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Zielstrebig und bodenständig (von links): Andreas Kramski, Renate Kramski und Wiestaw Kramski sowie Tochter Sabine Torres-Kramski. Fotos: Löffler/PZ-Archiv/PRIVAT
Zielstrebig und bodenständig (von links): Andreas Kramski, Renate Kramski und Wiestaw Kramski sowie Tochter Sabine Torres-Kramski. Fotos: Löffler/PZ-Archiv/PRIVAT
Wiestaw Kramski mit seinen Puttern, die beim Golfen zum Einsatz kommen.
Wiestaw Kramski mit seinen Puttern, die beim Golfen zum Einsatz kommen.
Kunststoffumspritzte Präzisionsstanzteile aus dem Hause Kramski.
Kunststoffumspritzte Präzisionsstanzteile aus dem Hause Kramski.
Blick in die Produktion im Pforzheimer Stammhaus.
Blick in die Produktion im Pforzheimer Stammhaus.
12.10.2018

Kramski-Gala: 40 Jahre Deutschland, 25 Jahre Sri Lanka, zehn Jahre Indien

Pforzheim. Das weltweit agierende Pforzheimer Unternehmen Kramski GmbH hat einiges zu feiern. Der Spezialist für Stanz- und Spritzgieß-Technologie lädt unter dem Titel „Triple Anniversary“ (dreifaches Jubiläum) mehr als 1000 Gäste – Mitarbeiter und Kunden sowie Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik – am Freitag ins CongressCentrum Pforzheim (CCP) ein.

Anlass der Jubiläums-Gala: „40 Jahre Deutschland, 25 Jahre Sri Lanka und zehn Jahre Indien. Das sind insgesamt 75 Jahre voller Mut, Aufbruch und erfolgreicher Teamarbeit!“, heißt es im Einladungsschreiben.

Als weiterer Höhepunkt wird an diesem Tag der neue Betriebsmittelbau auf der Wilferdinger Höhe eingeweiht, nachdem ein Brand das bisherige Gebäude im September 2016 zerstört hatte. Das Gebäude ist zweigeschossig und hat eine Fläche von 3250 Quadratmetern.

Was produziert die Firma mit ihren insgesamt rund 900 Beschäftigten? Zum Beispiel Teile für die Distanzkontroll-Sensoren in Fahrzeugen. In der Medizintechnik sind Kramski-Teile in Blutzuckermessgeräten und Hörgeräten verbaut. Einer der dominanten Kunden ist die Firma Bosch mit ihren weltweiten Divisionen. „Unser Automotive-Anteil liegt bei über 50 Prozent“, sagt der Seniorchef, der das operative Geschäft in Deutschland inzwischen an seinen Sohn Andreas sowie an zwei weitere Geschäftsführer, Thomas P. Henle und Jürgen Ruhnau, übergeben hat. Tochter Sabine Torres-Kramski blieb auch während ihrer erfolgreichen Karriere im Tanzsport (fünf Deutsche Meistertitel sowie internationale Titel) dem Familienunternehmen verbunden und ist heute als Prokuristin in der Geschäftsleitung tätig.

Rückblick: Der 1947 im Pfälzischen Landstuhl geborene Werkzeugmacher-Meister Wiestaw Kramski legt am 16. Oktober 1978 gemeinsam mit einem Partner als Finanzier den Grundstein für das heutige Erfolgsunternehmen. Bereits vier Monate später belegt er den ersten Platz beim Gründerwettbewerb des Magazins „Capital“. Mit dem Preisgeld von damals 30.000 D-Mark kann Wiestaw Kramski seinen Geschäftsanteil von 50 Prozent finanzieren. Die Volksbank Pforzheim hat die Gründung mit einem Darlehen unterstützt. Begonnen hat die Firma in Pforzheim in der Hildebrandstraße. 3 im ersten Stock mit 280 Quadratmetern. Seine kaufmännisch versierte Ehefrau Renate hält dem technikbegeisterten Tüftler im Verwaltungsbereich den Rücken frei. 1984 erfolgt der Umzug in eigene Räume in Birkenfeld. Acht Jahre nach dem Gründungsdatum übernimmt Kramski die Anteile seines Partners und hält 100 Prozent am Unternehmen. 1990 wird die Werkzeug-Konstruktion auf die Wilferdinger Höhe nach Pforzheim verlegt. Dorthin folgt 1999 das komplette Unternehmen. Zuerst der Werkzeugbau mit Verwaltung und im selben Jahr die Stanzerei. In dem Zusammenhang erfolgt die Erweiterung der Produktionsfläche in Sri Lanka. Diesen Standort hat Kramski bereits 1993 gegründet.

Zur Firmengruppe gehören die Kramski GmbH mit 352 Mitarbeitern, Sri Lanka (374 Beschäftigte) weitere Tochterunternehmen in den USA (2002 gegründet, 44 Beschäftigte) und in Indien (seit 2008, 125 Beschäftigte). An den Auslandsstandorten sind Wiestaw Kramski und Andreas Kramski jeweils als Direktor verantwortlich. „Wir produzieren überall ähnliche Produkte“, sagt er. In Sri Lanka erfolge die Ausbildung von Facharbeitern im eigenen Haus nach deutschem Standard. Und in Indien seien die Menschen „unheimlich lernwillig“. So werden an den Wochenenden Lehrgänge besucht. Die USA als Produktionsstandort sei zwar profitabel sowie unkompliziert und unternehmensfreundlich, aber dennoch sehr „schwierig, weil es nur wenig gut ausgebildete Fachkräfte gibt“.

In Deutschland sorgt Kramski am 2013 errichteten Technologie- und Ausbildungszentrum auf der Wilferdinger Höhe, nahe dem Firmensitz in Pforzheim, für den Facharbeiternachwuchs. 30 Azubis sind alleine in Deutschland in der Ausbildung. Teil des Zentrums ist eine Lehrwerkstatt, die einen umfassenden Maschinenpark und zahlreiche Handarbeitsplätze bietet. Seit der Firmengründung haben den eigenen Angaben zufolge „über 95 Prozent der Azubis ein Übernahmeangebot erhalten“.

Zur damaligen Standortentscheidung 1993 für Sri Lanka sagt Kramski: „Hätten wir uns nicht dafür entschieden, dann hätten wir auch in Pforzheim nicht in diesem Maße wachsen können. Wir konnten die Preise senken und die Lieferzeiten halbieren.“ Sri Lanka habe zwar keinen eigenen Markt, aber über das dortige Freihandelsabkommen profitiere auch das Pforzheimer Unternehmen. Indien dagegen bezeichnete Kramski als „riesigen Markt“, den sein Unternehmen über die indische Tochterfirma bedienen könne. Dort wurde 2016 ein kleiner Werkzeugbau für die entsprechende Ausbildung von Mitarbeitern eingerichtet und es werden die entsprechenden Ersatzteile für Stanz- und Spritzwerkzeuge hergestellt. Eine große Herausforderung am indischen Standort sei indes „die Bürokratie, die ist unglaublich“, sagt Kramski. Dennoch: Die verschiedenen Ableger des Pforzheimer Unternehmens bieten innerhalb der Gruppe „die Möglichkeit, Projekte schnell und flexibel umzusetzen“.

Der begeisterte Golfspieler hat im Jahr 2000 mit dem „High Precision Putter HPP 330“ einen Golfschläger entwickelt, der speziell zum Einlochen kreiert wurde. 2004 erfolgte die Gründung der Kramski Putter GmbH. Inzwischen gibt es eine „Kramski Putting Academy“. Der Erfinder des speziellen Schlägers reist um den Globus und unterrichtet unter anderem namhafte Golfgrößen in der Putting-Disziplin. Auch dieses Unternehmen agiert als Tochter unter dem Dach der Holding.

Derzeit noch kein Mitglied der Gruppe ist die Skytron Communications GmbH & Co. KG mit Sitz in Karlsbad. Das Unternehmen gehört mehrheitlich der Kramski Familie (98 Prozent). Es bietet nach eigenen Angaben Internetdienste in Highspeed-Lösungen für Privat- und Geschäftskunden, sowohl über Funkstrecke als auch über Glasfaser. Die kostenlose Wlan-Nutzung in Pforzheim beispielsweise wird seit 2017 von Skytron betrieben. Skytron hat die Technik des flächendeckenden Funknetzes entwickelt. Pforzheim ist bundesweit die erste Stadt mit einer solchen Lösung.

Für seine Beschäftigten hat die Kramski GmbH ein spezielles Gesundheitsprogramm entwickelt. Über die richtige Ernährung, die Zufuhr von wichtigen Mineralien und Vitaminen und die Stärkung des Immunsystems referiert Wiestaw Kramski mit großer Überzeugung. Regelmäßig kommen eine Heilpraktikerin und ein Chiropraktiker ins Unternehmen. Für den Sportstudiobesuch der Mitarbeiter gibt es vom Unternehmen Zuschüsse. Das Ergebnis: Bei denen, die das Programm „Gesund Bleiben“ mitmachten, ging die Krankheitsquote um über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Für seine Lebensleistung erhielt der umtriebige Unternehmer und Seniorchef im Jahr 2015 den Pforzheimer Wirtschaftspreis.