nach oben
Rico Rauschmayer produziert Schmuck in China.
Rico Rauschmayer produziert Schmuck in China.
19.02.2016

Marktforscherin und Schmuckunternehmer bestätigen übereinstimmend Trend zu Nischenprodukten made in Germany

„Die fetten Jahre sind vorbei“, sagen viele Experten über die Wirtschaft in China. Ganz anders sieht das die Shanghaier Marktforschungs-Firma „Fortune Character“: Vergangenes Jahr hätten Chinesen umgerechnet rund 100 Milliarden Euro für Luxusprodukte ausgegeben: Teure Autos, Uhren, Handtaschen oder auch Küchengeräte und Audio-Equipment.

Fast die Hälfte des Geldes, das weltweit für Luxus-Produkte ausgegeben wird, kommt von Chinesen, sagen die Marktforscher. Und die Nachfrage sei ungebrochen. „Vier Fünftel davon übrigens wird auf Auslandsreisen ausgegeben.“

Und das Interesse an europäischen Markenprodukten sei weiterhin groß. Doch Marktforscherin Zhou Ting stellt eine Änderung im Kaufverhalten fest: „Es geht Chinas Verbrauchern nicht mehr unbedingt nur um die großen, bekannten Luxusmarken. Es geht ihnen zunehmend um das, wofür eine Marke steht, um das Individuelle dahinter. Es geht ihnen darum, sich über das Produkt von anderen zu unterscheiden.“ Darin liege auch die Chance für deutsche Schmuckhersteller, sagt Rico Rauschmayer, Sohn des Pforzheimer Trauringfabrikanten und selbst erfolgreicher Unternehmer in China.

Von einer Krise in China will Rauschmayer nichts wissen. „Es ist ein großes Land, mit starken und schwachen Regionen.“ Klar habe sich das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr abgeschwächt. „Statt 600 Schmuckfirmen gibt es an unserem Industriestandort aktuell nur noch 500 Unternehmen. Das ist in China aber normal.“ Viele Privatleute hätten an der Börse Geld verloren, was die Kaufkraft schwäche. „Wir sehen das auch an den längeren Zahlungsfristen, die von Kunden in Anspruch genommen werden.“

Nach wie vor gilt im Reich der Mitte: Wer Geld hat, der zeigt das auch. Inzwischen wollen Chinas Besserverdienende aber nicht einfach nur als reich wahrgenommen werden, sie wollen einen eigenen Stil entwickeln, so Zhou Ting. Schlecht für die großen, weltweit bekannten Luxus-Marken, gut für kleine Nischenprodukte. Auch aus Deutschland. „Wir sehen deutlich, dass deutsche Luxus-Uhren und Schmuck aus Deutschland gefragt sind. Die Stückzahlen sind sehr gering, eine echte Nische, aber eben Spitzenprodukte.“

Zudem gibt auch nich viele Superreiche. So ist die Zahl der Dollar-Milliardäre um 70 Prozent auf knapp 600 gestiegen – das sind mehr als in den USA. „Chinesen, die es sich leisten können, geben ihr Geld weiterhin auf Reisen nach Europa aus,“ erläutert Rauschmayer.

Einkauf im Fachgeschäft

Beim Online-Einkauf bevorzugen chinesische Konsumenten preisgünstige Produkte bis 100 Euro. „Hochwertige Uhren und Schmuck kaufen Chinesen aber lieber im Fachgeschäft“, ergänzt Rauschmayer. „Das ist eben auch Vertrauenssache.“ Und damit eine Chance für deutsche Produkte.