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Beherzter Redner bei Arbeitskämpfen, aber immer auch ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen: Martin Kunzmann.
Beherzter Redner bei Arbeitskämpfen, aber immer auch ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen: Martin Kunzmann.
Liane Papaioannou
Liane Papaioannou
02.12.2016

Martin Kunzmann führt den Gewerkschaftsbund

Der Abschied von der Goldstadt fällt ihm schwer. Eigentlich wollte der IG-Metall-Chef bis zu seinem geplanten Ruhestand in drei Jahren in Pforzheim bleiben – jetzt kommt alles anders: Der Bezirksvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat Martin Kunzmann (60) am Donnerstagabend einstimmig als Kandidaten für die Wahl zum neuen DGB-Landesvorsitzenden nominiert. Der gebürtige Pforzheimer stellt sich am 28. Januar 2017 bei einer außerordentlichen Bezirkskonferenz in Stuttgart den 100 Delegierten zur Wahl.

Da der seit 2010 amtierende Vorsitzende Nikolaus Landgraf (49) Ende Januar ausscheiden wird und nach Brüssel geht, kommt es zu diesem Wechsel an der DGB-Spitze. Die nächste reguläre Bezirkskonferenz ist im Januar 2018 anberaumt. Dort tritt Kunzmann nochmals für vier Jahre an, wie er im Gespräch mit der PZ erklärte. In der Goldstadt ist die Nachfolge bei der IG Metall bereits vorausschauend geregelt worden. Liane Papaioannou sollte ohnehin in drei Jahren neue IG-Metall-Chefin werden. „Ich hätte gerne noch länger mit Martin Kunzmann zusammengearbeitet.“ Ihn habe aber die neue Aufgabe beim DGB gereizt.

Neben diversen sozialpolitischen Funktionen wie dem alternierenden Vorsitz bei der Rentenversicherung Baden-Württemberg und Bund, muss Kunzmann die vielfältigen Interessen der kleineren und größeren Gewerkschaften sowohl im Dienstleistungs- als auch im Industriebereich zusammenbringen. Insgesamt vereint der DGB im Südwesten 817 000 Mitglieder. Sein Auftrag wird es sein, den DGB nach außen zu repräsentieren und die Kontakte zur Politik zu pflegen. Dabei sieht sich Kunzmann in der Landeshauptstadt einer grün-schwarzen Regierung gegenüber, während die SPD, die er als Pforzheimer Spitzenkandidat noch in die Landtagswahl 2011 führte, mittlerweile in der Opposition gelandet ist.

Kunzmann: „Ich danke dem Bezirksvorstand für das Vertrauen, das er in mich setzt. Sozialer Zusammenhalt, gute Arbeit und Bildung sowie der Einsatz für ein weltoffenes Land sind die Themen, die mir wichtig sind und für die ich mich als Betriebsrat und Gewerkschafter immer eingesetzt habe.“ Die Gewerkschaften stünden vor riesigen Herausforderungen.

„Wir müssen die vernetzte und globalisierte Arbeitswelt gestalten. Wir dürfen die Augen nicht vor dem Wandel verschließen, sonst bleiben die Menschen auf der Strecke“, so der künftige DGB-Chef. „Unser Anspruch muss sein, beharrlich auf mehr soziale Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und in der Bildung zu dringen – gegenüber der Politik und gegenüber den Arbeitgebern. Deshalb ist es so wichtig, dass der DGB auf die Erhöhung der Renten und die gerechte Finanzierung der Krankenversicherung dringt. Ich bin fest überzeugt: Gerechtigkeit ist nicht mit populistischen Phrasen zu erreichen. Im Gegenteil. Wir müssen ein weltoffenes Land bleiben und dürfen keine Mauern bauen. Das wäre das Ende unseres Wohlstandes“, betonte Kunzmann.

Die IG Metall Baden-Württemberg zeigte sich erfreut, dass es so schnell gelungen ist, einen geeigneten Kandidaten für den DGB-Vorsitz im Land zu finden, der das Vertrauen aller Mitgliedsgewerkschaften genießt. Bezirksleiter Roman Zitzelsberger: „Ich kenne Martin Kunzmann aus über 30 Jahren Zusammenarbeit in der IG Metall und schätze ihn als geradlinigen und aufrichtigen Vertreter von Arbeitnehmerinteressen.“

Martin Gross, Landesbezirksleiter ver.di ergänzte: „Die Brise, die uns Gewerkschaften derzeit entgegenschlägt, wird deutlich steifer: Ob bei der Rente, bei der Gestaltung der Digitalisierung, bei der Steuergesetzgebung, bei der Mitbestimmung oder bei der Bildungszeit. Martin Kunzmann weiß, wie man bei Gegenwind Kurs hält. Er ist ein guter Steuermann für den DGB im Land.“