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Sie fliegen wieder: Bis 2022 soll der Betriebsfrieden bei Lufthansa gelten. Die Piloten können sich auf höhere Gehälter freuen. Foto: dpa
Sie fliegen wieder: Bis 2022 soll der Betriebsfrieden bei Lufthansa gelten. Die Piloten können sich auf höhere Gehälter freuen. Foto: dpa
16.03.2017

Lufthansa hat Streit mit Piloten beigelegt

Lufthansa ohne Streiks – das war für viele Fluggäste kaum noch vorstellbar. Doch nun ist der Durchbruch im Streit mit den Piloten gelungen.

Nach mehr als vier Jahren Verhandlungen, 14 Streikwellen seit 2014 und einem wirtschaftlichen Schaden von mehr als einer halben Milliarde Euro hat die Lufthansa endlich den Dauertarifkonflikt mit den Piloten beigelegt. Bis Mitte 2022 müssen die geplagten Passagiere nun keine Furcht mehr vor Pilotenstreiks haben. Mit der Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) wurden in der Nacht auf gestern die Eckpunkte zu einer Lösung sämtlicher offener Tarifprobleme verabredet, die nun bis Mitte des Jahres in Verträge gegossen werden sollen.

Trotz dieses Vorbehalts sind beide Seiten sicher, den Knoten gelöst zu haben. „Damit beenden wir nicht nur den längsten Tarifkonflikt unserer Unternehmensgeschichte, sondern wir schaffen nachhaltigen Tariffrieden bis 2022 und zugleich die Grundlage für eine neue Sozialpartnerschaft mit der Vereinigung Cockpit“, jubelt Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens. VC-Vorstand Jörg Handwerg sieht immerhin „eine große Chance zur Befriedung des seit Jahren andauernden Tarifkonflikts“.

Lufthansa setzt viel durch

Inhaltlich hat die Lufthansa in dem Kompromiss viele ihrer Ziele durchgesetzt, etwa die Umstellung der Betriebsrenten auf Festbeträge und eine Regelung, dass die Kapitäne im Schnitt erst mit 60 statt wie bislang mit 58 Jahren in den Vorruhestand gehen können. Diese Punkte allein bringen dem Konzern nach eigenen Angaben im laufenden Geschäftsjahr einen positiven Sondereffekt im hohen dreistelligen Millionenbereich, weil Pensionsrückstellungen aufgelöst werden können. Wegen der Niedrigzinsen musste Lufthansa lange mehr für die Ruhegelder beiseitelegen, um die Zusagen zu erfüllen. Nun trägt das Zinsrisiko bei den Betriebsrenten künftig nicht mehr das Unternehmen, sondern der einzelne Pilot – wie übrigens das Bodenpersonal und die Flugbegleiter auch.

Lufthansa hat sich den Frieden im Cockpit mit Beschäftigungsperspektiven und weiteren Erhöhungen der ohnehin üppigen Pilotengehälter erkauft. Mindestens 325 Flugzeuge dürfen bis 2022 ausschließlich von Piloten geflogen werden, die nach den Regeln des neuen Konzerntarifvertrags (KTV) bezahlt werden. Das entspricht grob der jetzigen Größe der Lufthansa-Classic. Zusätzlich kommen auch zehn Langstrecken-Maschinen aus dem sogenannten Jump-Projekt zurück, die bislang von billigeren Piloten der Lufthansa-Tochter Cityline geflogen wurden.

Damit fällt auch der von Vorstandschef Carsten Spohr verhängte Einstellungsstopp in den KTV: 600 Stellen für Kapitänsanwärter werden bis 2022 geschaffen und rund 700 Nachwuchspiloten eingestellt, die fertig ausgebildet schon seit Jahren auf ihren Job warten. Man wolle sich noch nicht zu früh freuen, heißt es allerdings bei deren Interessenvertretung NFF-Rat. Von einer Neben-Lufthansa für 40 Langstrecken-Jets, mit der der Vorstand in den vergangenen Wochen immer mal wieder gedroht hatte, ist keine Rede mehr.

Piloten eckten intern an

„Wir feiern den Abschluss hier“, sagt einer aus der Verwaltung. Die Dauerstreiks haben das Unternehmen fast zerrissen, denn längst nicht alle waren einverstanden mit dem harten Kurs der Piloten. Neben heftigen Diskussionen in Mitarbeiterforen kam es im härtesten Tarifkonflikt in der Geschichte des Unternehmens gar zu einer von Teilen des Bodenpersonals getragenen Demonstration gegen die Piloten.

Beim Gehalt haben die bereits gut bezahlten Piloten vergleichsweise geringe Zuwächse akzeptiert, wenn man die verabredete Gesamtsteigerung von 11,4 Prozent auf den gesamten Zeitraum von Mai 2012 bis Juni 2022 umrechnet. Versüßt wird ihnen der Abschluss mit einer Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern, was im Schnitt rund 27 000 Euro brutto bedeutet.

Noch das Schlichtungsergebnis vom Februar mit 8,7 Prozent Gehaltsplus bei einer kürzeren Laufzeit und einer geringeren Einmalzahlung hatte der Konzern nur mit Leichenbitter-Miene akzeptiert und einem Ausgleich für die Mehrbelastungen von 85 Millionen Euro pro Jahr verlangt. Davon ist jetzt keine Rede mehr, schließlich habe man die Kompensationen im Gesamtpaket erhalten, heißt es. Wie teuer der neue, weit umfassendere Kompromiss wird, darüber schweigen sich die Tarifexperten des Dax-Konzerns aber aus.

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