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Nach Preisabsprachen von Herstellern und Händlern zahlt der Kunde zuerst einen vorab festgelegten und wohl nicht unbedingt niedrigen Preis und danach zahlt er noch einmal die versteckten Millionenstrafen, die das Bundeskartellamt den Wirtschaftsgaunern auferlegt.
Nach Preisabsprachen von Herstellern und Händlern zahlt der Kunde zuerst einen vorab festgelegten und wohl nicht unbedingt niedrigen Preis und danach zahlt er noch einmal die versteckten Millionenstrafen, die das Bundeskartellamt den Wirtschaftsgaunern auferlegt. © Symbolbild: dpa
09.05.2016

Kommentar: Millionenstrafe nach Preisabsprachen - der Kunde zahlt zweimal

Es ist nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass das Bundeskartellamt wegen unerlaubter Preisabsprachen für Hersteller und Händler Strafen in zweistelliger Millionenhöhe verhängt. Da sind Schwindel erregende Summen zusammengekommen, die Otto Normalverbraucher nur noch staunen lassen. Aber eigentlich müsste jener Durchschnittskunde vor Wut durch die Decke schießen. Weil er nämlich teilweise über Jahre hinweg konsequent und ganz bewusst beschissen wurde.

Umfrage

Illegale Preisabsprachen von Herstellern und Händlern: Werden Lebensmittel-Kunden systematisch abgezockt?

Ja 94%
Nein 3%
Weiß nicht 3%
Stimmen gesamt 615

Die Namen der Übeltäter, die in den vergangenen Jahren Millionensummen als Strafe zahlen mussten, haben alle einen guten Klang. Das sind die großen nationalen Marken, die jeder aus der Fernsehwerbung oder vom Blick in den eigenen Kühlschrank her kennt, das sind auch kleinere Nischenkönige, fein und schick, die aber mit den Großen mithalten wollen. Und das sind auch Handelsketten, von denen man, weil seit Omas Zeiten her bekannt, Seriosität erwartet hatte oder bei denen man beim Schlendern an der Tiefstpreisen entlang das Gefühl hatte, fürs hart erarbeitete Kleingeld reichlich Gegenwert zu bekommen und obendrein noch ein paar Cent zu sparen.

Das mit dem Sparen hat sich ja nun als schlechter Scherz herausgestellt. Der Wettbewerb der Billigstpreise ist gar keiner. Preisabsprachen werden ja nicht getroffen, um Kunden den supergünstigsten Preis anbieten zu können, sondern um möglichst viel Profit für Produzenten und Verkäufer einzustecken, ohne dass es am Preis der Ware zu erkennen wäre. Am Ende ist so ein durch Absprachen gesicherter „dauerhafter Niedrigpreis“ eine Ohrfeige für den Käufer, der sich auf seine Lieblingsmarke und seinen bevorzugten Händler verlässt und am Ende zweimal für sein Produkt zahlen muss.

Einmal beim Einkauf und einmal nach der Zahlung der Preisabsprachen-Strafe. Denn wenn die ertappten Wirtschaftssünder die Millionen zahlen, holen sie das Geld mit Sicherheit auf anderem Wege wieder zurück. Und von wem? Natürlich vom zuvor betrogenen Kunden. Und natürlich auf unauffällige Weise. Und ganz gewiss nicht mit einem schlechten Gewissen. Denn: Egal, was auf dem Etikett steht, der Endverbraucher zahlt immer den Preis.