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Ein Gigaliner fährt von der Autobahn. Diese können bis zu 25,25 Meter lang sein; das sind 6,5 Meter mehr als die bisher erlaubte Lastwagen-Länge. Foto: dpa
Ein Gigaliner fährt von der Autobahn. Diese können bis zu 25,25 Meter lang sein; das sind 6,5 Meter mehr als die bisher erlaubte Lastwagen-Länge. Foto: dpa
03.01.2017

Lang-Lkw sorgen für Zwist im Kabinett

Berlin/Enzkreis. Seit Jahresbeginn dürfen überlange Lastwagen regulär auf bestimmten Straßen unterwegs sein. In der Region allerdings dürfte es an einigen Stellen für die Gigaliner reichlich eng werden.

Die Fahrt überlanger Lastwagen auf einem Straßennetz von bis zu 11.600 Kilometern in Deutschland sorgt für Streit in der Bundesregierung. Das Umweltministerium von Barbara Hendricks (SPD) wandte sich scharf gegen einen „Alleingang“ von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Dessen Sprecherin wies die Vorwürfe mangelnder Information durch ihr Haus zurück.

Dobrindts Entscheidung, Gigaliner in den Regelbetrieb rollen zu lassen, sei innerhalb der Regierung nicht abgestimmt und eine schwerwiegende umwelt- und verkehrspolitische Fehlentscheidung, teilte der Staatssekretär im Umweltministerium (BMUB), Jochen Flasbarth, in Berlin mit. „Die Auswirkungen des Lang-Lkw, seine Umweltbelastungen wie auch die Auswirkungen auf den Schienenverkehr sind noch nicht ausreichend untersucht.“ Dobrindts Sprecherin entgegnete: „Es handelt sich um eine Ministerverordnung des Bundesverkehrsministeriums, und das BMUB wurde in die Entscheidung mit einbezogen. Zudem seien die Auswirkungen „in einem großen Feldversuch über fünf Jahre hin untersucht“, wissenschaftlich dokumentiert und veröffentlicht worden.

Kritik und Lob im Enzkreis

Der Verkehrsdezernent im Enzkreis, Wolfgang Herz, befürchtet wie einige Bürgermeister in der Region zusätzliche Verkehrsbehinderungen, wenn die Gigaliner staubedingt die Autobahn verlassen müssen. Angesichts der rund 50 Kreisverkehre im Enzkreis sorgte sich Herz schon während der abgelaufenen Testphase, ob die Riesen-Lkw überhaupt durchkommen. Auch in manchen Ortsdurchfahrten werde es eng. Positiv sieht man die Regelung dagegen bei der Spedition Benzinger in Friolzheim. Sobald behördlich genehmigte Strecken vorliegen, werde man ein oder zwei Gigaliner anschaffen. Schließlich könne man Fahrten und damit Sprit einsparen. Minister Dobrindt hatte Mitte Dezember ein positives Fazit der Testphase gezogen. In einem Bericht kommt die Bundesanstalt für Straßenwesen zu dem Schluss, dass zwei Fahrten mit Lang-Lkw drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen ersetzen können. Damit werde bis zu einem Viertel Kraftstoff und damit auch CO2 gespart.

Die Allianz pro Schiene unterstützte dagegen das Umweltministerium: „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Alleingang angeordnete Regelzulassung“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege. Gigaliner seien gefährlich für Autofahrer, teuer für Steuerzahler und umweltschädlich.

In Deutschland dürfen überlange Lastwagen seit Jahresbeginn regulär auf bestimmten Straßen fahren. Die sogenannten Gigaliner können bis zu 25,25 Meter lang sein, das sind 6,5 Meter mehr als die bisher erlaubte Lkw-Länge. Sie dürfen – wie herkömmliche Lkw auch – bis zu 44 Tonnen schwer sein. Für drei von fünf Gigaliner-Typen sind die Befristungen aufgehoben. Strittig ist Typ 1, der sogenannte Sattelauflieger mit einer Länge von bis zu 17,8 Metern.