldinstitute haben Vertreter der Pforzheimer Volksbank-Mitglieder mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

„Wenn die Sondierungsgespräche deshalb gescheitert sind, weil es von den Zahlen her keinen Sinn hat, ist das sicherlich positiv für die Mitarbeiter, für Pforzheim und für die Region“, erklärte ein Pforzheimer Vertreter gegenüber der PZ. Sollte sich aber herausstellen, dass es an einer Machtfrage gescheitert ist und daran, wer welchen Posten bekommt und wer was zu sagen hat, dann müsste man die Entscheidung sehr genau prüfen und abwarten, was noch herauskommt. Denn das wäre dann ein Rückschritt für das Pforzheimer Geldinstitut. Außerdem müsse sich die Volksbank die Frage stellen, ob sie tatsächlich als einzelnes Geldinstitut zukunftsfähig ist. Wichtig sei jedenfalls: Der Prozess, den die Pforzheimer Bank eingeleitet habe, um die Kosten zu senken und damit die Ertragsseite zu verbessern, müsse beibehalten werden. Im Hinblick auf alternative Fusionen, die eventuell auf regionaler Ebene möglich wären, sagte der Vertreter: „Wo wollen die Pforzheimer denn hin? Die größeren Volksbanken im Enzkreis machen doch schon ihr eigenes Ding.“ Derzeit führt die Volksbank Wilferdingen-Keltern mit der VR Bank im Enzkreis, der Volksbank Stein-Eisingen sowie der Raiffeisenbank Bauschlott Fusionsgespräche, an deren Ende die „VR Bank Enz plus“ stehen soll.

Ein weiterer Vertreter aus dem Enzkreis zeigte sich gestern überrascht über das Ende der Sondierungsgespräche zwischen Pforzheim und Karlsruhe. Für ihn sei

dies zwiespältig, weil die Fusion aus seiner Sicht eigentlich gut gewesen wäre. Nachdem aber die Volksbank Karlsruhe die Fusion mit der Spar- und Kreditbank besiegelt habe und damit gleich stark sei wie die Volksbank Pforzheim, wäre es bei Fusionsgesprächen zum Gerangel um Macht und Posten gekommen. „Das ist immer schlecht“, fügte der Vertreter hinzu.

Ein Branchenexperte wertete die Absage an die Fusion hingegen als positiv für den hiesigen Standort. „Eine Stadt wie Pforzheim braucht eine eigenständige Volksbank als Institution“. Das Geldinstitut halte er für absolut überlebensfähig, wenn es ihre Kostenseite in den Griff bekommt. Dass es stattdessen zu Fusionen auf regionaler Ebene kommt,

hält der Experte indes für unwahrscheinlich. Aus Pforzheimer Sicht wäre das sicherlich erstrebenswert, aber für die anderen möglichen Partner im Enzkreis nicht. „Dazu sind sowohl die Märkte als auch die Mentalitäten der Kunden und Führungskräfte in Pforzheim und dem Enzkreis zu unterschiedlich.“