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Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter.  Murat
Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter. Murat
25.02.2016

LBBW-Chef sieht deutlich höhere Risiken

Stuttgart. Deutschlands größte Landesbank, die LBBW, hat sich im vergangenen Jahr relativ gut geschlagen. Doch der Aufwärtstrend beim Vorsteuerergebnis ist nach Einschätzung ihres Chefs erstmal vorbei. Wegen konjunktureller Unsicherheiten übt sich Hans-Jörg Vetter mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr in Skepsis. „Wenn man sich vorsichtig mit dem Thema [Konjunktur] auseinandersetzt, gehen wir von deutlich steigenden Risikokosten aus“, sagte er am Mittwoch in Stuttgart.

Zuletzt hatte die LBBW auch wegen der guten deutschen Wirtschaftslage ihre Risikovorsorge im Kreditgeschäft – also für Kreditausfälle – auf 55 Millionen Euro circa halbiert. 2016 solle dieser Wert, der den Konzerngewinn verringert, aber auf mindestens 180 Millionen Euro erhöht werden, so Vetter. „Das ist beträchtlich.“

Nachfolger wird Rainer Neske

Der LBBW-Chef verwies auf wirtschaftliche Probleme in Brasilien, im arabischen Raum, China und Russland. Aus diesen Märkten könnten Rückschläge auch Deutschland erreichen, so Vetter. „Dann ist es vielleicht etwas besser, wenn man [...] sich darauf vorbereitet, dass sich dort im Laufe des Jahres durchaus etwas deutlich ändern kann.“ Durch die wesentlich höheren Risikokosten in der Bilanz geht Vetter von einem leicht sinkenden Vorsteuerergebnis 2016 aus. Die LBBW hat ein relativ gutes Geschäftsjahr 2015 hinter sich, das Vorsteuerergebnis stieg um 54 Millionen Euro auf 531 Millionen Euro im Vergleich zu 2014. Grund hierfür war vor allem die bisher gute Wirtschaftslage in Deutschland. Die Verwurzelung in Baden-Württemberg als konjunkturell robuste Region sei ein Vorteil gewesen, sagte Vetter und schränkte ein: „Ganz so toll sind wir auch nicht, dass wir nur die Kunden haben, die keine Schwierigkeiten haben.“ Vergangene Woche war überraschend der Abgang von Vetter zum November 2016 bekanntgegeben worden, eigentlich lief sein Vertrag noch bis Mitte 2017. Der 63-Jährige begründete das mit Blick auf sein Alter. Sein Nachfolger wird der Ex-Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, Rainer Neske. Die LBBW war in der Finanzkrise schwer angeschlagen, ist aber seit vier Jahren in den schwarzen Zahlen.