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14.05.2009

Manufaktur Schofer meldet Insolvenz an - 88 Jobs bedroht

PFORZHEIM. Massive Umsatzeinbrüche durch den radikalen Rückgang des Exportgeschäfts bei der Pforzheimer Schmuckketten-Manufaktur Eugen Schofer. Am Donnerstag hat die Geschäftsleitung deshalb Insolvenzantrag gestellt.

„Vor wenigen Monaten, fast Wochen, wurde diese Entwicklung für fast undenkbar gehalten. So muss es sein wenn ein Tornado über einen fegt“, sagte Axel Kohlhammer, Seniorchef des renommierten Familienunternehmens mit Sitz auf der Wilferdinger Höhe. Bedeutende Kunden haben demnach ihr Auftragsvolumen um bis zu 80 Prozent reduziert und das Stornieren von Aufträgen war plötzlich an der Tagesordnung, schilderte Kohlhammer die Lage gestern im PZ-Gespräch.
Kurz zuvor hatten er und sein Sohn Mathias Kohlhammer den 88 Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung die Hiobsbotschaft übermittelt: Die Umsätze sind so stark eingebrochen, dass die Geschäftsleitung keinen anderen Weg als den Gang zum Insolvenzgericht sah. Im PZ-Gespräch äußerte sich Kohlhammer dennoch positiv: „Wir sind zuversichtlich, dass es weitergehen wird“, erklärte er. „Die Marke Schofer soll am Weltmarkt präsent bleiben.“

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Wolfgang Bilgery von der Stuttgarter Kanzlei Grub, Brugger & Partner benannt. Er gilt als ausgewiesener Branchenexperte mit einem eng geflochtenen Netzwerk zu potentiellen Geldgebern. In Bilgery setzt die Unternehmerfamilie Kohlhammer ihre Hoffnung, dass eventuell ein potenter Investor gefunden werden kann, der dem bisherigen Vorzeigeunternehmen aus dem finanziellen Engpass hilft.

Immerhin sei das Unternehmen bereits „fit für einen Interessenten“. Im Herbst 2008, nach der Pleite der Lehman-Brothers-Bank, seien die ersten massiven Rückgänge zu spüren gewesen. Zudem habe die Goldpreiserhöhung die Nachfrage nach Goldketten verringert. Bereits in dieser Situation reagierte die Geschäftsleitung nach eigenen Angaben und konsultierte unter anderem auch die renommierte Stuttgarter Unternehmensberatung REM AG. Zusätzlich zu den eigenen Aktivitäten seien danach weitere „intensive Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich eingeleitet worden“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung von Schofer. Noch im Jahr 2006 vermeldete das Traditionsunternehmen sein bestes Geschäftsjahr. Es gab „mit über 140 Mitarbeitern den höchsten Umsatz und den besten Ertrag in der über 100-jährigen Firmengeschichte“, machte Mathias Kohlhammer deutlich. Mit ihm ist seit 1997 die vierte Generation in der Geschäftsführung. Für 2006 wurde noch ein Umsatz von rund 26 Millionen Euro angegeben. Im selben Jahr übernahm das erfolgsgewohnte Unternehmen die Kettenmanufaktur Herbstrith.

Schwerpunkt von Schofer ist das Auslandsgeschäft mit einem Anteil von 85 Prozent. „Das war immer unsere Stärke und hat uns gut durch schlechte Zeiten gebracht“, sagte Axel Kohlhammer gegenüber der PZ. Aktivitäten in aller Welt – wie etwa USA, Japan, Dubai, Osteuropa oder Saudi Arabien – waren demnach immer Garanten, sich auf die florierende Märkte konzentrieren zu können, wenn es auf anderen Märkten schlechter lief.

Doch dann kam die globale Finanzkrise, von der alle betroffen sind. „Mit dem Beginn der Bankenkrise in den USA brachen in atemberaubender Geschwindigkeit die Exportmärkte für Schofer regelrecht zusammen“, heißt es. Auf der Schmuck- und Uhrenmesse Baselworld – sie sei überraschend gut verlaufen – präsentierten sich die beiden Firmen Schofer und Herbstrith erstmals mit einem gemeinsamen Auftritt. „Leider kam es aber gleich nach der Messe im Frühjahr 2009 zu weiteren massiven Auftragsrückgängen und Stornierungen, auch aus den Märkten Asiens und des Mittleren Ostens“, schilderten die Geschäftsführer und erklärten: „Diese Rückschläge sowie die bereits angefallenen Verluste, verbunden mit weiteren negativen Prognosen wichtiger Kunden, hat die Geschäftsleitung gezwungen, Insolvenz anzumelden.“
Bei den Beschäftigten bedankte sich die Firmenleitung am Donnerstag  „für den extrem loyalen und engagierten Einsatz“. Lobend erwähnte sie auch Lieferanten, Scheideanstalten und Banken, „die im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu jeder Zeit fair und partnerschaftlich“ mit Schofer zusammengearbeitet hätten.