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Geduld ist gefragt: Lange Schlangen am Air-Berlin-Schalter. Foto: Weihrauch
Geduld ist gefragt: Lange Schlangen am Air-Berlin-Schalter. Foto: Weihrauch
13.09.2017

Massenhafte Krankmeldungen treffen Flugbetrieb massiv: Air Berlin gehen die Piloten aus

Berlin. Nervenprobe für Fluggäste der Air Berlin: Kurz vor Ende der Bieterfrist sind der insolventen Fluggesellschaft gestern streckenweise die Piloten ausgegangen.

Etwa 200 Kollegen meldeten sich krank, über 100 Flüge fielen aus, tausende Passagiere waren betroffen. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit trat dem Verdacht entgegen, zu Krankmeldungen aufgerufen zu haben, und ermahnte gesunde Kollegen, zur Arbeit zu gehen.

An den Flughäfen bildeten sich lange Schlangen vor den Schaltern, viele Passagiere harrten aus und hofften auf eine Umbuchung. Allein in Berlin-Tegel entfielen rund 60 Flüge. Um weiteres Chaos zu vermeiden, rief der Flughafenbetreiber Passagiere auf, sich vor der Anreise zum Airport über den Flugstatus zu informieren. Unklar blieb, ob Air Berlin heute wieder wie gewohnt fliegt. Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens.

Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen. Für die Verhandlungen mit Interessenten über eine Übernahme von Teilen des Unternehmens seien die Ausfälle „pures Gift“, sagte Kebekus in einer Mitteilung, ebenso für das Ziel, möglichst viele der mehr als 8000 Arbeitsplätze zu erhalten.

Durch die Krankmeldungen fiel nahezu jeder siebte der geplanten 750 Flüge aus. Betroffen war auch die Lufthansa-Tochter Eurowings, die 14 Maschinen samt Personal von Air Berlin geleast hat. Genaue Zahlen von Eurowings waren zunächst zu erhalten; allein am Flughafen Stuttgart wurden nach Betreiberangaben 30 Flüge gestrichen. „Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro“, teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Hinzu kämen drei bis vier Millionen Euro Verlust, die ohnehin pro Tag anfallen.

Rund 200 der insgesamt 1500 Air-Berlin-Piloten hatten sich kurzfristig krank gemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug. Betriebsleiter Oliver Iffert betonte, bei den Flugbegleitern gebe es keine Auffälligkeiten. Er stellte die Krankmeldungen in einem internen Schreiben in Zusammenhang mit Einschränkungen auf der Langstrecke. Bereits am Montag war bekannt geworden, dass ein Leasinggeber zum 25. September zehn Langstreckenmaschinen zurückverlangt, Air Berlin strich daraufhin die Karibik-Flüge. Jedoch schon zu Anfang des Monats hatten die Berliner zahlreiche Langstreckenflüge aus Berlin und Düsseldorf auf die Streichliste gesetzt.

Die Airline bat Passagiere, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges unter www.airberlin.com/fluginfo zu prüfen. Reisenden, die von Streichungen betroffen seien, solle die „bestmögliche Reisealternative“ angeboten werden.