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Der Lebensmittelhandel bleibt unter dem Dach von Metro.
Der Lebensmittelhandel bleibt unter dem Dach von Metro.
31.03.2016

Metro spaltet sich auf: Lebensmittel und Elektronik nicht mehr unter einem Dach

Das Ende einer Ära: Deutschlands einst größter Handelskonzern Metro stellt die Weichen für die eigene Aufspaltung. 20 Jahre nach Gründung der Metro AG soll Schluss sein mit „Alles unter einem Dach“. Künftig sollen Großhandel und das Lebensmittelgeschäft unabhängig von der Unterhaltungselektronik in einer eigenen börsennotieren Gesellschaft agieren. „Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, den Schritt zu wagen und aufzubrechen zu neuen Ufern“, sagte Konzernchef Olaf Koch am Mittwoch bei der überraschenden Ankündigung der Zerschlagungspläne.

Entstanden war die Metro 1996 durch die Verschmelzung der Großhandelkette Metro mit den Handelsunternehmen Asko Deutsche Kaufhaus AG, Kaufhof Holding AG und Deutsche SB-Kauf AG. Lange Zeit war der Handelsriese nicht nur die Nummer eins in Deutschland, sondern auch international eins der führenden Handelsunternehmen.

Dennoch gab es von Anfang an Kritik an dem Firmensammelsurium, das zeitweise auch noch den Schuhhändler Reno, das Computerunternehmen Vobis, die Baumarktkette Praktiker und die Adler-Modemärkte unter seinem Dach vereinte. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass der Verbund überhaupt keinen Sinn machte“, urteilt etwa der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Die einzelnen Unternehmenssteile hätten sich in der Konzernstruktur eher gegenseitig behindert.

Schon 2008 liebäugelte deshalb Kochs-Vorgänger Eckhard Cordes mit einer Zerschlagung des Konzerns. Er wollte die Warenhaustochter Kaufhof verkaufen und dachte auch über eine Börsengang von Media Saturn nach. Vereitelt wurden die Vorhaben aber von der Finanzkrise. Erst Koch glückte im Sommer vergangenen Jahres der Verkauf der Warenhäuser an die kanadische Hudson’s Bay Group, der Milliarden in die Kassen spülte. Die Aufspaltung des verbleibenden Konzerns sei nun der logische nächste Schritt, betonte Koch. Denn zwischen den Geschäftsbereichen Lebensmittelhandel und Unterhaltungselektronik gebe es kaum Überschneidungen. Bei der Aufspaltung soll jeder Metro-Aktionär Anteile beider Unternehmen bekommen.

Den Aktionären verspricht Koch durch den Schritt eine Wertsteigerung ihrer Anteile, da Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Den Mitarbeitern stellt er zusätzliche Beschäftigungschancen in Aussicht, weil die getrennten Unternehmen schneller wachsen würden. Auch die Verbraucher würden profitieren, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten. Beide neuen Unternehmen dürften laut Koch einen Platz im M-Dax finden. Die neue Struktur soll ihnen außerdem zusätzliche Expansionschancen eröffnen.

Während die Energieriesen Eon und RWE die eigene Aufspaltung vorantreiben, um die zukunftsfähigen Bereiche – etwa die Erneuerbaren Energien – von den Sorgenkindern – vor allem den konventionellen Kraftwerken – zu schützen, sieht Koch für beide Metro-Sprösslinge große Zukunftschancen.

Metro-Chef Koch will in Zukunft das abgespaltene Großhandels- und Lebensmittelgeschäft, zum dem auch die Supermarktkette Real gehören wird, führen. Die Leitung der Elektroniksparte, die aus Media Markt, Saturn und Redcoon bestehen soll, wird Media Saturn-Chef Pieter Haas übernehmen. Schöner Nebeneffekt für Koch: Er muss sich in Zukunft nicht mehr um den Dauerkonflikt mit dem Media Saturn-Minderheitsaktionär Erich Kellerhals kümmern, der seit Jahren für schlechte Stimmung bei der Elektroniktochter sorgt. Dafür muss er sich allerdings weiter um das Metro-Sorgenkind Real kümmern, das im Wettbewerb mit Discountern und den großen Supermarktketten zerrieben zu werden droht. Koch: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir an Real festhalten.“