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Geschäftiges Treiben auf der Messe für Metallbearbeitung EMO in Hannover – auch Unternehmen aus der Region stellten aus.  Foto: Emo 

Metallbearbeiter in der Wartehalle: Breiter aufgestellt hat Zukunft

Enzkreis/Hannover. Firmen aus der Region zeigen sich auf der EMO-Messe in Hannover und geben einen gespaltenen Ausblick in die Zukunft: Wer breiter aufgestellt ist, profitiert.

Während Zulieferer in Pforzheim und dem Enkreis wegen der schlechten Auftragslage ächzen, brummt es bei Zecha Hartmetall-Werkzeugfabrikation GmbH in Königsbach-Stein. Das Erfolgsgeheimnis? „Wir sind im Automotive nicht tief drin“, sagt Geschäftsführer Stefan Zecha. Der Betrieb ist breit aufgestellt, sucht sich seine Nischen und beliefert verschiedene Branchen – vom Dentalbereich, über die Möbelindustrie hin zur Raumfahrt.

Vergangene Woche sprach Zecha als frisch gewählter Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau auf der weltweit größten Messe für Metallbearbeitung EMO in Hannover. Sie zieht Unternehmen etwa aus dem Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie und Zulieferer an, aber auch Luft- und Raumfahrttechnik, Feinmechanik, Medizintechnik, Werkzeug- und Formenbau ist vertreten. „Es ist der wichtigste Branchen-Treff“, sagt Zecha. Dort zeigt sich, wie aktuell die Stimmung in der Branche ist: „Sie ist gar nicht so schlimm, wie sie dargestellt wird.“ Insbesondere außerhalb des Automobilbereichs seien die Gespräche positiv gewesen – es gebe auch Chancen, etwa in der CO2-neutralen Produktion oder in den neuen Antriebsformen. „Es war schon immer eine Tugend der deutschen Ingenieurskunst, sich mit dem Neuen zu beschäftigen und Lösungen zu finden“, sagt Zecha.

Dennoch belasten Handelskonflikt und Brexit das Geschäft der Metallverarbeiter: „Die konjunkturelle Eintrübung geht an den Unternehmen nicht spurlos vorbei“, sagt Zecha. Seit Jahresbeginn sind laut VDMA die Aufträge für die Branche stetig gesunken. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Produktionsminus von zwei Prozent zum Vorjahr. Auch die Prognose für 2020 ist alles andere als rosig: Die Branche rechnet mit einem weiteren Rückgang von zwei Prozent.

In Hannover waren insgesamt 25 Unternehmen aus der Region vertreten, berichtet Werner Morgenthaler von der IHK Nordschwarzwald. Die Tendenz bei den Ausstellern: verhaltenes Abwarten. Bestellungen und Investitionen werden ausgezögert – das bremse die Entwicklung.

Das bestätigt Helmut Gegenheimer, Managing Director bei Otec: „Die Investitionsbereitschaft hat sich, besonders rund ums Automobilgeschäft, aus bekannten Gründen weltweit erheblich verschlechtert.“ Die für Gleitschleifmaschinen und Prozesstechnik bekannte Firma aus Straubenhardt nutzte etwa die Hochkonjunktur, um sich „besonders in den Bereichen Lean, Qualität und Innovation noch einmal deutlich zu verbessern.“ Auch hätten sie sich rechtzeitig nach neuen Märkten umgeschaut, die aussichtsreiche Aufträge versprechen.

Geschäftsführer Georg Karl Saacke der gleichnamigen Firma aus Pforzheim berichtet, dass dieses Jahr die Besucherzahl durchschnittlich war. Das sei aber aufgrund der eintrübenden Konjunktur nicht überraschend. „Die Qualität der Besucher war allerdings hoch.“ Der Geschäftsführer zeigt sich vom Zuspruch der Besucher überrascht, denn man reiste „mit keinen allzu großen Erwartungen zur EMO“. Daher sei Saacke zuversichtlich „für weitere Verkaufsabschlüsse im Nachmessegeschäft.“

Aussteller in Hannover waren die Königsbach-Steiner nicht – da sei die Ausrichtung der Firma zu speziell, sagt Zecha. Sie entwickeln neue Werkzeuge für ausgefallene Anwendungsfälle und schwierige Materialien wie etwa Granit. Denn für Zecha und seinen Geschäftspartner Reiner Kirschner sei Innovation sehr wichtig: „Wir leben von neuen Produkten.“ Dafür nehmen sie jährlich rund 400 000 Euro im Jahr in die Hand. In der internen Forschungs- und Entwicklungsabteilung forscht das Unternehmen im Schnitt drei Jahre an einem Projekt, sagt Zecha. Im Blick haben Zecha und Kirschner nun den südostasiatischen und amerikanischen Markt. Letzterer sei „der größte Markt für Zerspanung“, so die Geschäftsführer. Noch bewegt sich der Export bei 30 Prozent – auf 40 Prozent wollen sie kommen. In Indien ist die Firma bereits seit 2009 präsent und kooperiert mit der Dagger Master Tools Limited.