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14.09.2016

Kluft auf dem Wohnungsmarkt wird immer größer

BERLIN/MÜNCHEN. Für Mieter und Wohnungskäufer zerfällt Deutschland immer mehr in zwei Welten. In Großstädten und Uni-Städten stiegen Preise und Mieten im ersten Halbjahr unvermindert weiter, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gestern in Berlin mitteilte

. Für Mieter und Wohnungskäufer zerfällt Deutschland immer mehr in zwei Welten. In Großstädten und Uni-Städten stiegen Preise und Mieten im ersten Halbjahr unvermindert weiter, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung gestern in Berlin mitteilte. In Kleinstädten abseits der Ballungsräume drohen dagegen bei andauernder Abwanderung Preisrückgänge.

Ursache ist der Drang in die Städte, wohin vor allem junge Leute für Studium, Ausbildung und Arbeit zögen. Dorthin ziehe es auch Zuwanderer aus der EU und aus Ländern jenseits der Gemeinschaft. Die Angebotsmieten in München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Ingolstadt stiegen im ersten Halbjahr nochmals um mehr als sechs Prozent.

Während in Wunsiedel im bayerischen Fichtelgebirge Wohnungen durchschnittlich für 4,24 Euro Kaltmiete je Quadratmeter angeboten werden, sind es in München 15,52 Euro. Noch größer sind die bundesweiten Unterschiede beim Bauland: Häuslebauer müssten in München mit bis zu 1200 Euro je Quadratmeter bis zu 100-mal so viel für einen Bauplatz bezahlen wie in Teilen Ostdeutschlands. In mittleren Lagen werden im Osten demnach teils nur zwölf Euro je Quadratmeter fällig, in München bis zu 1200 Euro. Im bundesweiten Durchschnitt gaben die Eigenheim-Bauherren 2014 rund 105 Euro für einen Quadratmeter Bauland aus und damit zehn Euro mehr als sechs Jahre zuvor, wie es im Bericht „Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ heißt. Im Schnitt bauen die Bundesbürger ihr Eigenheim auf 670 Quadratmetern. In Pforzheim werden durchschnittlich 360 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Allerdings beobachtet das Institut, dass bundesweit der Leerstand zunimmt – nach den aktuellsten Zahlen von 2014 ist jede 20. Wohnung unbewohnt.

Bundesweit seien 400 000 neue Wohnungen pro Jahr nötig, hieß es weiter, vor allem im günstigen Segment. „In den wachsenden Städten gehen Wohnungsengpässe zunehmend mit Verdrängung einher“, begründete Direktor Harald Herrmann. Der Neubau komme aber trotz steigender Genehmigungszahlen nicht schnell genug voran.