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Zusätzlich zum weltweiten Chipmangel befürchtet die Industrie nun auch noch Lieferengpässe bei Magnesium. Hier die Montage eines Audi Q4 e-tron.  Foto: Schmidt/dpa 

Kurzarbeit bei Mercedes-Benz - auch in der Region Nordschwarzwald Engpässe bei Zulieferern

Berlin/Kehl/Pforzheim. Die Versorgungsengpässe bei elektronischen Halbleitern und anderen wichtigen Bauteilen bremsen die Industrie weiter aus. Stark betroffen ist nach wie vor die Autobranche: Der Zulieferer Continental senkte wegen des Chipmangels und unsicherer Lieferketten am Freitag den Ausblick auf das Geschäftsjahr.

Conti-Chef Nikolai Setzer rechnet in diesem Jahr nur noch mit 32,5 bis 33,5 Milliarden Euro Umsatz, wie der Dax-Konzern in Hannover mitteilte. Bisher stand jeweils eine Milliarde Euro mehr im Plan. Und beim französischen Konzern Renault soll in diesem Jahr wegen der Chipkrise schätzungsweise eine halbe Million Fahrzeuge weniger als geplant vom Band rollen, wie der Konzern in Boulogne-Billancourt bei Paris mitteilte. Im Juli war das Unternehmen noch von rund 200.000 fehlenden Autos ausgegangen. Allein im dritten Quartal habe der Produktionsverlust des Autobauers rund 170.000 Wagen betragen, hieß es vom Unternehmen. An Aufträgen fehlt es dem Konzern nicht: Das Orderbuch sei Ende September so gefüllt gewesen wie seit 15 Jahren nicht.

Auch in der Region Nordschwarzwald sind die Auswirkungen des Materialmangels nach Angaben der IG Metall Pforzheim deutlich spürbar. Aufgrund der verringerten Produktion werden folglich geringere Mengen von den Zulieferern abgenommen, so bei Witzenmann, Harman Becker und Mahle. Bei anderen Zulieferern, die Material liefern, kommen Engpässe im Bereich der Materialversorgung hinzu, etwa bei G.RAU und Possehl Elektronic (Niefern) – hier zudem bedingt durch Hochwasserauswirkungen bei Vorlieferanten. Ebenso mangelnde Container-Kapazitäten führten in einigen Betrieben zu Engpässen in der Produktion. „Auch wenn es derzeit personalpolitisch noch nicht durchschlägt, bleibt Kurzarbeit das entscheidende Mittel zur Beschäftigungssicherung“, betont Liane Papaioannou, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim.

Nun trifft das Problem Mercedes-Benz: Wegen des Bauteilemangels soll es in der kommenden Woche im Rastatter Werk Kurzarbeit geben. Das teilte eine Sprecherin von Mercedes-Benz Cars & Vans am Freitag auf Anfrage in Stuttgart mit. Das Werk hat mehr als 6500 Beschäftigte und eine führende Rolle im Daimler-Produktionsverbund für Kompaktfahrzeuge. Die „Fahrweise“ der Fabrik werde nun angepasst, so die Sprecherin. Das werde „für die Beschäftigten größtenteils über Kurzarbeit ausgeglichen“. Die weltweiten Werke von Mercedes-Benz werden in der kommenden Woche hingegen „größtenteils uneingeschränkt“ laufen.

Schon im Sommer hatte es in Rastatt und an mehreren anderen Standorten Produktionseinschränkungen gegeben, ebenso wie bei anderen Autoherstellern. Die Versorgungsprobleme machen sich auch in den Verkaufszahlen von Mercedes-Benz bemerkbar: Von Juli bis September 2021 lieferte die Marke weltweit 428.361 Autos aus – mehr als 30 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.