nach oben
Künstliche Intelligenz ist keine Zauberei, sagt Sven Körner, Gründer des Unternehmens Thingsthinking. Foto: Lindt
Künstliche Intelligenz ist keine Zauberei, sagt Sven Körner, Gründer des Unternehmens Thingsthinking. Foto: Lindt
Im Atrium des Museums: Teilnehmer vernetzen sich zwischen den Vorträgen.
Im Atrium des Museums: Teilnehmer vernetzen sich zwischen den Vorträgen.
24.05.2019

Keine Magie, aber eine Hilfe - apollon organisiert den OMN Innovation Day

Karlsruhe. Künstliche Intelligenz (KI) ist keine Magie. Zumindest nicht für Sven Körner, Gründer des Unternehmens Thingsthinking aus Karlsruhe. Seine Mission: das Thema zu entzaubern. Wunderwaffe, Jobkiller oder Katalysator – es kursieren viele Mythen. Was aber der Impulsvortrag beim Online Media Net Innovation Day – organisiert von der Pforzheimer Firma apollon – am Donnerstag im ZKM bewirkt, ist genau das Gegenteil: Er bezaubert das Publikum.

Körner hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Computerwissenschaften studiert und in diesem Fachbereich auch promoviert. Zwei Pfeile sind an die Wand projiziert. Sind die Pfeile gleich lang, fragt Körner das Fachpublikum. Es muss eine optische Täuschung sein, murmeln die meisten Gäste, also ja. Falsch: Ein Pfeil ist tatsächlich länger. Das Publikum lacht. „Wir überschätzen die kurzfristigen Resultate und unterschätzen die langfristigen Folgen der KI, wenn sie richtig eingesetzt ist.“ Und: Die schwierigen Probleme sind einfach und die einfachen Probleme sind schwierig, lautet seine Faustformel. Ein Beispiel: Es ist schwerer, einer Maschine beizubringen, Kaffee zu machen und die Zeitung zu bringen, als dass eine Maschine 5000 Seiten eines Vertrags auf ein Muster scannt. Wie KI funktioniert, ist nach Körner recht einfach: Maschinen erkennen aus Unmengen von Daten Muster – schneller als der Mensch, aber nicht besser. Denn auch Maschinen machen Fehler, das „muss man akzeptieren“, sagt Körner.

Für den Mittelstand hat die Adaption neuer Technologien, die in immer schnelleren Schritten geschieht, Konsequenzen: Ein großer Anteil könnte den Anschluss verlieren, sagt Körner. Deshalb wünsche er sich mehr Pioniergeist. Angst vor den zwei großen Buchstaben sollte man nicht haben. „Die Maschinen können uns zuarbeiten.“

Software aus Pforzheim

Innovation ist ein wichtiges Thema für die „Software-Schmiede“ apollon aus Pforzheim, betont Geschäftsführer Norbert Weckerle. Zum siebten Mal findet die Veranstaltung statt, die sich zu einer Plattform für das sogenannte Omnichannel-Marketing entwickelt hat. „Wir präsentieren Innovationen aus unserem Haus, zeigen was mit unserer Software in Verbindung mit KI aktuell schon möglich ist, führen aber auch die Grenzen der KI vor, an die wir stoßen“, sagt Weckerle. Beispielsweise können mit Stammdaten und weiteren Informationen Produkttexte generiert werden. Der Vorteil: Die Texte können immer wieder neu variiert werden, gewissermaßen „auf Knopfdruck“, sagt Weckerle. Doch es gibt auch Schwierigkeiten: „Die größte Herausforderung in einem Projekt ist das Change Management. Am Ende des Tages hat man es mit Menschen zu tun, die Sorgen und Ängste haben.“

Von diesen Problemen, aber auch Chancen der Marketing-Automatisierung sprechen an diesem Tag zahlreiche Referenten, etwa der Zweirad-Händler Fahrrad-XXL.de oder der schwedische Möbelkonzern Ikea – denn auch sie nutzen die Digitalprodukte von apollon.

Niklas Schultes, PIM-Consult beim 1975 gegründeten Modehändler Orsay, berichtet was Digitalisierung kann: Ein Unternehmen retten. „Wir mussten transformieren, weil wir sonst aus Deutschland gegangen wären.“ Heute gehöre Deutschland neben Polen und Österreich wieder zu den wichtigsten Märkten für das französische Unternehmen. 2012 begann die E-Commerce-Reise, und später das Zauberwort: Personalisierung. Die höre beim Online-Handel nicht auf. Orsay setzt nämlich weiterhin auf stationären Handel und dort immer mehr auf Erlebnis beim Einkaufen, wie etwa im Flagship-Store in Düsseldorf, sagt Schultes.

Dank KI werden bei Orsay nicht nur Kaufempfehlungen auf Kunden zugeschnitten – auch das Lager werde durch selbstlernende Algorithmen gemanagt. „Früher wurde das umständlich mit Taschenrechner und Excel getan.“