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28.01.2009

Kurzarbeit und Personalabbau bei Härter in Königsbach-Stein

KÖNIGSBACH-STEIN. Die Krise ist im Enzkreis angekommen: Aufgrund massiver Auftragseinbrüche in der Auto-mobilindustrie muss die Unternehmensgruppe Härter in Stein Kurzarbeit anmelden und 80 Stellen abbauen.

Der Umsatzrückgang war bereits Anfang Dezember 2008 abzusehen (die PZ berichtete). Die Unternehmensgruppe Härter sei – wie auch andere Zulieferer der Automobilbranche – seit dem vierten Quartal 2008 von einem ungewöhnlich schnellen und signifikanten Einbruch der Kundennachfrage im zweistelligen Prozentbereich getroffen, teilte gestern Marketing-Leiter Alexander Kasper mit. Die Unternehmensgruppe habe auf diese veränderte Nachfragesituation zunächst mit dem Abbau von Resturlaub und Überstunden und verlängerten Betriebsferien reagiert.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der Zeitarbeitnehmer in den vergangenen Monaten vollständig abgebaut. Nach Informationen der PZ handelt es sich dabei um rund 200 „Leiharbeiter“. Weitere 50 Stellen seien vorwiegend durch Ausnutzung natürlicher Fluktuation und Aufhebungsverträge abgebaut worden. Außerdem wurde die Auszahlung des Weihnachtsgeldes bis ins zweite Quartal 2009 verschoben. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise habe die Unternehmensführung nun noch weit reichende Sparmaßnahmen beschlossen, erläuterte Kasper. Im Zuge dieser Maßnahmen werde am 1. Februar am Standort Königsbach-Stein Kurzarbeit eingeführt.

Die Firmengruppe beschäftigt am Stammsitz in Stein 1150 Mitarbeiter in den Firmen Härter Stanztechnik und Härter Werkzeugbau. Der angekündigte Personalabbau in einer Größenordnung von sieben Prozent entspricht rund 80 Mitarbeitern. Erst ab einer Größenordnung von zehn Prozent liegt eine bei der Agentur für Arbeit eine anmeldepflichtige Massenentlassung vor.

„Der langfristige Erfolg des Unternehmens und die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze stehen bei Härter nach wie vor an erster Stelle“, ergänzte Kasper. Als Technologieunternehmen sei man auch in Zukunft auf sehr gute Fachkräfte angewiesen, um den Kunden ein starker und verlässlicher Partner zu sein. „Richtig ist, dass der weltweite Abschwung auch die Firma Härter erreicht hat“, bestätigte Kasper. Auch die Umsatzentwicklung des Familienunternehmens sei davon massiv betroffen. Wichtige Kunden hätten in den vergangenen Wochen ihre Aufträge storniert und neue Projekte ins zweite Halbjahr verschoben.
Wolfgang Härter hatte das Werkzeugbau-Unternehmen vor 44 Jahren gegründet und zu einem bundesweit führenden Stanztechnik-Unternehmen mit globalen Aktivitäten ausgebaut. Diese Branche leide allerdings massiv unter der weltweiten Zurückhaltung. Nach einem Großbrand im Mai 2008 wurde das Unternehmen von der internationalen Konjunkturschwäche „kalt erwischt“. Jetzt hofft man auf eine nachhaltige Erholung der Konjunktur – bislang leider vergeblich.

Kritik von der IG Metall

Martin Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim, äußerte gestern neben seinem Bedauern über den Personalabbau auch seinen Respekt vor der unternehmerischen Aufbauleistung Wolfgang Härters. Er habe sich mehrfach vergeblich um ein Gespräch mit der Geschäftsleitung bemüht. „Ohne Betriebsrat gibt es auch keinen Sozialplan“, erläuterte Kunzmann. Er bedauerte, dass ein Bundesverdienstkreuz-Träger wie Wolfgang Härter „Menschen vor die Tür setzt“.

Mit einer konsequenten Ausnutzung der Kurzarbeit und einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft hätten die Entlassungen nach Auffassung von Kunzmann vermieden werden können. Dafür gebe es genügend Beispiele aus der regionalen Wirtschaft. Betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Kurzarbeit würden zudem staatlich gefördert. Dann stünden die Leute auch wieder dem Unternehmen zur Verfügung, wenn die Wirtschaft im zweiten Halbjahr hoffentlich wieder anzieht.