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Beim Tourismus hat der Landkreis Calw wieder zugelegt, die Übernachtungszahlen gehen dynamisch nach oben. Links: Wanderung im Teinachtal; rechts: Fahrradtour am Kloster Hirsau.  Teinachtal-Tourismus/Stadtinfo Calw
Beim Tourismus hat der Landkreis Calw wieder zugelegt, die Übernachtungszahlen gehen dynamisch nach oben. Links: Wanderung im Teinachtal; rechts: Fahrradtour am Kloster Hirsau. Teinachtal-Tourismus/Stadtinfo Calw
03.02.2017

Landkreis Calw: Fast wie Phoenix aus der Asche

Um den Landkreis Calw sah es vor rund sechs Jahren nicht besonders gut aus: Nachlassende Dynamik, mit wichtigen Kennzahlen unter dem Landesdurchschnitt, starker Rückgang der Bevölkerungsentwicklung, Abwanderung der Jungen, drohende Verlagerung von Unternehmen – kurzum: im Vergleich zu benachbarten Regionen hatte der Landkreis an Boden verloren, attestierte 2012 eine Studie der Prognos AG.

Inzwischen hat das Gebiet in der Mitte der Nordschwarzwald-Landkarte – zwischen Enzkreis und Landkreis Freudenstadt gelegen – viele seiner Schwächen ausgemerzt. Der Vergleich des düsteren Ergebnisses aus dem Jahr 2012 mit der Fortschreibung vom Oktober 2016 scheint fast wie Phoenix aus der Asche. Grundlage für die Verbesserunsoffensive war die Prognos-Erhebung.

Freilich war nicht alles trübe. In dem selben Papier wurden auch zahlreiche positive Eigenschaften aufgezählt: Der Landkreis Calw besitzt eine ausgeprägte Mittelstandsstruktur mit verschiedenen Branchen. Die Industrieunternehmen sind innovativ. Wichtige Dienstleistungsbetriebe in den Bereichen Gesundheit und Tourismus sowie ein breit aufgestelltes Handwerk ergänzen die Wirtschaftsstruktur. Zudem verfügt der Landkreis über eine Vielzahl guter allgemeinbildender und beruflicher Schulen und besitzt ein breites Angebot an qualifizierten Fachkräften und Mitarbeitern mit spezifischen Fach- und Branchenkompetenzen.

Und heute? „Wir konnten die negative Bevölkerungsentwicklung drehen und die hohen Abwanderungsverluste von jungen Erwachsenen stoppen“, sagt Tobias Haußmann im PZ-Gespräch. Er betreut beim Landratsamt in Calw unter anderem die zentrale Steuerung und die Kreisentwicklung. Dank gestiegener Zuwanderung und Geburten wachse die Bevölkerung wieder. Und: Angesichts der Flächenknappheit in den naheliegenden Ballungszentren wie etwa Stuttgart und der entsprechenden Preisentwicklung dort stehe der Landkreis Calw als Wohnstandort „wieder verstärkt im Fokus“, listet Prognos einige der positiven Entwicklungen auf.

Ebenso erfreulich: der dynamische Beschäftigungsaufbau im Landkreis Calw mit einem Zuwachs von rund 1700 Arbeitsplätzen bis 2015 sowie hohes wirtschaftliches Wachstum (Zunahme des BIP Bruttoinlandsprodukts bis 2013 von 10,2 Prozent) und Rückgang der ohnehin schon geringen Arbeitslosigkeit. „Wir haben Vollbeschäftigung“, sagt Haußmann.

Der Aufholprozess beim Anteil hoch qualifizierter Beschäftigter habe zu einem Zuwachs in diesem Bereich geführt. Der Anteil an Beschäftigten im Forschungs- und Entwicklungs-Bereich (FuE) sei leicht überdurchschnittlich gestiegen. Auch die Intensität bei der Gründung neuer Unternehmen hat laut Prognos zugelegt.

Im Tourismus und bei Gästeübernachtungen wurde eine Trendwende vollzogen. Rückläufige Übernachtungszahlen sind gestoppt worden, mehr noch: „Sie nehmen äußerst dynamisch zu“, heißt es bei Prognos. Allerdings gebe es noch Nachhofbedarf beim Anteil ausländischer Übernachtungsgäste. Damit erreicht der Landkreis Calw im „Prognos Zukunftsatlas 2016“ nun Rang 124, was einer Verbesserung um 88 Ränge entspricht (siehe Grafik).

Für die nächsten Jahre lässt das Beratungsunternehmen dem Landkreis dennoch keine Pause. Einige Negativentwicklungen erforderten Handlungsbedarf. So sei der kommunale Verschuldungsgrad gestiegen. Der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen im Landkreis betrage 11,2 Prozent. Die Zahl der Auspendler in die Ballungszentren (Stuttgart, Böblingen) sei höher, als die der Einpendler.

Bei der Verkehrsinfrastruktur (insbesondere S-Bahn) sind Ausbau und Erweiterung notwendig. Und für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft müssten „in weiten Teilen des Landkreises“ die Lücken beim leistungsfähigen Breitbandanschluss geschlossen werden. „Wir sind auf einem guten Weg“, zeigt sich Tobias Haußmann optimistisch, dass auch hier die Wende ins Positive vollzogen wird.