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Herbert Oberle, Niederlassungsleiter Mittelstand Karlsruhe und Mitglied der Geschäftsleitung der Commerzbank AG, überreicht Volkswirt Marco Wagner (links) von der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt eine Ausgabe der PZ.  Warzecha
Herbert Oberle, Niederlassungsleiter Mittelstand Karlsruhe und Mitglied der Geschäftsleitung der Commerzbank AG, überreicht Volkswirt Marco Wagner (links) von der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt eine Ausgabe der PZ. Warzecha
26.11.2015

Kritik an Geldflut der EZB: Volkswirt Marco Wagner gibt Einschätzung der Lage

Märkte, deren Prognosen und der Blick auf die Möglichkeit zukünftiger Investitionen sind Dinge, die Unternehmer bewegen. Aus diesem Grund luden Herbert Oberle, Niederlassungsleiter Mittelstand Karlsruhe und Mitglied der Geschäftsleitung, und Marco Wagner, Volkswirt in der Abteilung Research der Commerzbank Frankfurt, ihre Mittelstandskunden zum volkswirtschaftlichen Dialog ins PZ-Forum.

Die Themen: Politik der EZB, die Rolle der Schwellenländer sowie die von Deutschland und den USA mit Blick auf Konjunktur, Zinsniveau und Wirtschaftswachstum. So werde der Eurokurs im Verhältnis zum Dollar weiterhin sinken, der Euroraum allgemein schwächer, was Wagner in seiner Präsentation mit einem am Tropf hängenden Papagei illustrierte. Harsche Kritik übte Wagner an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die dürfe nicht einfach nur übertriebene Liquidität in den Markt pumpen.

Was die EZB-Verantwortlichen denn stattdessen tun könnten, interessierte auch das Publikum ganz besonders in der anschließenden Diskussion. Wagner antwortete: „Die EZB hätte nichts machen sollen, um die Länder dazu zu bewegen, aus eigenem Antrieb heraus Reformen anzutreiben und in die Tat umzusetzen.“

Besonders risikoreich seien die Schwellenländer, die als rohstoffreiche Länder gleichzeitig an den niedrigen Rohstoffpreisen leiden und weiterhin schneller wachsen als der Euroraum.

Wagner rät den 30 Unternehmern aus Pforzheim, Böblingen und Vaihingen-Enz genau zu bewerten, wie risikoreich das jeweilige Exportland tatsächlich ist und den Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar zu beobachten. Zur Rolle der USA insgesamt kam Wagner trotz deren hohen Schuldenquote zu einem besseren Bewertungsergebnis und rechnet dort mit einem Wachstum von zweieinhalb Prozent.

„Ölpreis dürfte etwas anziehen“

Frankreich und Italien wiesen momentan ein zu hohes Lohnniveau auf und zögen so den gesamten Euroraum runter. Für China erwartet Wagner aufgrund von falschen Gegenwerten bei Banken und Immobilien insgesamt ein langsameres Wachstum.

Deutschland könne um bis zu 1,8 Prozent für 2015 an Wachstum gewinnen – 2016 werden es laut Wagner 1,5 Prozent – weil die Wettbewerbsposition Deutschlands gut sei, „die Energiekosten niedrig sind und die Löhne steigen“. Während das aber eher Sonderfaktoren seien, werde der momentan noch niedrige Erdölpreis, der das Wachstum im Jahr 2015 schon um 0,2 Prozentpunkte nach oben befördert hatte, laut Wagner „etwas anziehen“ und damit dämpfende Auswirkungen aufs allgemeine Wachstum zeigen. Zusätzliches Problem im Inland: Die Unternehmensinvestitionen nehmen gleichzeitig ab.

www.commerzbank.com