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Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, hat gestern eine erfreuliche Arbeitsmarkt-Bilanz präsentiert. Foto: Ketterl
Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, hat gestern eine erfreuliche Arbeitsmarkt-Bilanz präsentiert. Foto: Ketterl
11.01.2019

Mehr Geld für Qualifizierung: Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim fördert Weiterbildung

Pforzheim. Martina Lehmann wirkt entspannt, auch wenn das neue Jahr hoffentlich viel Arbeit bringen wird. Aber das ist für die Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim nichts Neues. Finanziell kann Lehmann dabei aus dem Vollen schöpfen, denn mit 36 Millionen Euro stehen rund zehn Prozent mehr Fördermittel als im Vorjahr zur Verfügung.

Wichtiges Ziel ist die Qualifizierung von Beschäftigten und damit die Vermeidung der Arbeitslosigkeit. Diese konnte schon 2018 im Nordschwarzwald überdurchschnittlich reduziert werden. Mit 10.694 Erwerbslosen lag die Quote um über zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Landesweit betrug der Rückgang lediglich 8,3 Prozent.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region stieg um 2,2 Prozent auf 215.416 – der höchste jemals erreichte Wert. Und die Aussichten für 2019 sind positiv, wie die Agenturchefin der Presse erläuterte. Nach einer Prognose des IAB soll die Beschäftigung um 1,7 Prozent wachsen und die Arbeitslosigkeit um 4,7 Prozent sinken.

Auch die Agentur erfüllte 2018 ihre selbstgesteckten Ziele – und landete auf dem zweitbesten Platz im internen Ranking aller baden-württembergischen Agenturen, freut sich Lehmann. Mehr Jugendliche in Ausbildung, Arbeits- und Fachkräftesicherung und Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit sind die operativen Schwerpunkte 2019.

„Der Strauß unserer arbeitsmarktpolitischen Möglichkeiten wird durch das Qualifizierungschancen- und Teilhabechancen-Gesetz erweitert.“ Kleine und mittlere Unternehmen erhalten bis zu 100 Prozent der Weiterbildungskosten von der Agentur erstattet. Auch Lohn und Gehalt eines Beschäftigten könne während der Weiterbildung ganz oder teilweise übernommen werden, ergänzt Lehmann.

Viele Jobs in Gefahr

Digitalisierung und demografischer Wandel beschleunigen die Veränderungen am Arbeitsmarkt, erläutert die Vorsitzende der Geschäftsführung. Davon sei die Region Nordschwarzwald besonders betroffen – denn die Digitalisierung kostet Jobs. Bis zu 1,5 Millionen Arbeitsplätze könnten wegfallen. Bundesweit habe sich der Anteil der Beschäftigten, die in Berufen mit hohem Ersetzbarkeitspotenzial arbeiten von 15 auf 25 Prozent erhöht. Die regionale Betroffenheit liegt in Pforzheim bei 32,4 Prozent, im Enzkreis sogar bei 38,9 Prozent.

„Das bedeutet nicht, dass tatsächlich ein Stellenabbau erfolgt“, relativiert Lehmann. Jedoch werde es einen starken Wandel in der Arbeitswelt geben. Darauf müsse man mit frühzeitigen Qualifizierungsmaßnahmen reagieren. „Für Fachkräfte, die ihre Kompetenzen erweitern, bietet die Digitalisierung auch viele Chancen“, sagt die Agenturchefin.