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20.04.2017

Leiharbeiter darf wieder bei Daimler arbeiten

Stuttgart. Sein Fall stand stellvertretend für die Arbeitsbedingungen für viele Leiharbeiter bei Daimler. Der in der Daimler-Logistik eingesetzte Leiharbeiter Martin M. verdient so wenig, dass er mit Hartz IV aufstocken muss. Er könne sich trotz harter Arbeit kaum etwas leisten, beklagte er sich im Film des Südwestrundfunks. Und das in einem Jahr, wo der Autobauer einen Rekordgewinn erzielte. Nachdem die TV-Dokumentation ausgestrahlt wurde, überschlugen sich die Ereignisse.

Am Donnerstagabend vor Ostern wurde bekannt, dass der Leiharbeiter seine Nachtschicht nicht mehr antreten dürfe. Ihm sei von der Verleihfirma mitgeteilt worden, dass Daimler seinen Einsatz nicht mehr wünsche. Der schwäbische Autobauer wies den Vorwurf in aller Deutlichkeit zurück und erklärte, dass der Leiharbeiter weiter willkommen sei. Auf den Social-Media-Kanälen des SWR brach ein Sturm der Entrüstung los, wie mit Martin M. umgesprungen werde. Viele sahen Daimler in der Verpflichtung dafür zu sorgen, dass Leiharbeiter besser behandelt werden. Auch aus der Politik kam Kritik. Die baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier forderte, dass Daimler den Leiharbeiter einstellt.

Am Dienstagvormittag wollte Martin M. wie vereinbart seine Arbeitsbekleidung zurückgeben und wurde dabei von einem SWR-Kamerateam und einem Daimler-Betriebsrat begleitet. Das Verleihunternehmen teilte ihm jedoch mit, dass er ab kommender Woche wieder bei Daimler eingesetzt werde und seine Arbeitskleidung deshalb behalten könne. Darüber hinaus würden ihm die ausgefallenen Arbeitstage bezahlt.

In der Metall- und Elektroindustrie können Zeitarbeiter nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ bis zu vier Jahre beschäftigt werden. Darauf hätten sich die Tarifpartner geeinigt. Die gesetzliche Höchstdauer liegt bei 18 Monaten.

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