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Hochzufrieden: Praxair-Chef Steve Angel, Linde-Chef Aldo Belloni und Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle (von links). Foto: Hoppe
Hochzufrieden: Praxair-Chef Steve Angel, Linde-Chef Aldo Belloni und Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle (von links). Foto: Hoppe
02.06.2017

Linde und Praxair feiern ihre Fusion

München. Die beiden Gasekonzerne Linde und Praxair haben Befürchtungen vor einem massiven Stellenabbau durch den Zusammenschluss Unternehmen entschieden zurückgewiesen. Praxair-Chef Steve Angel, der den neuen Konzern führen soll, sagte gestern in München: „Der Anlagenbau wird viel mehr Arbeit bekommen.“ Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sagte: „Durch diesen Merger (Zusammenschluss) werden weniger Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut.“

Statt geplanter 2000 Stellen streiche Linde nur noch 950 Stellen, gebe eine Beschäftigungsgarantie bis 2021 und erhalte den Standort Dresden. Angel sagte, bisher habe Praxair seine Anlagen von Ingenieurfirmen in den USA bauen lassen – jetzt werde der Linde-Anlagenbau mit seinen bisher 7000 Beschäftigten neuer Hauptlieferant.

Der Linde-Aufsichtsrat hatte die Fusion am Donnerstagabend besiegelt. Die meisten Arbeitnehmervertreter hatten dagegen gestimmt. Mit 27 Milliarden Euro Umsatz, 66 Milliarden Euro Börsenwert und 80 000 Mitarbeitern würde der neue Gasekonzern den französischen Konkurrenten Air Liquide als Weltmarktführer ablösen. Linde und Praxair erwarten durch die Fusion Synergien von 1,1 Milliarden Euro jährlich. Die Genehmigung der Kartellbehörden steht noch aus.

Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler befürchtet den Wegfall von bis zu 10 000 Stellen. „Wir werden gemeinsam mit der Belegschaft um den Erhalt der Linde-Kultur kämpfen und uns nicht von der zu erwartenden Rotstiftmentalität aus den USA einschüchtern lassen“, sagte der Gewerkschafter gestern in München. Linde beschäftigt in Deutschland 8000 Mitarbeiter, davon fast die Hälfte im Anlagenbau. Reitzle sagte, die Mitbestimmung werde durch die Ansiedlung der Konzernholding in Irland verloren gehen: „Ja, das ist so.“ Aber Wechsler habe sich verrannt, Befürchtungen vor einem massiven Stellenabbau seien „komplett absurd“.

Angel soll den Konzern vom bisherigen Praxair-Standort Danbury in den USA aus führen. „Wir werden effizienter und produktiver werden“, sagte er. Mit Praxairs zupackendem Management, einer starken Position in der US-Ölindustrie und Lindes Ingenieuren und Marktstärke in Europa und Asien sei der Konzern zukunftsfest aufgestellt. Der Abbau von Überschneidungen spare Kosten, durch die Größe könne der neue Konzern günstiger einkaufen.