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Stefan Löbich, Geschäftsführer des Modelleisenbahnherstellers Märklin GmbH, schaffte mit dem Unternehmen den Sprung aus der Insolvenz. Nun will die Firma nach dem deutschen auch die Auslandsmärkte wieder für die Modelleisenbahntradition begeistern.
Stefan Löbich, Geschäftsführer des Modelleisenbahnherstellers Märklin GmbH, schaffte mit dem Unternehmen den Sprung aus der Insolvenz. Nun will die Firma nach dem deutschen auch die Auslandsmärkte wieder für die Modelleisenbahntradition begeistern. © dpa
19.12.2011

Märklin nach der Insolvenz: Weichen sind jetzt richtig gestellt

Göppingen. Der Batterie-ICE rauscht durch hypermoderne Bahnhöfe. Im Märklin-Werbevideo gibt es selbstredend weder Zugverspätungen noch Bahnhofsgegner. Doch zumindest die traditionsreichen Modelleisenbahnen aus Göppingen sind auch in der Realität wieder auf der richtigen Spur. Und gerade der ICE mit Batterie könnte dazu beitragen, dass das Jahr eins nach der Fast-Pleite eine neue Zeitrechnung bei Märklin einläutet. Das nächste Ziel: Raus aus dem Hobbykeller - und rein ins Kinderzimmer.

«My World» nennt sich die Serie der Batterie-Bahnen im klassischen H0-Maßstab 1:87. Die sehen zwar nicht haargenau wie die Originalzüge der Deutschen Bahn aus. Aber sie sind eben auch günstiger und vor allem robuster. «Märklin schafft das nicht in einem Jahr, das wäre ja vermessen. Aber wir haben doch die Tür jetzt schon einen Spalt weit aufgemacht», sagt Geschäftsführer Stefan Löbich. 23 000 Stück hat Märklin von der neuen Serie bis jetzt abgesetzt, doch mit einer konkreten Prognose fürs Gesamtjahr hält er sich zurück.

«Zufrieden kann man nie sein, aber ich denke, dass wir auch 2011 wieder ein sehr ordentliches Ergebnis abliefern werden - auch wenn der Endspurt jetzt noch vor uns liegt», sagt der Geschäftsführer. Der letzte Monat des Jahres hat enormen Einfluss auf Märklin: «Das Weihnachtsgeschäft macht knapp 20 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus.» 2010 hatte Märklin 105,7 Millionen Euro erlöst. Zielmarke ist es, diesen Wert zu halten, ebenso das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 10,1 Millionen Euro.

Aus Sicht von Modelleisenbahnexperten ist die Weichenstellung vielversprechend. «Den Sammlern sind die sehr fein beschrifteten und dem Original nachempfundenen Modelleisenbahnen lieb und teuer», sagt Jürgen Jagoschinski vom Deutschen Verband der Spielwaren Industrie (DVSI), «aber die Großmutter will vielleicht nicht so viel Geld für ihren Enkel ausgeben.» Zudem werde das Interesse von späteren Enthusiasten häufig in Kindertagen geweckt.

Löbich will auch wieder auf vernachlässigte Märkte vorstoßen. «Wir werden uns Richtung Skandinavien orientieren. In den USA ist Märklin Inc. etabliert - das wollen wir reaktivieren», sagt er. Dabei setzt er auch auf die Tochtermarken Trix und LGB, die wieder eigenständige Geschäftseinheiten werden sollen. Gerade letztere war früher in den Vereinigten Staaten präsent. Auch Asien hält Löbich längerfristig für attraktiv. «Es sieht ganz danach aus, dass die Eisenbahn im Realleben mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.»

Löbich sieht den Fernen Osten nicht als Produktionsstandort. Selbst Märklins ungarische Produktion will er im Gleichgewicht mit Deutschland halten: «Ungarn kann ohne Göppingen nicht sein und auch umgekehrt», sagt er. Die beiden größten Märklin-Standorte mit 600 und 470 Beschäftigten blieben die wichtigsten. «In Göppingen haben wir aber auch eine Verpflichtung, hier haben wir auch in neue Produktionstechnologie investiert», erklärt Löbich.

70 Prozent des Absatzes werde in Deutschland erzielt - da sei Märklin gut beraten, sich als einheimisches Unternehmen darzustehen. Rund 250 000 bis 500 000 Hobby-Modellbauer gebe es hierzulande, berichtet Jagoschinski. Sie sind eine nicht zu vernachlässigende Größe. «Die sind eine relativ stabile Gruppe, da sind zwar keine großen Steigerungsraten zu erwarten. Aber wenn sie richtig gepflegt werden, geht es eben in einer Wirtschaftskrise auch nicht so steil nach unten», sagt Jagoschinski.

Die Spielwarenindustrie geht 2011 von einem Jahresumsatz der Branche von etwa 2,6 Milliarden Euro aus. Da will auch Märklin seinen Teil vom Kuchen haben. Doch die Modelleisenbahngeschäfte bleiben schwierig - was sich dadurch zeigt, dass die Wettbewerbermarken Roco und Fleischmann zuletzt ebenfalls mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten. Trotz früherer Ankündigungen soll Märklin erst einmal eigenständig bleiben. «Dieses Jahr werden wir wieder ein gutes EBIT erreichen, wir finanzieren uns aus dem Cash-Flow und brauchen aus meiner Sicht so bald keinen Investor», sagt Löbich. dpa